Hiphop-AG: Nach dem Unterricht ist kreatives Toben angesagt

shz.de von
16. Juli 2015, 18:10 Uhr

Wenn das Reinigungsteam der Elbschule durch die Flure fegt, um die Sauberkeit wiederherzustellen, dann wird ein Raum erst einmal ausgespart: das Zimmer einer fünften Klasse. Dort lernen Elf- bis 13-Jährige seit einem Monat nach dem regulären Unterricht, wie man richtig rappt. Ihr Lehrer nennt sich „Jonny Walker“, wenn er selbst auf der Bühne steht. Im wahren Leben heißt der 22-jährige Erzieheranwärter Robin William Bohnet.

Er vermittelt den Mädchen und Jungen, was sie beachten müssen, damit ihre Texte cool klingen: „Am Anfang lassen sich Standardreime nicht vermeiden“, erklärt der Hiphopper und fügt hinzu: „Jeder fängt damit an, aber Ihr solltet die Haus-Maus-Reime schnell hinter euch lassen.“

Während Leon Pascal Witt es sich auf dem Tisch bequem macht, stilecht – mit der Kapuze auf dem Kopf, meldet sich Celina Friedrichs mit Handzeichen und bittet den Tutor, nicht ganz so schnell zu reden. Robin William Bohnet ist in seinem Element angekommen. Er bremst sich und fragt ab, was ein Zweckreim ist und was sich hinter dem Begriff rekursiver Reim verbirgt. Merle Sophie Schneider kann die Fragen beantworten. Die Elfjährige hat, wie ihre Mitschüler auch, ganz offensichtlich Spaß am Unterricht nach dem Unterricht. Das liegt daran, dass sich die jungen Leute hier kreativ entfalten und mental austoben können.

Es geht auch darum, mit dem Sprechgesang Reibung zu erzeugen, sich aufzulehnen und Grenzen zu überschreiten. Und das gelingt zum Beispiel mit der Frage: „Können wir auch Reime mit Hitler machen?“ Spätestens an dieser Stelle wären einige etablierte Lehrer mit ihrem Latein am Ende. Eine clevere und souveräne Antwort gibt es vom wortgewaltigen Robin William Bohnet: „Er ist hier nicht angebracht, der Knabe.“ Die Teenager sind zufrieden – das Thema Hitler ist vom Tisch. Nun soll aber auch der Lehrer mal zeigen, was er kann. Der Glückstädter lässt sich nicht zweimal bitten und legt los: In einfacher, doppelter und sogar dreifacher Geschwindigkeit feuert er seine Worte in den Klassenraum. Tripletime, nennt der Fachmann diese Ausdrucksgeschwindigkeit, die das ungeübte Gehör teilweise als Kauderwelsch wahrnimmt. Wer nicht glaubt, dass die Worte nicht verschluckt werden, dem bietet der Künstler an, den Text aufzunehmen und verlangsamt abzuspielen. Damit ist dann auch der Beweis erbracht, dass Übung den Meister macht.

Seit elf Jahren rappt Bohnet nun schon mit vollem Einsatz und hofft, dass er irgendwann selbst mal entdeckt wird: „Einmal auf dem Splash-Festival neben Samy Deluxe oder Kool Savas rappen, das wäre ein Traum.“ Sicher ist für ihn jedoch eines: Die Teilnahme am Glückstädter Selbstmach-Festival „Rock’n’Dock“, das am letzten Augustwochenende auf der Docke stattfindet. „Dort werden wir es richtig krachen lassen.“

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