Stars : „Hirte ist der Hammer“

Feierten Wiedersehen im Holstein Center: Michael Hirte und Francy Brandt.
Feierten Wiedersehen im Holstein Center: Michael Hirte und Francy Brandt.

Michael Hirte, der Mann mit der Mundharmonika, lockt über 400 Fans ins Holstein Center

Kay Müller von
06. Januar 2015, 05:09 Uhr

Das Klischee ist leicht aufgeschrieben: Der Mann aus der Casting-Show, der jetzt durch die Einkaufszentren der Republik tingelt, um seine CDs zu verkaufen und gelangweilt Autogramme schreibt. Vielleicht denken so einige der rund 400 Zuschauer, die gestern im Holstein Center stehen, um Michael Hirte zu sehen, den Mann der in der Castingshow „Supertalent“ Millionen mit seiner Mundharmonika begeistert hat. Sechs Jahre ist es her, dass der 50-Jährige dort gewonnen hat. „Vielleicht denkt mancher: Warum ist der hier? Haben Bohlen und Konsorten sein ganzes Geld verbraten?“, sagt Hirte gleich vor seinem Auftritt. „Nein, ich wollte schon immer in den Norden.“

Ob das stimmt, wissen die Fans nicht – aber dass Hirte professionell seine Lieder spielt schon. Dass er geduldig die Fans in den Arm nimmt, jedem ein Autogramm gibt, sich mit jedem, der es will, fotografieren lässt. „Das gehört dazu“, sagt Hirte, der eine Biografie hat, die viele Menschen genau so rührt, wie sein Mundharmonikaspiel. Nach einem schweren Unfall lag Hirte wochenlang im Koma, verliert ein Augenlicht und seinen Job. Vom Straßenmusiker wird er durch die Fernsehshow zum Profi, der von seinem Spiel leben kann. „Ich wäre nicht hier, wenn Ihr nicht für mich angerufen hättet“, sagt Hirte seinen Fans. Auch danach stürmen seine Platten die Hitparaden, er wird mehrmals für den Echo nominiert. Heute kann er von seiner Musik leben. „Das gönne ich ihm“, sagt eine Frau, die von weit her kommt. Stephanie Westphal ist am Morgen um sechs Uhr aus Braunschweig losgefahren, um 10 Uhr war sie in Itzehoe, um den Auftritt ihres großen Idols um 14 Uhr live mitzuerleben. „Er ist der Beste, er ist alles für mich“, sagt die 35-Jährige. Bei allen Songs, die der Mann mit der Mundharmonika zum Halbplayback spielt, wippt sie mit, lächelt vergnügt. Dabei spielt er eigene Songs wie „Ein Mensch“, den Hirte für seine fast zweijährige Tochter Maria geschrieben hat. Andere Lieder haben einen Mallorca-Party-Sound unterlegt, wieder andere präsentiert er rustikaler, wie etwa die Titelmelodie von Pipi Langstrumpf. Nicht alle können damit etwas anfangen. „Wer ist das? Was soll das? Wo kommen die ganzen Leute her?“, fragt Jack Saror (25), der schnell das Weite sucht. Die Musik sei zwar okay, „aber nicht so mein Ding“. Doch den meisten Zuhörern gefallen Hirtes Lieder. So wie Francy Brandt, die Hirte aus der Nähe kennt. „Komm’ her, meine Süße“, ruft der Mundharmonikaspieler der Itzehoerin zu. Vor vier Jahren war sie 14 Tage lang mit ihm auf Tour, jetzt gibt es ein Wiedersehen. „Michael ist wirklich so wie sein Ruf: bodenständig, ehrlich, lustig“, sagt die Itzehoerin. Und: „Hirte ist der Hammer.“

Die Menschen recken Handys nach oben, selbst Leute, die nur zum Gucken vorbeigekommen sind, zollen Hirte Respekt. Wie Benjamin Steffens aus Itzehoe, dem der Auflauf dann aber irgendwann zu viel wird. „Auf die Kinder achtet hier keiner, keiner kommt mehr durch. Was passiert, wenn hier mal eine Panik ausbricht?“

Hirte versucht derweil das Publikum mit seinem größten Hit „Ave Maria“ zu beruhigen. „Das ist der schönste Song für mich“, sagt Stephanie Westphal, die am Ende noch eine der letzten Best of CDs kauft, die Hirte mitgebracht hat. Und sie bekommt natürlich ein Autogramm und sogar ein Bild mit ihrem Star. Glücklich drückt sie den Fotoapparat an ihre Brust und wischt sich den Schweiß von der Stirn. „Mein Mann sagt, ich sei verrückt“, sagt sie im Gehen. Denn sie muss schnell nach Heide, und morgen weiter nach Elmshorn. Dort wartet einer auf der Bühne auf sie: Michael Hirte.

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