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Auftakt : Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge stärken

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Regionales Netzwerk wird im Kreis Steinburg aufgebaut – Weichen bei einem ersten Treffen gestellt.

Sie kommen aus Kriegsgebieten und anderen Krisenherden – und es ist davon auszugehen, dass rund ein Viertel aller Flüchtlinge durch Krieg, Verfolgung, Folter, sexuelle Gewalt traumatisiert ist. Noch werde in Aufnahmeeinrichtungen gerade hinsichtlich der psychischen Folgen des Erlebten nicht umfassend genug gehandelt. Darum soll ein Regionales Netzwerk zur Versorgung von traumatisierten Flüchtlingen im Kreis Steinburg aufgebaut werden.

Das erste Netzwerktreffen im Kreis wird es in der ersten Februarwoche 2016 geben. Die Weichen dafür wurden jetzt in einer Fachtagung im Kreistagssaal in Itzehoe gestellt, moderiert von Krystyna Michalski (Der Paritätische Schleswig-Holstein) und Bärbel Juister (Kreisarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände Steinburg).

Landesweit ist Steinburg nach Ostholstein der zweite Kreis, der sich damit befasst. „Wir wollen in allen Kreisen ein solches Netzwerk aufbauen, denn überall ist der Bedarf da“, betonte Krystyna Michalski. Den gab es schon im vergangenen Jahr als die Vorarbeiten für das Projekt liefen – „aber wir haben nicht damit gerechnet, dass wir so offene Türen einrennen werden“, meinte sie. Denn in 2014 kamen lediglich etwa 6700 Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein – dieses Jahr sind es rund 60  000. Damit sei das Projekt fast schon wieder zu klein. Im Frühjahr wurde gestartet, im September erfolgte die Bewilligung, die erste Veranstaltung in Ostholstein fand dann im Oktober statt. Das Konzept sei eng mit dem Innenministerium abgestimmt, das das Vorhaben unterstütze, ergänzte Bärbel Juister.

Dabei geht es vornehmlich um Strukturen zur Unterstützung traumatisierter Flüchtlinge. Wobei mit Impulsreferaten und Workshops das effektive Handlungsschema erörtert werden sollte. Und die Resonanz war gut: 30 Fachleute aus dem Kreisgebiet beteiligten sich an der Tagung, viele von ihnen aus dem Klinikum Itzehoe. „Das hat uns sehr gefreut“, so Krystyna Michalski. Zielgruppe der Fachtagung waren Psychotherapeuten, Ärzte, Gesundheitsamt, Erziehungs- und Familienberatungsstellen, therapeutische Jugendwohngemeinschaften, Migrationsfachdienste, Dolmetscher und Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe.

Natürlich ging es auch um die Erläuterungen, wie Netwerkarbeit überhaupt funktioniert, in erster Linie aber um die psychotherapeutische und psychiatrische Versorgung. Eigentlich müsste es in allen derzeit 14 Erstaufnahmeeinrichtungen Schleswig-Holsteins Angebote für traumatisierte Flüchtlinge geben, so Michalski. Das unterstrich auch Dr. Ali Ehber Kayer, Oberarzt am Psychiatrischen Krankenhaus Rickling – Landesklinik mit einer bilingualen Abteilung speziell für Menschen mit Migrationshintergrund. Er stellte die Situation der Menschen in den Massenunterkünften in den Fokus seiner Betrachtungen. Zunächst angekommen, seien Flüchtlinge erst einmal froh, der Bedrohung entronnen zu sein. Doch in der Folgezeit seien sie zu Passivität verdammt, Langeweile, Unsicherheit und Ängste stellten sich ein. Vieles könne abgefangen werden durch alltagsrelevante Lebensbedingungen. Bilinguale Fachleute wie Lehrer, Sozialpädagogen und Therapeuten müssten hinzugezogen werden, um präventiv wirken zu können – mit diversen Aktivitäten. Krystyna Michalski stimmte zu, wichtig sei es, Wege zu finden, um Spannungen zu durchbrechen. „Man muss mit Beratungsangeboten reingehen oder welche in der Nähe schaffen.“ Auch dafür sei ein Netzwerk hilfreich. 

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erstellt am 10.Nov.2015 | 12:00 Uhr

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