Feuerwehr Glückstadt : Hilfe für Tansania

Gäste aus Afrika haben sich von Glückstädter Feuerwehrleuten deren Feuerwache zeigen lassen: (v.l.) André Larisch, Sergeant Teofilo Esequiel Acosta Duarte, Reinhard Paulsen, Wilko Westphal, Ties Tießen, Hartmut Thalmann, Sergeant Athuman H. Luwasiley und Corporal Elizabeth Geralb Kifaro.
Gäste aus Afrika haben sich von Glückstädter Feuerwehrleuten deren Feuerwache zeigen lassen: (v.l.) André Larisch, Sergeant Teofilo Esequiel Acosta Duarte, Reinhard Paulsen, Wilko Westphal, Ties Tießen, Hartmut Thalmann, Sergeant Athuman H. Luwasiley und Corporal Elizabeth Geralb Kifaro.

Feuerwehrleute aus dem ostafrikanischen Land informieren sich auf der Glückstädter Wache.

shz.de von
24. Juli 2018, 05:00 Uhr

Es ist 12 Uhr auf der Feuerwache. Feuerwehrleute treffen sich mit drei Berufsfeuerwehrleuten aus Afrika. Die Glückstädter stellen ihre Ausrüstung vor. Als der obligatorische Probealarm durch die digitalen Meldeempfänger piept, staunen die Gäste. So etwas kennen sie nicht, dass auf einem Melder steht, wo etwas passiert ist.

Aber vielleicht müssen die Melder in einigen Jahren genauso wie Breitgurte, Uniformen oder Feuerwehrhelme bei den deutschen Feuerwehren ausgemustert werden, weil sie die gesetzliche Prüf-Norm nicht mehr erfüllen. Damit dieses Equipment dann nicht auf dem Müll landet, hat sich der Kreisfeuerwehrverband Steinburg einem Projekt der Feuerwehr Hamburg angeschlossen. Gespendet werden auszumusternde Ausrüstungsgegenstände im Rahmen einer Städtepartnerschaft der Feuerwehr in Dar es Salaam im ostafrikanischen Tansania.

Dort ist das Feuerlöschwesen in der 5,4 Millionen Einwohner-Metropole mit deutschen Verhältnissen nicht einmal ansatzweise zu vergleichen. Zweieinhalb mal so groß wie Deutschland ist Tansania ein weites, aber armes Land.

„In Dar es Salaam gibt es drei Berufsfeuerwehrwachen mit jeweils einem Löschfahrzeug – vorausgesetzt dieses fährt gerade“, erklärt Hartmut Thalmann (62). Er war bis zu seiner Pensionierung bei der Berufsfeuerwehr Hamburg beschäftigt und trug die Idee des Spendens für Tansania in den Kreis Steinburg (wir berichteten).

Sie staunten vielfach: Corporal Elizabeth Geralb Kifaro und Sergeant Teofilo Esequiel Acosta Duarte sowie Sergeant Athuman H. Luwasiley bei ihrem Glückstadt-Besuch. So viele Einsatzfahrzeuge für eine fast 12 000 Einwohner Stadt.

Allerdings gebe es in Dar es Salaam auch noch fünf private Dienstleister, erzählt die afrikanische Feuerwehrfrau. „Wer es sich leisten kann, schließt mit diesen einen Vertrag ab und dafür wird den meist größeren Firmen dann ein Feuerwehr- oder Rettungswagen mit Personal vor die Tür gestellt.“

Gleichwohl haben die drei öffentlichen Feuerwehrwachen verhältnismäßig wenig zu tun. „Man ruft uns meistens erst gar nicht, weil wir ja sowieso zu spät kommen“, erzählt Athuman H. Luwasiley. Knapp 250 Dollar würde er monatlich verdienen. Die Krankenversicherung zahlt der Arbeitgeber, erklärt Reinhard Paulsen ein. Der frühere Gewerbelehrer hatte bereits 1997 eine Klassenreise nach Afrika organisiert. Derart fasziniert, reiste Paulsen im Jahr 2005 erstmals nach Tansania. Als Mitglied einer freiwilligen Hamburger Feuerwehr knüpfte er dort Kontakte zu Mitstreitern. Im Laufe der Jahre entstand hieraus eine Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Dar es Salaam.

„Personell ist die Feuerwehr der tansanischen Metropole nicht gut aufgestellt. Während es in Hamburg über 4000 Feuerwehrleute gibt, sind es in Dar es Salaam nur 126. Dabei ist die Stadt doppelt so groß wie Hamburg“, veranschaulicht Reinhard Paulsen. Inzwischen gibt es gegenseitige Besuche. Unter anderem wird auch Personal aus Tansania in Hamburg bei der Feuerwehr ausgebildet. Und man übt an den Geräten, die hierzulande vielleicht schon in einigen Jahren ausgemustert werden und dann in Tansania zum Einsatz kommen. „Wenn unsere Gäste sehen, welche Autos bei uns zu Übungszwecken zerschnitten werden, schießen denen Tränen in die Augen“, berichtet Hartmut Thalmann.

Erst kürzlich war Thalmann zum achten Mal vor Ort, um Feuerwehrleute in Tansania Sachspenden unter anderem der Feuerwehren aus Glückstadt, Wilster, Huje und Ottenbüttel zu übergeben. „Vieles was bei uns kostenpflichtig entsorgt werden müsste, erlebt in Afrika aufgrund anderer Rahmenbedingungen eine zweite Karriere“, weiß der Pensionär.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen