Schreiambulanz Itzehoe : Hilfe, wenn das Baby nur noch brüllt

Nervenaufreibend: Wenn das Baby pausenlos schreit, wissen Eltern oft nicht weiter.  Foto: sh:z
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Nervenaufreibend: Wenn das Baby pausenlos schreit, wissen Eltern oft nicht weiter. Foto: sh:z

Am Klinikum Itzehoe ist eine Schreiambulanz eingerichtet worden - als "Emotionelle Erste Hilfe" für Baby und Eltern. Es ist das dritte Zentrum dieser Art in Schleswig-Holstein.

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11. August 2011, 09:05 Uhr

itzehoe | Die Geburt eines Kindes zählt oft zu den schönsten Momenten im Leben eines Paares. Wenn das Baby stundenlang schreit, das Füttern schwierig und anstrengend ist, das Baby ständig unzufrieden ist, permanent Körperkontakt und Aufmerksamkeit der Eltern fordert und schlecht in den Schlaf findet, ist es mit der Idylle bald vorbei. Eltern fühlen sich überfordert, verzweifelt und hilflos.
Im Klinikum Itzehoe haben betroffene Eltern und Kinder jetzt eine neue Anlaufstelle: In der "Schreiambulanz" in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin wird ein Team aus Ärzten, Psychologen und Therapeuten in Zukunft mögliche medizinische Ursachen des Schreiens abklären und die Behandlung individuell auf die Familien abstimmen. Mit Hilfe der Emotionellen Ersten Hilfe (EEH), einem körperorientierten Ansatz, der in der Krisenintervention und der Bindungsförderung eingesetzt wird, soll die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kindern gefestigt werden. Heike Brosch, EEH-Therapeutin, will damit vor allem Präventiv-Arbeit leisten. "Das heftige Weinen des Kindes kann Eltern schnell an ihre Grenzen bringen. Wir versuchen deshalb, sie zu stabilisieren, um mit der Situation besser zurecht zu kommen."
Pilotprojekt
Die Ursachen für die so genannten Schrei-Babys können sowohl organischer als auch psychischer Natur sein. Umso wichtiger sei es, dass das Team alle Bereiche der Diagnostik abdecke, betont Chefarzt Prof. Dr. Frank-Michael Müller. "Dadurch sind die Betroffenen bei uns in jeder Situation gut aufgehoben."
Die Ausweitung des Klinikangebotes auf dem Feld der Sozialpädiatrie sei schon lange in Planung gewesen. "Wir versuchen, uns den Bedürfnissen der Region anzupassen und zusätzliche Schwerpunkte zu setzen", so Müller. Die Schreiambulanz in der Tagesklinik ist dabei eine Art Pilotprojekt - langfristig sei die Gründung eines Sozialpädiatrischen Zentrums angedacht.
Depressionen oder psychische Störungen vermeiden
In ganz Schleswig-Holstein existieren bisher nur zwei solcher Zentren: In Kiel und in Lübeck. Dabei sei es besonders wichtig, so früh wie möglich mit der Behandlung anzufangen, um langfristige Auswirkungen wie Depressionen oder psychische Störungen zu vermeiden, betont der Chefarzt.
Therapeutin Heike Brosch macht deutlich, worauf es zu Beginn einer EEH ankommt: "Die Eltern müssen zuerst lernen, die Sprache der Babys zu deuten." Kontakt: 04821/7721016.
(dao, shz)

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