zur Navigation springen

Dolmetscher gesucht : Hilfe für Bürgerkriegsflüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zehn Menschen aus Syrien werden in der kommenden Woche in Glückstadt erwartet. Sabine Budde von der Stadtverwaltung hat eine Woche Zeit, Wohnungen anzumieten und einzurichten. Hilfe kommt vom Sozialkaufhaus.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2013 | 05:30 Uhr

Sabine Budde hat in diesen Tagen viel zu tun. Die Mitarbeiterin des Rathauses muss Möbel einkaufen, Geschirr und Putzmitteln. Bis hin zur Klopapierrolle. Denn der Kreis hat angekündigt: Am kommenden Donnerstag kommen zehn Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien nach Glückstadt. Sie werden der Stadt zugewiesen.

Lange Zeit war es ruhig, wenn es um Asylbewerber und Bürgerkriegsflüchtlinge ging. Die Zahl lag durchschnittlich bei 20 Personen, die Sabine Budde zu betreuen hat. Schlagartig wurden es in der vergangen Zeit mehr, vor allem kamen mehr Asylbewerber. Der jüngste Stand lag bei 37 Personen.

Und jetzt die neue Nachricht, die wieder einmal schnellen Einsatz erfordert. „Wir bekommen als Stadt eine Woche vorher die Information, dass es eine neue Zuweisung gibt“, erklärt Sabine Budde.

Sieben Tage lang hat sie Zeit, Wohnungen zu besorgen und sie einzurichten. Zur Seite stehen ihr die Rathausmitarbeiterinnen Kirsten Krönert und Simone Lettau.

Die Liste dessen, was es einzukaufen gilt ist lang. „Bis hin zum Teelöffel.“ Wichtig ist Sabine Budde, dass diejenige, die in Glückstadt neu ankommen, menschenwürdig untergebracht sind.

„Meine erste Anlaufstelle ist das Sozialkaufhaus“, erklärt Sabine Budde, die die Kosten ihrer Einkäufe über den Kreis Steinburg abrechnen muss. „Ohne das Sozialkaufhaus und ohne die Tafel würde es nicht funktionieren.“ Dort holt sie unter anderem die Möbel, darunter auch Bettgestelle. Aber Matratzen, Bettdecken und Kopfkissen werden neu gekauft. „Besen auch“, scherzt sie. Denn Besen würde keiner gebraucht abgeben.

Was ein großes Problem ist: Der Kreis stellt kein Geld für Dolmetscher zur Verfügung. Doch diese werden in Glückstadt dringend gebraucht – für Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge. Deshalb hofft Sabine Budde auf Hilfe aus der Region. Es geht um die Sprachen Arabisch, Russisch, Armenisch und Kurdisch. Wer Sabine Budde helfen will, kann sich bei ihr im Rathaus unter 04124/930316 melden.

So betreut die Rathausmitarbeiterin zum Beispiel einen Mann, der schwer krebskrank ist und regelmäßig zur Chemotherapie muss. Für Übersetzungen hilft ihr eine Mitarbeiterin eines Restaurants am Markt.

Hilfe hat sie auch von Martin Meers, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und dem Leiter des Sozialkaufhauses Joachim Drews. Martin Meers zeigt, wie leer das Sozialkaufhaus zurzeit ist. An Tischen und Stühlen kleben Schilder, auf denen steht „verkauft“. Sie sind für die Neuankömmlinge in der nächsten Woche.

„Unser Zwischenlager in Kremperheide ist leer“, sagt Meers angesichts der zunehmenden Zahl von Asylbewerbern und Kriegsflüchtlingen in jüngster Zeit. „Auch Textilien sind nachgefragt“, erklärt Meers. Denn für diejenigen, die kommen, sei es auch wichtig, vernünftig angezogen zu sein. „Es ist die Visitenkarte nach außen.“

Meers ruft die Bürger auf zu spenden. Selbst Dosenöffner sind gefragt“, erklärt der Geschäftsführer. Die Spenden können entweder im Sozialkaufhaus abgegeben werden oder werden, wie bei Möbeln, abgeholt. Möglich ist es neuerdings auch, Kleidung in den roten Container vor der Eingangstür des Sozialkaufhauses zu werfen.

Angesichts der Probleme leerer Sozialkaufhäuser wird jetzt auch mit der Organisation „hoelp“ aus Dithmarschen zusammengearbeitet.

Ein wichtiger Bestandteil ist auch die Tafel innerhalb des Sozialkaufhauses, wo Bedürftige Essen abholen können. Die Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge sind ebenfalls dazu berechtigt.

Auch Bürgermeister Gerhard Blasberg engagiert sich. Er freut sich, dass alle gut „und vernünftig“ untergebracht werden können und bedankt sich bei den Vermietern der Wohnungen für ihre Kooperation.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen