Historischer Krimi am Kanal

Recherchierte für ihren neuen Krimi um ihren Serien-Kommissar Hauke Sötje viele Wochen lang in der Vergangenheit: Die Wewelsflether Autorin Anja Marschall.
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Recherchierte für ihren neuen Krimi um ihren Serien-Kommissar Hauke Sötje viele Wochen lang in der Vergangenheit: Die Wewelsflether Autorin Anja Marschall.

Wewelsflether Autorin Anja Marschall präsentiert dritten Band der Hauke Sötje-Reihe

shz.de von
13. April 2018, 05:47 Uhr

Es ist wie eine Zeitreise mehr als 100 Jahre zurück: Damals wurde in einer Tageszeitung für „Apollo, das Wunderschwein“ geworben, das man gegen 20 Pfennig Eintritt bewundern könne. Oder für „die rechte Behandlung von Trunksucht“. Auch einige der Akteure hat es tatsächlich gegeben: den Kommissar Kleinschmidt und den Oberpostmeister Behrwein. Für sie bleiben im neuesten Krimi von Anja Marschall allerdings nur kleine Nebenrollen. Im Mittelpunkt steht einmal mehr Hauke Sötje. Nach dem „Tod am Nord-Ostsee-Kanal“ geht es im neuesten Band der Sötje-Reihe nun um „Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal“.

Die wundersame Wandlung des Namens für den Schifffahrtsweg quer durch Schleswig-Holstein erklärt sich durch das Jahr, in dem der Fall spielt: 1896. Damals war der NOK zeitweise nach dem Kaiser bekannt. „Mir ist es wichtig, dass Hauke Sötjes Fälle nur an diesem Ort und zu dieser Zeit mit genau diesen Leuten spielen“, sagt die Autorin. Viele Wochen lang hatte die 55-jährige Wewelsfletherin unter anderem in der Kieler Landesbibliothek recherchiert, um dem Buch so viel Authentizität wie möglich zu geben. Das Ergebnis hat fast schon wieder aktuellen Bezug: In „Verrat am KWK“ wird Hauke Sötje ungewollt in die große Weltpolitik hineingezogen. Er soll am Rande geheimer Bündnisverhandlungen zwischen Deutschland und Russland einen Doppelagenten schützen und gerät zwischen die Fronten der Geheimdienste. Doch dann tappt er in eine Falle und erkennt, dass er für den Ehrgeiz anderer geopfert werden soll. Erst als ein totes Dienstmädchen im Kanal gefunden wird, kommt er der Wahrheit auf die Spur. Vorher aber muss der ehemalige Kapitän die Geister seiner eigenen Vergangenheit bekämpfen.

„Tod am Nord-Ostsee-Kanal“ endet mit der Parade der kaiserlichen Flotte, die von Brunsbüttel nach Kiel-Holtenau fuhr. Und genau an diesen Schleusen beginnt nun der nächste Hauke Sötje-Fall.

Anja Marschall suchte sich auch für diesen historischen Krimi Fachleute, die ihr mit Rat und Tat zur Seite standen. „Als Autorin kann man nicht alles wissen, aber man sollte Leute kennen, die es tun“, sagt sie. Der ehemalige Kanalsteurer Harro Peters aus Kiel beriet die Autorin in Sachen Kanal und Technik, während Stadtführer Willie Benzen ihr mit einer mehrstündigen Stadtrundfahrt durch Kiel zeigte, wie die Stadt an der Förde damals aussah. Vor allem das ursprüngliche Schloss, in dem der Bruder des Kaisers residierte, ist mit jenem Bau von heute nicht mehr zu vergleichen. „Ich möchte damit fast vergessene Geschichte wieder lebendig machen.“

Anja Marschall schrieb an diesem Buch mehr als ein Jahr. „Das ist für einen historischen Krimi, zu dem ja naturgemäß viel Recherche gehört, Rekord.“ Von den Lesern wird der Aufwand offensichtlich honoriert. Der Vorgängerband „Tod am Nord-Ostsee-Kanal“ verkaufte sich mit mehr als 10 000 Exemplaren für Verlag und Buchhandel außerordentlich gut. „Das könnte daran liegen, dass es bisher keinen Krimi gab, der sich ausschließlich mit dem Kanal und seiner Bauzeit beschäftigte und darum etwas Neues war.“ Aktuell arbeitet die Wewelsfletherin schon am 4. Sötje-Band, der nach Tatorten in Glückstadt, Brunsbüttel und jetzt Kiel wieder in unserer Gegend spielen soll.

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