Hochwasser : Hochwasser: Helfer im Dauereinsatz

Wasser, Wasser, Wasser: Nur in entsprechender Kleidung gab es noch ein Durchkommen.
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Wasser, Wasser, Wasser: Nur in entsprechender Kleidung gab es noch ein Durchkommen.

Einsatzkräfte in und um Kellinghusen schützen Häuser, Klärwerke und Betriebe / Dramatische Stunden am Deich in Hohenfelde

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26. Dezember 2014, 18:30 Uhr

Das schwerste Hochwasser seit Jahrzehnten hat über die Weihnachtsfeiertage Kellinghusen und Umgebung getroffen. Die freiwilligen Helfer waren Tag und Nacht im Einsatz, um Klärwerk, Häuser, unterspülte Straßen und Reitställe vor dem Wasser zu schützen. Auch in Hohenfelde mussten Feuerwehrleute und THW ausrücken, dort drohte der Deich einer Au zu brechen. Mittlerweile geht das Hochwasser zwar zurück, doch immer noch stehen Straßen und Keller voll Wasser.

In Kellinghusen war die Feuerwehr seit dem 23. Dezember ununterbrochen im Einsatz. Das Störwasser hatte weite Teile der Landschaft um Kellinghusen herum, Straßen in unteren Stadtbereich und viele Keller unter Wasser gesetzt. Ein Hauptaugenmerk von Feuerwehr und Mitarbeitern des Bauhofes galt dabei dem Klärwerk. Um die Anlage zu entlasten, fuhren Lohnunternehmer mit großen Tankwagen Oberflächenwasser aus dem Netz, um das Klärwerk betriebsbereit zu halten. Seit Donnerstag wird das Werk per Hand gefahren. Der Leiter und Gewässerschutzbeauftragte Manfred Langheinrich wies darauf hin, dass alle Bemühungen darauf hinauslaufen, das städtische Klärwerk in Funktion zu halten und die Biologie darin zu sichern. „Diese Vorgänge sind verfahrenstechnisch beherrschbar!“ so Langheinrich. Eine frohe Botschaft für die Haushalte im unteren Stadtgebiet lautete deshalb: Ihre Sanitäranlage bleiben in Betrieb. Ein Versagen der einzelnen Klärstufen würde einen wochenlangen Ausfall des Klärwerks zur Folge haben.

Neben zahlreichen Häusern ist auch wieder die Reitanlage im Heisch betroffen. Nach Ausfall einer Pumpe mussten die Tiere evakuiert werden, das Wasser der Stör flutete auf breiter Front über die Straße und überschwemmte das gesamte Gelände. Überflutet wurde auch das Areal der Lederfabrik Kobel. Feuerwehrleute pumpten dort Wasser ab, um das Betriebsgelände in entscheidenden Bereichen zu sichern.

Neben der Kellinghusener Wehr waren auch Nachbarwehren zur Unterstützung im Einsatz – so füllten die Quarnstedter und Mühlenbarbeker Feuerwehrleute Sandsäcke, die Wehr Springhoe-Hohenfiert sicherte Pumparbeiten im Stadtgebiet ab und Itzehoer Feuerwehrleute verteilten mit ihrem Gerätewagen-Logistik Sandsäcke vom Bauhof im Stadtgebiet. Allein bis zum Abend des ersten Weihnachtstages wurden 5000 gefüllte Sandsäcke verteilt und 60 Tonnen Sand verarbeitet.

Fast 100 Einsätze hat die Feuerwehr bisher in Kellinghusen gefahren. Feuerwehr-Sprecher Klaus Rahlf: „Die Arbeiten der Feuerwehr verlaufen wie bei den letzten Hochwassereinsätzen nahezu routiniert. In Schichten aufgeteilt fahren die Kameraden einen Einsatz nach dem anderen.“ Dank richtet er an die Bevölkerung, denn: „Zahlreiche Einwohner kommen in die Wache, spenden Geld, bringen Leckereien, Kuchen, Honiggläser und anderes, um auf diesem Wege Danke zu sagen für die Arbeit der Feuerwehr.“ Im Übrigen zeigten die Bewohner viel Verständnis dafür, wenn aufgrund der Einsatzmenge auch mal etwas länger dauerte, bis ein Einsatzfahrzeug mit der entsprechenden Hilfe vor der Tür stand.

Auch die Wehr in Wrist hatte ein unruhiges und arbeitsreiches Weihnachtsfest. Dort waren auch das Technische Hilfswerk und die Kreisfeuerwehrbereitschaft mit Hochleistungspumpen im Einsatz. Sie schützten die Brücke in der Bokeler Straße und entlasteten Deiche. Auch die Gasverteilerstation musste mit Sandsäcken vor dem Wasser der Bramau geschützt werden. Hilfe gab es unter anderem von den Wehren Poyenberg und Roßdorf, die Sandsäcke füllten und verteilten. Danach wurden auch Feuerwehrleute aus Sarlhusen, Lockstedt und Willenscharen für den Pumpbetrieb nachalarmiert. Obwohl die Pegelstände am ersten Weihnachtstag leicht zurückgingen, mussten zur Unterstützung weitere Pumpen angefordert. Aufgrund der hohen Belastung fielen auch zwei Pumpen aus. Gestern entspannte sich die Lage in Wrist. „Es fließt Richtung Stör – das ist ein gutes Zeichen“, freute sich Anwohner Helmut Baumann. Aber: Die Brücke in der Bokeler Straße stand auch am zweiten Weihnachtstag noch knapp im Wasser.

Eckhardt Richter wohnt an der Brückenstraße, eine Verbindungsstraße zwischen der B 206 und der Stellauer Straße. Normalerweise verläuft direkt parallel zu seiner Gartenmauer die Brückenstraße, davon war aber auch am zweiten Weihnachtstag wenig zu sehen. „Gestern stand das Wasser noch einen halben Meter höher.“ Zur Bramau heraus hatte Richter, als der Deich versetzt wurde, sein Grundstück aufschütten lassen. Zum Glück – sagt er heute, denn sonst wäre sein Hof eine einzige Wasserfläche wie bei den Nachbarn.

Hochwasser meldete auch Wulfsmoor. Dort schützten die Helfer einige landwirtschaftliche Höfe mit Sandsäcken vor den Wassermassen.

Bedrohlich war die Lage zeitweise ebenfalls in Hohenfelde. Dort gab es am ersten Weihnachtstag Großeinsatz für die Feuerwehren aus Hohenfelde und Umgebung. Im Ortsteil Halenbrook drohte der Deich der Kremper Au undicht zu werden. Die Folgen wären weitreichende Überschwemmungen von Ländereien und Gefährdung von Bauernhöfen und Überflutung von Straßen und Wegen gewesen. Doch dank des Einsatzes der Hilfskräfte konnte dieses Szenario verhindert werden. In diesem Hohenfelder Ortsteil stellte sich heraus, das der Deich der Au an zwei Stellen gefährdet war und zu Überspülen drohte. Da an einer Stelle die Grasnarbe relativ fest war, wurden entschieden, nichts zu machen und eine mögliche Überspülung kontrolliert zuzulassen.

An der anderen Schadstelle sah es schlechter aus. Der Deich war sehr durchgeweicht und aufgrund von Nagerbefall auch geschädigt und etwas abgesackt. Dort war Manpower angesagt, um den Deich mit Sandsäcken zu stabilisieren. Nach und nach wurden die Wehren aus Westerhorn, Horst, Rethwisch und Lägerdorf sowie das THW aus Barmstedt hinzu gerufen, so dass letztlich über 100 Helfer vor Ort waren. Dabei gab es zunächst Probleme, Sandsäcke zu bekommen. Diese wurden aus Itzehoe angefordert, doch dort gab es keine gefüllten mehr, da die Vorräte zu anderen Orten gebracht worden waren. So gab es 3500 leere Säcke, die zum Teil mit den Bausand, der vor Ort auf einem Bauernhof lagerte, gefüllt werden musste. Weitere 400 Sandsäcke hatte das THW aus Barmstedt schon auf ihren Fahrzeugen bereitliegen. Mit vereinten Kräften wurden die Sandsäcke dann von Mann zu Mann zu der schadhaften Deichstelle getragen und auf der Deichkrone abgelegt. Nach rund fünf Stunden hartem Einsatz konnten Feuerwehr und THW abrücken.

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