„Hier muss ein Radweg her“

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Initiative weiht beim Pfingstgottesdienst an der Landesstraße 168 schon mal vorsorglich eine Schutzhütte ein

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09. Juni 2014, 12:28 Uhr

Bereits zum dritten Mal feierten die Kirchengemeinden Herzhorn und Süderau am Pfingstsonntag einen Fahrradgottesdienst im Kirchenzelt an der Landesstraße (L168) zwischen Herzhorn und Sommerland-Dückermühle. Auf der Wiese mit dem markanten Fahrradmahnmal hatten sich viele Fahrradfahrer eingefunden, um dem Wunsch nach dem Ausbau des Radweges Nachdruck zu verleihen. „Motorradgottesdienste gibt es viele, aber mit dem Fahrradgottesdienst haben wir etwas Besonderes auf die Beine gestellt“, meinte Reimer Wohlert von der Initiative „Radweg jetzt“.

Der Gottesdienst wurde von der Prädikantin Mareike Roling gestaltet und zünftig mit Fahrradklingeln eingeläutet. „Wir haben die Kirche heute nicht im Dorf gelassen, sondern sind zur Bike-Cumenta gekommen. Für die Kirche steht die Gemeinschaft in der Mitte und wir wollen uns einmischen in Themen, die für die Menschen wichtig sind.“ Unterstützt wurde sie bei den Lesungen und Gebeten durch die Jugendlichen Sarah Rathsach und Ira von Leesen, die beide an der geplanten Radwegtrasse wohnen.

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von beschwingten Liedern, die von Dr. Matthias Rheinländer auf dem E-Piano begleitet wurden. Ein Höhepunkt der Veranstaltung war der Liedvortrag von Reimer Wohlert, der sich auf der Gitarre begleitete und nach der Santiano-Melodie „Gott muss ein Seemann sein“ das selbstgetextete Lied „Hier muss ein Radweg her“ zum Besten gab. Das Publikum sang den Refrain mit und applaudierte begeistert.

Bürgermeisterin Helga Ellerbrock aus Sommerland betonte die gute Zusammenarbeit der Gemeinden Sommerland und Herzhorn, um den Radweg als Lückenschluss zwischen den Ortschaften zu realisieren. „Bereits 2002 existierten umsetzungsreife Pläne, die mit den Landeigentümern abgestimmt waren. Durch die Planung der Trasse für die Autobahn A 20, die den Radweg kreuzt, wurde der Ausbau auf Eis gelegt.“ Viele Briefe wurden inzwischen an das Verkehrsministerium geschrieben und es habe auch persönliche Kontakte gegeben. Im August 2013 war sogar Ministerpräsident Torsten Albig mit dem Rad am Mahnmal. Das Verkehrsministerium habe inzwischen angeboten, 50 Prozent der Kosten für den Ausbau des Radweges zu übernehmen. Helga Ellerbrock bedauerte: „Dieses Geschenk können wir als Gemeinden nicht annehmen, denn die Gegenfinanzierung der anderen Hälfte ist für uns nicht leistbar. Das Land kann sich für seine Landesstraßen nicht aus der Verantwortung stehlen. Bei dem Lückenschluss zwischen Grönland und der B 5 bei Himmel und Helle finanziert das Land voll.“

Unter dem Gelächter der Besucher berichtet Helga Ellerbrock von einem Treffen im April mit Verkehrsminister Reinhard Meyer, der dabei angeboten hatte, statt des Radweges Verkehrsschilder aufzustellen, um damit auf die Gefahren der viel befahrenen Straße hinzuweisen.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde eine Schutzhütte mit der Aufschrift „Haltestelle Radweg Mitte – L 168“ eingeweiht. Hella Schwartkopp von der Radweg-Initiative erklärte, dass dieser Unterstand von Kristian Kröpp aus Lesigfeld gestiftet wurde und den Wunsch nach dem Ausbau unterstreichen soll. Das Häuschen war mit weißem Flatterband eingezäunt und wurde durch die beiden Bürgermeister Helga Ellerbrock und Wolfgang Glißmann feierlich der Bestimmung übergeben, indem sie das Band durchschnitten. Wolfgang Glißmann sagte mit launigen Worten, bevor er die Schere ansetzte: „Normalerweise baut man zuerst den Radweg und dann die Schutzhütten. Wir machen es umgekehrt. Doch jetzt, wo die Schutzhütte bereits steht, gibt es auch für das Land kein Zurück mehr. Der Radweg muss kommen.“

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