Himmlischer Ort der Begegnung

Passend zum Namen: Fliegende Ballons verbinden Himmel und Erde.
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Passend zum Namen: Fliegende Ballons verbinden Himmel und Erde.

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22. Januar 2011, 10:41 Uhr

Itzehoe | Am Anfang war ein Traum. Pastor Willfrid Knees träumte ihn. In den schönsten Farben sah er es vor sich: neues Leben im alten Katasteramt. Eine Ehrenamtsakademie, soziale Einrichtungen, Gastronomie. Auch Bürgervorsteher Heinz Köhnke ist manchmal ein Träumer. "Da müsste wieder Leben rein", wünschte er sich oft, wenn er am alten Katasteramt in der Kirchenstraße vorbei lief.

Eigentümer Dr. Gunnar Thies (Foto) träumte ebenfalls. Davon, dass jemand den Mut hat, sich für das Haus zu engagieren. Das Haus, das er vor dem Ende bewahrt hatte - der Denkmalschutz hatte die Abrissgenehmigung schon ausgestellt. Und Propst Dr. Thomas Bergemann träumte davon, dass die Diakonie auch in Itzehoe wieder präsent ist. Denn "Kirche ohne Diakonie ist keine Kirche".

Gestern waren sie alle am Ziel ihrer Träume. Das alte Katasteramt lebt. Und wie! Die Räume konnten die vielen Gäste kaum fassen, die zur Eröffnung in die Kirchenstraße strömten - und schon gestern zeigten, dass das Haus auf dem besten Weg ist, zu dem zu werden, was Pastor Knees sich wünscht: "Ein Ort der Begegnung, ein öffentliches Wohnzimmer, in dem man einfach sein darf."

Viele begegnen sich dort bereits: Die Glückstädter Werkstätten mit ihrem Café, das unter anderem zehn Menschen mit Behinderungen einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz bietet. Die Innenstadt-Gemeinde. Das Diakonische Werk des Kirchenkreises. Die Pflegediakonie. Der DRK-Kreisverband. Das Netzwerk "Die MitMacher". In der Ehrenamtsakademie sind bereits attac, Nabu und BUND Mitglied - viele weitere sollen folgen. "Es braucht Menschen, die mitmachen, die das Haus offen halten", sagte Knees. Sie sollen "miteinander ein Stück Himmel auf die Erde holen". Kein anderer Name als "himmel + erde" könnte besser sein für das alles, darin waren sich alle Redner einig. "Genau dort, zwischen Himmel und Erde, sind Träume angesiedelt", so Köhnke.

"Gemeinsam sind wir stark" - das Motto der "MitMacher" könnte für das ganze Haus gelten. Und das schon lange vor der Eröffnung. Für den Erfolg sorgten die Initiatoren, die von der ersten Stunde an von der Idee begeistert waren - unter ihnen auch der frühere Diakonie-Geschäftsführer Jan Kempermann, betonte Emanuel Gaenslen von den Glückstädter Werkstätten. Aber auch "tüchtige und kreative Mitarbeiter, Handwerker und Unterstützer". Dazu gehört auch der Eigentümer, der die Barrierefreiheit ermöglichte. Der gab das Lob zurück: Das Haus sei "vielleicht im schönsten Zustand seit 100 Jahren".

Und damit schließt sich auch der Kreis der Geschichte, wie Kreispräsident Hans-Friedrich Tiemann meinte. Er erinnerte an die Historie des Hauses, vom Sitz des Landvogts über Waisenhaus und Mädchenschule bis zum Katasteramt. "Und jetzt ist es wieder ein Ort der Begegnung."

Ganz so, wie Pastor Willfrid Knees es sich gewünscht hat. Er träumt indes schon den nächsten Traum: "Das Ziel ist eine Bürgerstiftung als Träger des Hauses."

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