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Info-Veranstaltung : Hochwasser-Konzept: „Das wird nix“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kellinghusen benötigt Flächen von Grundeigentümern an der Stör - doch nicht alle wollen mitmachen.

Die wiederkehrenden Hochwasser gehören zur Störstadt wie ihre drei Türme. Oft genug müssen Bürger der tiefer gelegenen Stadtteile sich mit überschwemmten Grundstücken und nassen Kellern herumschlagen. Seit mehr als 20 Jahren steht das Thema auf der Agenda der Stadt. Aktuell erstellte Thorsten Evertz von der Firma Wasser & Plan GmbH eine vom Land finanzierte Hochwasserexpertise. Allerdings ist der Geldfluss des Landes an eine Bedingung geknüpft: Will die Stadt weiterhin von Landeszuschüssen profitieren, muss sie ein Hochwasserschutzkonzept umsetzen.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse dafür lieferte der Fachingenieur mit seiner Wirkungsanalyse. Umgesetzt werden sollen die empfohlenen Flutschutz-Bausteine in einzelnen Schritten. Zunächst liegt der Fokus auf der Aufweitung des innerstädtischen Flussprofils. Im Rahmen einer Einwohnerversammlung waren dazu die Anlieger des betreffenden Bereichs eingeladen. Evertz nannte erneut Zahlen, Daten und Fakten und stellte zum wiederholten Mal die Engstelle in der Stadtmitte heraus. Entlastung würde die Schaffung eines erweiterten Hochwasserquerschnitts auf der rechten und linken Uferseite bringen. Der Haken: Die Stadt kann nur im öffentlichen Raum – in diesem Fall: Birkenallee – handeln. Evertz setzt jedoch auf den Dialog mit den elf Anliegern. Denn aufgrund ihrer geringen Anzahl könnten auch ihre Ufer-Grundstücke Bestandteil des öffentlichen, geförderten Flutschutzes werden, erklärte er. Für die Eigner bedeutet dies: Sie stellen Randstreifen ihrer Gärten für eine Absenkung im Uferbereich zur Verfügung und akzeptieren Schutzbauwerke (etwa in Form von Mauern) auf einer bestimmten Linie ihrer Grundstücke. Im Gegenzug liegt die Fläche dahinter (zur Straße hin) dann nicht mehr in dem per Landesverordnung festgesetzten Überschwemmungsgebiet (ÜSG).

Einige Bürger begrüßten dies, andere zeigten sich skeptisch. Durch den abgesenkten Uferstreifen würde das Wasser noch näher an die Häuser kommen, befürchtete ein Anlieger. „Das wird nix“, erinnerte ein anderer an erfolglose Gespräche in der Vergangenheit. Und was ist, wenn die Landes-Offerte des Flutschutzes nicht angenommen wird? Wenn jemand partout nicht an Fördergeld und Schutz teilhaben wolle, so die Antwort des Planers, könne man auch um das jeweilige Grundstück „drum herum gehen.“ Als Folge würde es dann aber weiterhin im mit Auflagen versehenen ÜSG liegen. Zwar betonte Evertz, alle Schritte sollten mit den Bürgern gemeinsam gemacht werden und die Maßnahmen würden die Immobilienwerte positiv beeinflussen. Doch nicht jeder verstand den angekündigten „Dialog“ als freundliches Gespräch. So sah Anwohner und Stadtvertreter Uwe Zebedies in dem Angebot als Drohgebärde nach dem Motto „zustimmen oder permanent absaufen.“

Nicht so stehen lassen wollte dies Frank Krüger vom Umweltministerium: Es gehe darum, ob Anlieger mitmachten, indem sie Hochwasserschutz auf ihren Grundstücken akzeptierten, „oder ob der Bürgermeister auf der nächsten öffentlichen Straße den Rest der Bürger schützt.“ Keinesfalls als Drohung, sondern als gute Information lobte die Besitzerin der Poggenwiese, Birgit Sass, das Vorgehen. Sie werde einen Teil der Fläche für den Hochwasserschutz zur Verfügung stellen und wünsche sich auch auf der anderen Störseite eine gemeinsame Lösung. Denn: „Wir müssen etwas machen.“

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