Flüchtlingshilfe : Hilfe beim Start in ein neues Leben

Setzen auf ehrenamtliche Unterstützung bei der Betreuung von Flüchtlingen (von links): Marion Hoffmann, Angelika Tesch, Sabine Budde, Katharina Schmidt und Julia Duda trafen sich zur Vorbereitung im Sozialkaufhaus der Arbeiterwohlfahrt in Glückstadt.
Setzen auf ehrenamtliche Unterstützung bei der Betreuung von Flüchtlingen (von links): Marion Hoffmann, Angelika Tesch, Sabine Budde, Katharina Schmidt und Julia Duda trafen sich zur Vorbereitung im Sozialkaufhaus der Arbeiterwohlfahrt in Glückstadt.

Mit Unterstützung der Arbeiterwohlfahrt plant die Stadt ein ehrenamtliches Willkommensteam für Flüchtlinge ins Leben zu rufen

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14. Januar 2015, 05:00 Uhr

Die Stadt setzt angesichts steigender Flüchtlingszahlen auf die Hilfe von Ehrenamtlichen, um den Migranten den Start in Glückstadt zu erleichtern und ihre Integration zu ermöglichen. Unter Leitung der Integrationsbeauftragten Katharina Schmidt soll ein „Willkommensteam“ zukünftig bei kleinen und großen Alltagsproblemen hilfreich zur Seite stehen.

Vor wenigen Tagen hat das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen in einem aktuellen Papier berichtet, dass weltweit immer mehr Menschen vor Kriegen und Terror aus ihrer Heimat fliehen. Auch in Glückstadt sind in den vergangenen Monaten erneut neue Flüchtlinge aus den Krisengebieten im Nahen und Mittleren Osten angekommen. Aktuell leben 77 Asylsuchende in der Elbestadt. „Es gibt im Moment sehr wenige Anzeichen dafür, dass sich die weltpolitische Situation dahingehend verändert, dass die Flüchtlingsströme versiegen“, sagt Bürgermeister Gerhard Blasberg. Die Stadt Glückstadt stellt sich daher auf die Aufnahme weiterer Vertriebener ein. „Ich halte es für realistisch, dass wir in den kommenden Jahren etwa 50 Personen pro Jahr aufnehmen werden“, so Blasberg. „Eine gewisse ‚Infrastruktur‘ muss vorhanden sein, damit wir diese Herausforderung meistern können.“

Die Verwaltung kümmert sich um Wohnunterkünfte und deren Ausstattung, doch materielle Leistungen allein sind häufig nicht ausreichend. Eindrucksvoll beschreibt Sozialamtsleiterin Angelika Tesch die Probleme vor denen Flüchtlinge aus den Krisengebieten im Nahen und Mittleren Osten bei ihrer Ankunft in Glückstadt stehen: „Stellen Sie sich vor, Sie werden morgens aus dem Auffanglager abgeholt. Sie haben so gut wie nichts an persönlichen Sachen dabei, aber vielleicht zwei oder drei kleine Kinder. Dann haben Sie erstmal einen halben Tag Behördengänge vor sich und dann landen Sie irgendwann nachmittags in einer fremden Wohnung in einer fremden Stadt, in der Sie niemanden kennen.“ Die Betroffenen stünden dann zum Beispiel vor dem Problem, Essen zu besorgen. „Wie kriegen Sie Ihre Familie satt? Sie können die Straßenschilder nicht lesen und wissen nicht, wo ein Laden ist. Auf der Straße fragen, können Sie auch nicht, weil niemand Ihre Sprache spricht. Und selbst wenn Sie über einen Laden stolpern, finden Sie nicht mal eine Tüte Mehl, weil Sie die Beschriftungen nicht lesen können.“

Für den ersten Tag ist inzwischen eine kurzfristige Lösung gefunden worden: Die Tafel der Arbeiterwohlfahrt (Awo) stellt ein Willkommenspaket mit Lebensmitteln bereit. Doch auch am nächsten Tag bestehen ähnliche Probleme. „Unsere Mitarbeiter helfen, wo sie können, aber wir können keine ausführliche Betreuung leisten“, sagt Roman Kremer, Betriebsleiter der Awo.

Ehrenamtliche Helfer könnten die Lücke füllen, ist sich Katharina Schmidt sicher. „Natürlich geht es nicht nur ums Einkaufen. Vieles ist denkbar.“ Für besonders wichtig hält Schmidt, dass persönliche Kontakte zwischen „Alteingesessenen“ und „Neu-Glückstädtern“ entstehen. „Jeder Ehrenamtliche entscheidet selbst, wie viel Zeit er einbringen und wobei er helfen möchte“, erklärt Schmidt. „Zum Beispiel kann es auch hilfreich sein, Kontakte zum Sportverein herzustellen oder kulturelle Angebote gemeinsam zu besuchen.“

Um den Ehrenamtlichen bei ihren Aufgaben zur Seite zu stehen, ist die Integrationsbeauftragte ihre Ansprechpartnerin. Schmidt dämpft aber Erwartungen, dass ehrenamtliche Helfer sofort loslegen können. „Es ist ein gewisses Maß an Vorbereitung und Organisation notwendig. Blinder Aktionismus kann zu Enttäuschungen auf beiden Seiten führen.“

Für Interessierte, die sich vorstellen können, im Willkommensteam mitzuarbeiten, bietet daher ein Informationsabend am Mittwoch, 21. Januar, im Rathaus eine erste Orientierung. Neben Katharina Schmidt werden auch Angelika Tesch und Sabine Budde vom Sozialamt sowie Marion Hoffmann und Julia Duda von der Awo potentielle Ehrenamtler über Möglichkeiten und Bedarfe informieren, aus ihrer Praxis berichten und für Fragen zur Verfügung stehen. Das weitere Vorgehen soll dann in Abstimmung mit den Interessenten und den Flüchtlingen selbst geplant werden. Schmidt: „Vieles wird sich erst noch ergeben, weil sowohl die Ideen der Ehrenamtlichen als auch die Wünsche der Asylbewerber einfließen sollen.“

Die Sprache der Flüchtlinge müssen potentielle Helfer nach Meinung von Katharina Schmidt übrigens nicht unbedingt sprechen. „Da kann man sich schon irgendwie helfen. Wichtiger sind guter Wille, viel Geduld und eine gehörige Portion Humor.“

Der Info-Abend beginnt im Ratssaal , 21. Januar, 18 Uhr. Anmeldung unter 04124/930530. Kurzentschlossene sind ebenfalls willkommen.



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