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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 16:40 Uhr

Justiz : Hinter Gitter? Ärzte entscheiden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Neue Haftstrafe für kranken Itzehoer Karl-Heinz Francke – ob er hinter Gitter muss, entscheiden Gutachter.

von
erstellt am 24.Feb.2014 | 05:00 Uhr

Itzehoe | Die Mediziner haben das Wort: Ein aktuelles Gutachten soll entscheiden, ob der Itzehoer Karl-Heinz Francke (65) ins Gefängnis muss. Im Raum steht eine fast vierjährige Haftstrafe, basierend auf einem Urteil des Landgerichts Itzehoe aus dem Jahr 1990. Gerade sind weitere zwei Jahre und sechs Monate hinzugekommen: Das Amtsgericht Itzehoe hat Francke wegen Untreue- und Betrugstaten aus dem Jahr 2011 verurteilt.

Die frühere Strafe war aus gesundheitlichen Gründen nicht vollstreckt worden. Francke leidet unter Morbus Bechterew mit zunehmender Versteifung der Wirbelsäule, in ärztlichen Gutachten tauchen weitere Krankheiten auf. Doch nach einem neueren Gutachten, das Francke „gering eingeschränkte Haftfähigkeit“ attestiert, hatte die Staatsanwaltschaft Itzehoe ihn zum Haftantritt in der Justizvollzugsanstalt Lübeck geladen. Denn dort gebe es mit dem neuen Lazarett die nötigen Voraussetzungen (wir berichteten). Dagegen ging Franckes Anwältin Katja Münzel vor. Ergebnis: Die Staatsanwaltschaft habe von einer erneuten Ladung zum Haftantritt abgesehen und werde ein neues Gutachten in Auftrag geben. „Erst einmal bleibt er auf freiem Fuß.“

Sollte sich das ändern, dann nachhaltig. Taten aus dem Jahr 2011 lagen jetzt dem neuen Urteil von Amtsrichter Reinhard Bischof zugrunde, gegen das noch Rechtsmittel möglich sind. Drei Tage lang wurde verhandelt, Francke war am ersten Tag da und blieb danach aus gesundheitlichen Gründen fern. Bei seinem Auftritt präsentierte er sich mit dicken Aktenordnern wohl präpariert, doch Richter Bischof und Staatsanwältin Stephanie Poensgen glaubten ihm kein Wort.

Mehrere Jahre war der Edendorfer mit seinem Verein „Helfende Hand“ aktiv gewesen. Offensichtlich gelinge es Francke immer wieder, durch sein Auftreten völlig unangebrachtes Vertrauen zu erwecken, sagte Poensgen. So gab eine Zeugin ihm 1800 Euro, damit er ihrer Mutter die Einreise aus Kasachstan ermögliche. Nichts passierte – der Itzehoer schilderte, er habe zwei Russen damit beauftragt, die Frau aus dem Land zu holen, sei aber selbst betrogen worden. Das Gericht sah den Betrug bei Francke.

Eine Verkäuferin (46) aus Lensahn bei Neustadt hatte durch ihren Anwalt Kontakt zu Francke bekommen. Dieser sollte in einer Unterhaltssache ihren Mann observieren, aber auch sonst helfen: „Er war so freundlich, so nett zu den Kindern“, schilderte die Zeugin unter Tränen. Sie gab ihm Kontovollmacht – bald darauf war sie mehr als 3000 Euro im Minus. Das Urteil: siebenmalige Untreue. Typisch sei, dass Francke auch in diesem Fall mit Lügen zur Gegenattacke übergegangen sei, als er aufzufliegen drohte, so die Staatsanwältin.

So hatte er auch einen Vater und seinen Sohn aus Niedersachsen als Erpresser hingestellt, als diese 1000 Euro zurückforderten. Das Geld hatte der Itzehoer dafür erhalten, eine offene Forderung der Niedersachsen bei einem Hamburger Unternehmer einzutreiben. Weil dieser als Zeuge wiederholt fehlte, wurde das Betrugsverfahren eingestellt, um in dem Prozess voranzukommen. Übrig blieb eine falsche Verdächtigung.

Die kriminelle Karriere des 65-Jährigen seit 1969 vor allem mit Vermögensdelikten zeigte der Vorstrafenkatalog. Eigentlich, so Richter Bischof im Urteil, sei eine höhere Strafe erforderlich. Davon habe er wegen des Alters des Angeklagten abgesehen.

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