Ostern : Hochleistungssport im Hühnerstall

„Braune Eier sind an Ostern nicht ganz so beliebt wie weiße“, sagt der Landwirt Simon Stojohann.
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„Braune Eier sind an Ostern nicht ganz so beliebt wie weiße“, sagt der Landwirt Simon Stojohann.

Vom Gehege in den Eierautomaten: Vor Ostern ist auf dem Hof Stajohann in Neuendorf bei Elmshorn einiges zu tun.

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31. März 2018, 09:45 Uhr

Pünktlich jeden Morgen um 6 Uhr geht Simon Stajohann in den Hühnerstall. Die Hennen hüpfen von der Stange auf den Boden, umkreisen den 30-Jährigen, gackern und wenden sich dann urplötzlich von ihm ab. „Frühstück ist halt interessanter als ich“, sagt Stajohann und schmunzelt. Auf dem Hof in der Dorfreihe 16 ist kurz vor Ostern einiges zu tun. Überstunden machen jedoch nicht die Hennen, sondern nur der junge Landwirt.

„Die Hühner sind recht pflegeleicht. Viel Arbeit haben wir momentan, weil die Lämmer kommen“, sagt Stajohann. Denn bis auf die Stippvisite am Morgen muss er nur wenige Aufgaben im automatisierten Hühnerstall persönlich übernehmen. Das Futter kommt sechs mal am Tag von selbst in den Futtertrog. „Es ist quasi ein all you can eat Buffet. Ohne Mampf kein Kampf“, sagt Stajohann. Die Eier rollen außerdem vom Nest direkt auf ein Band, das in den „Eierraum“ führt. Dort werden sie dann der Größe nach sortiert, gestempelt und später im Hofladen und einem Automaten verkauft. „Jedes Huhn legt pro Jahr zirka 270 Eier. Meine Hennen sind wahre Hochleistungssportler. Zu Ostern werden vor allem weiße Eier zum Färben gebraucht“, erklärt Stajohann.

Um diese Leistung bringen zu können, mögen es seine Hühner eher ruhig. Die Hennen seien Gewohnheitstiere, die jeden Tag im selben Rhythmus leben. „Wenn ich morgens das Licht im Stall anmache, sehe ich immer das gleiche Bild: Alle Hühner sitzen auf der oberen Stange und schnarchen“, sagt der junge Bauer und erklärt, dass die Hennen ungern unten sitzen, weil sie dort leichter vom Fuchs erfasst werden könnten. Doch nicht nur der Fuchs als natürlicher Feind gefährdet die Hennen. „Wir haben enge Richtlinien, wer in den Hühnerstall darf, damit sich keine Erreger verbreiten. Der Stall ist ein geschützter Raum für die Hennen“, erklärt Stajohann.

Besucher dürfen zwar deshalb nicht in den Stall, können aber den Hofladen der Stajohanns besuchen. Sogar rund um die Uhr können am Automaten landwirtschaftliche Erzeugnisse, wie Eier, Schinken, Mettwurst und Honig, „gezogen“ werden. Seit 2012 gibt es den Automaten auf dem Hof.

„Man wundert sich immer wieder, wenn man nachts um drei vom Feuerwehrfest kommt und plötzlich 40 Eier gekauft wurden“, sagt Stajohann. Wie bei einem typischen Automaten fallen die Eier aber nicht von ganz oben nach unten in die Warenausgabe, sondern werden mit einem kleinen Aufzug transportiert.

Zu Ostern wird der Automat voll bestückt sein – Eier auf dem Bauernhof versteckt, wie früher, werden jedoch nicht mehr, sagt Stajohann. „Damals hat meine Mutter überall bunte Eier versteckt. Nur leider hat sie sich nie gemerkt, wo überall. Dann haben wir auch im Sommer manchmal noch Ostereier wieder gefunden“, erzählt er.

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