Itzehoe : Hilferuf aus dem Tierheim

Wer zahlt für ihre Versorgung? Vor allem Katzen warten im Tierheim Itzehoe auf ihre Vermittlung an Privathaushalte.
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Wer zahlt für ihre Versorgung? Vor allem Katzen warten im Tierheim Itzehoe auf ihre Vermittlung an Privathaushalte.

Der Tierschutzverein fordert mehr finanzielle Unterstützung von der Stadt Itzehoe für die Versorgung von Fundtieren.

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05. Juli 2018, 05:00 Uhr

Dem Itzehoer Tierheim droht die Schließung. Der die Einrichtung betreibende Tierschutzverein sieht sich nicht mehr in der Lage, dauerhaft die Kosten für die Versorgung der Fundtiere aufzubringen. In der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses forderte der Vorstand deshalb einen erhöhten Zuschuss von der Stadt.

„Wir kommen nicht als Bittsteller, sondern als Vertragspartner zu Ihnen“, sagte Claudia Danckers, Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins und Leiterin des Tierheims. Der Verein erfülle mit dem Tierheim eine kommunale Pflichtaufgabe, die die Stadt sonst anderweitig gewährleisten müsste.

Mit einem Zuschuss von 25 000 Euro jährlich beteiligt sich die Stadt bisher an den Kosten für die Versorgung von bis zu 140 Tieren – überwiegend Katzen – pro Jahr. Dieser seit 2006 nicht erhöhte Betrag sei alles andere als ausreichend, so Danckers. Sie rechnete vor, dass dem Tierheim bei einer angenommen Verweildauer von nur 28 Tagen pro Tier bei 100 Katzen bereits laufende Kosten von rund 50 000 Euro für Futter, Tierarzt, Personal und Räumlichkeiten entstehen.

Seit Jahren schreibt der Tierschutzverein mit dem Heim rote Zahlen, so Danckers. Die erheblichen Defizite von knapp 200 000 Euro jährlich habe der Verein bisher durch Spenden – insbesondere Erbschaften – ausgeglichen. Dies sei auf Dauer nicht möglich. Noch sei der Verein schuldenfrei und solle es auch bleiben.

Die Tierschützer schlagen der Stadt eine Erhöhung der Pauschale auf 60 000 Euro jährlich vor. Dies decke zwar nicht das Defizit, so Danckers. Allerdings kommen nicht alle Tiere aus Itzehoe – man hoffe bei anderen Kommunen ebenfalls höhere Beteiligungen zu erreichen. „Wir möchten die eigentlich sehr harmonische Zusammenarbeit mit der Stadt fortsetzen“, sagte Danckers.

Die Stadtverwaltung schlug dem Finanzausschuss dagegen in einer Sitzungsvorlage eine Erhöhung um 5000 Euro vor. Die Klagen des Vereins über gestiegene Kosten seien „nachvollziehbar“. Zudem gebe es zeitnah keine Alternativen zur Unterbringung von Fundtieren, wenn das Tierheim schließe. Das strukturelle Defizit von 200 000 Euro könne aber „nicht im Ansatz“ durch eine Erhöhung des jährlichen Beitrags der Stadt und der umliegenden Ämter aufgefangen werden. Die „Struktur und Standards“ des Tierheims müssten deshalb „zwingend auf den Prüfstand“.

Dem folgte der Ausschuss und segnete einstimmig die Erhöhung auf 30 000 Euro ab. „Wir geben Geld für alles Mögliche aus. Kinder und Tiere sollten immer Priorität haben“, sagte Regina Mohr (UWI). Für alles Weitere müsse man aber „tiefer in die Finanzplanung einsteigen“. Man habe offenbar ein Problem über Jahre verschleppt, stellte Jörn Michaelsen (FDP) fest. Dies müsse nun aufgearbeitet werden. „Für weitere Entscheidungen fehlt im Moment die Grundlage.“

Die soll nun der Ausschuss für städtisches Leben liefern, an den die Finanzpolitiker das Thema verwiesen – und zwar so, betonte Peter Dawiec (SPD), dass ein mögliches Ergebnis in die Haushaltsberatungen für 2019 im Herbst einfließen könne.

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