Vermutlich Giftköder : Hinterhältiger Hundemord in Kuden

Trauer: Kirsten Höpfner (links) und Anna Mandius in Kuden Blankennese, wo sie am Vortag noch mit ihren Hunden liefen. Foto: Jahnke
Trauer: Kirsten Höpfner (links) und Anna Mandius in Kuden Blankennese, wo sie am Vortag noch mit ihren Hunden liefen. Foto: Jahnke

"Wer tut so was?", lautet die Frage, die seit Karfreitag in Kuden vor allem Hundehalter beschäftigt. Zwei Tiere starben qualvoll, vermutlich an Giftködern.

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04. April 2013, 03:40 Uhr

Kuden | Kudens Bürgermeister Klaus-Dieter Gäthje, selbst Jäger und Hundehalter, zeigt sich erschüttert über die Hundemorde in der kleinen Gemeinde im Kreis Dithmarschen. Gäthje setzte spontan 200 Euro Belohnung aus für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des mutmaßlichen Täters führen. Beide betroffenen Familien legten noch einmal je 150 Euro drauf, so dass jetzt eine Gesamtsumme von 500 Euro ausgesetzt wurde.

Für die Familien Höpfer aus Kuden und Mandius aus Hochdonn war der Karfreitag bis 16 Uhr ein schöner Familientag. Anna Mandius und Kirsten Höpfner machten sich dann zu einem Spaziergang mit ihren Hunden auf. Höpfners Berner Sennenhund Amy (6) und Mandius Labrador Diego (3) sowie ihre kleine französische Bulldogge Fleur (2) begleiteten die beiden Frauen. Vom Op’n Klev gelegenen Haus der Höpfners liefen sie den Klevhang hinunter, am Sportplatz vorbei, einen in die Feldmark führenden Bauernweg entlang. Nach etwa 400 Metern kehrten die Frauen um. Nach einer halben Stunde waren sie wieder zu Hause.

"In einem Busch lag er dann und zuckte"

Was dann geschah, gleicht einem Albtraum. "Wir wollten noch einen Kaffee trinken, da sagte meine Tochter: Amy friert ganz doll", erinnert sich Kirsten Höpfner. "Da lief Amy schon der Schaum aus dem Maul. Die Hinterbeine knickten weg. Wasser und Kot liefen heraus." Labrador Diego zeigte dieselben Symptome, lief noch weg. "In einem Busch lag er dann und zuckte", sagt Anna Mandius.

Auch fast 24 Stunden später rinnen ihr immer wieder Tränen über die Wangen. Kirsten Höpfner schluchzt, als sie weiter berichtet. Die Frauen riefen Stefan Neukirch an, Anna Mandius Ehemann. Zudem alarmierten sie den Buchholzer Tierarzt Dr. Olaf Engelage an. Der erwartete die Familien wenig später in seiner Praxis.

"Wir gehen von mutwillig gelegten Giftködern aus"

Die Männer mussten die Hunde in der Praxis festhalten, damit der Arzt Spritzen und Infusionen setzen konnte. Für Diego war es zu spät. Er starb wenige Minuten, nachdem er beim Tierarzt eingetroffen war. Den Hundefreunden war klar, auch Amy würde es nicht schaffen. Der Tierarzt erlöste das Tier von seinen Qualen. Fleur zeigte keinerlei Symptome. Sie ist gesund, lebt, und ist jetzt der Trost in der schweren Zeit.

Vom Spaziergang bis zum Tod in der Praxis waren wenig mehr als 30 Minuten vergangen. "Wir gehen von mutwillig gelegten Giftködern aus. Der Tierarzt auch", sagt Kirsten Höpfner am nächsten Vormittag und schildert, wie es nach dem Tod der kerngesunden Hunde weiterging. Den Familien war sofort klar: Was ihnen widerfahren ist, kann auch anderen Hundehaltern passieren. Sie riefen alle ihnen bekannten Hundehalter persönlich an und warnten sie.

Hundefreunde stellten Giftwarnungen bei Facebook ein

"Der Tierarzt geht von einem stark konzentrierten Nervengift aus", sagt Kirsten Höpfner. Mitbekommen, ob die Hunde beim Spazieren gehen irgendetwas gefressen haben, haben beide Frauen nicht. Die Familien haben auch die Jäger angerufen. In zahlreichen Telefonaten erfuhren sie von einem weiteren Labrador aus Kuden, der noch um sein Leben kämpft. "Die Halterin ist im gleichen Gebiet wie wir spazieren gegangen", berichtet Mandius. Sonnabend gingen die Familien die Strecke nochmal ab, um Giftköder zu suchen - nichts. Am Nachmittag fuhr man nach Brunsbüttel zur Polizei und erstattete Strafanzeige, in der Hoffnung, den möglichen Tierhasser zu erwischen.

Hundefreunde stellten inzwischen Giftwarnungen bei Facebook ein. Drastische Drohungen gegen den vermeintlichen Täter wechseln sich mit Mitgefühl und Worten des Trosts ab. Eine Frau berichtet, sie habe am Karfreitag im Burger Paradiestal einen Mann gesehen, der etwas hinter einem Baum vergraben hat und schnell verschwand, als man ihn entdeckte. Die Spekulationen überschlagen sich. Wut, Hass und Trauer bleiben.

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