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Brandschutz : Hodorf gehen die Feuerwehrleute aus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Amtswehrführer schlägt Alarm – tagsüber kaum noch Einsatzkräfte vor Ort .

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2016 | 12:08 Uhr

Thorsten Beuck, Amtswehrführer des Amtes Itzehoe-Land , sprach bei der Hodorfer Einwohnerversammlung im Gemeindehaus zum Thema Brandschutz Klartext. Auf die Frage „Was macht Hodorf?“ antwortete er: „Zu wenig! Ich will hier keinen Kuschelkurs fahren, sondern spreche es mal deutlich aus: Es sieht scheiße aus.“ Die zu geringen Mitgliederzahlen in der dorfeigenen Wehr bestimmten die Sitzung, an der die Bewohner großes Interesse zeigten.

Obwohl die Gemeinde mit ihren 216 Einwohnern gemäß Gesetz die Feuerwehr unterstützen solle, geschehe das hier laut dem Amtswehrführer in viel zu geringem Maße. Eine Sollgröße für eine funktionierende Feuerwehr liege bei 27 Mitgliedern, um einen geordneten Betrieb aufrecht zu erhalten. Davon sollten 18 in der Einsatzgruppe sein. „Wir haben hier gerade einmal 18, davon sind nur 15 regelmäßig dabei“, klagte er – und warb dann in einem viertelstündigen Lichtbildvortrag für die Mitarbeit. „Wenn man einmal im Monat zum Üben kommt und sinnvoll einen schönen Abend verlebt, ist man die Alltagssorgen für zwei Stunden los.“ Selbst wer im Management sitze, hätte diese zwei Stunden Zeit. „Es ist eine tolle Sache, wenn man helfen kann.“ Zumal alle Voraussetzungen erfüllt seien, um eine ausreichende Versorgung herzustellen: „Ihr habt ein Fahrzeug und ein Feuerwehrgerätehaus. Man muss kein Bodybuilder sein oder studiert haben, sondern einfach helfen wollen und Spaß an der Teamarbeit haben.“

Von 100 Einsätzen im Amt im vergangenen Jahr gab es in Hodorf keinen einzigen. „Das kann sich aber schnell ändern und wird immer wahrscheinlicher.“ Man sollte nicht nur nehmen, sondern auch geben und sich nicht auf die Nachbarwehren verlassen. „Die eigentlich vorgeschriebenen Reaktionszeiten im Ernstfall von acht Minuten schaffen wir in Hodorf nicht mehr.“ Abschließend wurde in einem Image-Film die Arbeit der Wehr gezeigt (Infos im Internet unter www.sei-dabei.info oder auf facebook unter „Sei dabei“). Dem Aufruf zur Mitarbeit schloss sich Bürgermeister Christian Schneider an. „Wir sind sehr um neue Mitglieder bemüht. Nur durch unsere Landwirte vor Ort sind tagsüber noch welche vor Ort.“ Nun wolle man auf verschiedene Arten überzeugen.

Weiteres Thema des Abends war die Unterbringung der dem Ort zugewiesenen Flüchtlinge. Das Problem: „Wir brauchen Wohnungen“, so der Bürgermeister. Matthias Siebenborn, Leiter vom Ordnungsamt Itzehoe-Land, erläuterte die allgemeine Lage und den Zuweisungsschlüssel. Die Gemeinde Hodorf habe für ein eigenes Gebäude erworben und dem Amt eine Wohnung angeboten, um eine Familie darin unterzubringen. „Das können bis zu sechs Personen sein.“ In Hodorf wurden bislang vier Flüchtlinge aus dem Iran einquartiert. „Das ging alles problemlos.“ Darüber hinaus hat die Gemeinde in der Dorfstraße 12 gerade Haus gekauft und dafür einen Zuschuss von 30  000 Euro erhalten. „Wegen derzeit guter Finanzierungsmöglichkeiten zahlen wir nur 0,03 Prozent Zinsen Abtrag.“ Und weiter: „Wir wollen die obere Wohnung für die Flüchtlingsunterbringung herrichten, die unteren beiden frei vermieten.“ Entgegen der ursprünglichen Annahme gebe es sogar viele Nachfragen auf die Vermietung. Die Renovierungsarbeiten sollen im Juli abgeschlossen sein.

Trotz Vorbehalten hier und da überwog bei den Einwohnern die Neugier. Dabei ging es um die Möglichkeiten für Zuwanderer, mobil zu sein, und in dem Zusammenhang um den Transport der Kinder zu Kita oder Schule. Matthias Siebenborn erläuterte: „Wir haben viele Helfer im Amtsgebiet, die Familien ehrenamtlich betreuen, es gibt Fahrdienste und eventuell Taxis.“

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