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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 14:06 Uhr

Hilfe für den Flüchtlingsalltag gesucht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Amt Wilstermarsch schiebt die Bildung eines Netzwerks an / Internationales Café im Jugendzentrum / Bald ein Integrationsbeauftragter

Mit einem Netzwerk von Helfern will die Wilstermarsch Flüchtlingen aus aller Welt bei ihren ersten Schritten in der neuen Heimat hilfreich zur Seite stehen. Auf Initiative des Amtes Wilstermarsch gab es ein erstes Treffen. Und die Resonanz war vielversprechend. „Es geht darum, eine Willkommenskultur zu gestalten“, gab Amtsvorsteher Helmut Sievers die Zielsetzung vor. In den Genuss einer solchen Willkommenskultur sollen immer mehr Menschen kommen, die auch in der Region eine Zuflucht gefunden haben. Ordnungsamtsleiter Thorsten Franck machte die aktuelle Entwicklung anhand weniger Zahlen deutlich: 2013 gab es in der Wilstermarsch etwa zehn Flüchtlinge, die untergebracht und versorgt werden mussten. 2014 waren es schon 29. Aktuell sind es 63, untergebracht in Wilster (36), Wewelsfleth (24) und in Dammfleth (3). Bis Jahresende rechnet man mit fast 100. „Das ist eine bunte Mischung aus aller Herren Länder“, so Franck weiter, der von einem guten Angebot an Wohnraum sprach. Die Mitarbeiter der Amtsverwaltung seien bei allem Bemühen inzwischen aber personell und zeitlich an ihre Grenzen gestoßen, zumal ja auch das „normale Programm“ mit 140 Sozialhilfefällen und 90 Wohngeldempfängern weiterlaufe.

Dringend gesucht werde daher Unterstützung bei den Alltagsproblemen, beim Deutschunterricht, bei Arztbesuchen und Behördengängen und auch nur dabei, eine Wohnung einmal etwas hübscher zu gestalten. In einem ersten Schritt wird als Treffpunkt für Flüchtlinge und Helfer ein internationales Café im Jugendzentrum (JuZe) eingerichtet (jeden Donnerstag von 18 bis 19 Uhr geöffnet). Daneben soll ein ehrenamtlicher Integrationsbeauftragter installiert werden, bei dem alle Fäden zusammenlaufen.

Einer, der Flüchtlingen schon jetzt mit Rat und Tat zur Seite steht, ist Pastor Karl-Wilhelm Steenbuck: „Ich wollte gar nicht Flüchtlingshelfer werden, es kam einfach so.“ Für ihn als Ruheständler sei aber klar gewesen, dass „man nicht nur nutzlos mit dem Fahrrad in der Gegend herumfahren sollte“. Apropos Fahrräder: Steenbuck ermunterte die Bevölkerung doch einmal nachzuschauen, ob in einer Ecke vielleicht noch nicht mehr gebrauchte Räder herumstehen. „Vielleicht hat jemand ja auch noch eine Nähmaschine“, weiß er, dass es den Flüchtlingen an vielen praktischen Alltagshilfen mangelt. Aus seiner Erfahrung warnte Steenbuck allerdings auch davor, dass man bei seiner Hilfe „schnell aufgesogen werden kann“. Man müsse sich darüber im Klaren sein, dass man nicht alles machen könne. Dann aber sei die Hilfe auch für einen selbst eine große Bereicherung.

Wie praktische Lebenshilfe aussehen könnte und sollte, umschrieb Andrea Dallek vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein: „Erst einmal ist es hilfreich, einfach nur Mensch zu sein.“ Das weitere Rezept: Offen für jeden Einzelfall und konkret Bedarfe erfragen. Andrea Dallek begrüßte es, wenn jetzt wie in der Wilstermarsch „überall Initiativen wie Pilze aus dem Boden sprießen“. Die Sprecherin betonte, wie wichtig es sei, auf die zu uns kommenden Menschen zuzugehen. „Asylverfahren dauern mitunter ein Jahr. Bis zur Anhörung habe die Flüchtlinge noch niemand gefragt, warum sie eigentlich hier sind. „Jeder bringt eine andere Geschichte mit, viele sind auch traumatisiert.“

Neben der Begleitung durch den Alltag hält Andrea Dallek aber auch eine sinnvolle Freizeitgestaltung für wertvoll. Aus der Runde im Amtsgebäude kamen viele Anregungen und Ideen. Die Bandbreite reicht vom Mitmachen im Kanuclub und einem Erste-Hilfe-Kurs über Kommunikationsrunden und gemeinsames Kochen bis zur Hilfe bei Schularbeiten. Weitere Ideen und Mitstreiter sind herzlich willkommen. Anfragen und Informationen bei Amtsvorsteher Helmut Sievers oder beim Leiter des Ordnungsamtes beim Amt Wilstermarsch, Thorsten Franck, Tel. 04823/9482-10 (e-mail: franck@wilstermarsch.de).

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erstellt am 10.Apr.2015 | 10:50 Uhr

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