Soziales : Hier kneippen schon die Kleinsten

Nach dem Wassertreten geht es für Emma (4), Karlotta (4), Matti (4) und Leeland (5) auf die Steinmatte.
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Nach dem Wassertreten geht es für Emma (4), Karlotta (4), Matti (4) und Leeland (5) auf die Steinmatte.

In der Kita Schatzinsel gehören die Lehren von Sebastian Kneipp zum pädagogischen Konzept.

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25. Juni 2015, 12:02 Uhr

„Salbei hilft bei Halsschmerzen“, erklärt die vierjährige Karlotta. Und auch auf die Frage, wer denn Sebastian Kneipp war, haben die Kinder der Kindertagesstätte Schatzinsel eine Antwort: „Er war ein Arzt und ist in kaltes Wasser gegangen.“ Die Lehren des bayerischen Priesters und Hydrotherapeuten aus dem 19. Jahrhundert sind fester Bestandteil des pädagogischen Konzepts der Kita an der Kirchhoffstraße, die in der kommenden Woche auf das Zertifikat „Wassertropfen“ des Kneipp-Bundes hofft.

Wasser, Bewegung, Ernährung, Lebensordnung und Heilpflanzen − das sind die fünf Säulen der Kneipp-Gesundheit für Kinder. „Gerade Wasser ist für uns ein wesentliches Element“, erläutert Leiterin Ute Stühmer. Die zentrale Rolle spielt dabei das so genannte Kneippen, also Wassertreten. Ob im Sommer im Garten oder im Winter im Waschraum − gekneippt wird regelmäßig. Auch Schnee- und Tautreten machen die Kleinen. Und das bereits ab einem Alter von zwei Jahren. Wichtig: „Immer nur mit warmen Füßen“, erläutert Stühmer, die den derzeit 43 betreuten Kindern gemeinsam mit den Erzieherinnen auch die Hintergründe des Wassertretens erläutert – etwa die positive Wirkung auf das Immunsystem.

Um bewusstes Essen geht es bei der Ernährung. Regelmäßig und gesund soll sie sein. So wird etwa das Frühstück immer vor Ort zubereitet. „Die Kinder brauchen selber nichts mitzubringen“, erläutert Stühmer. Eine wichtige Rolle spielen Kräuter. Sie wachsen auf dem Kita-Gelände unter anderem in einem Hochbeet und einem kleinen Kräutergarten. Wann immer möglich, erhalten die Kinder Tipps zur praktischen Anwendung von Kräutern und Heilpflanzen. Etwa, dass Spitzwegerich bei Mückenstichen hilft. „Wir haben auch schon Hustenbonbons aus Kräutern gemacht“, berichtet die Kita-Leiterin.

Lebensordnung heißt für die Kinder vor allem: In einer Schlange anstellen, Ordnung halten und aufräumen. Auch Verantwortung zu übernehmen, zählt dazu. „Wenn ich etwas säe, muss ich mich darum kümmern“, so Stühmer.

Für besondere Erfahrungen sorgt ein 20 Meter langer Barfuß-Pfad, den Kinder, Eltern und Großeltern im September 2013 angelegt und mit unterschiedlichen Bodenbelägen ausgestattet haben. „Hier nehmen die Kinder viele verschiedene Reize wahr“, so Stühmer. Eine Grundlage schaffen, auf der die Kinder aufbauen können, und ihnen dabei bewusst machen, wie wichtig Natur, Umwelt und Gesundheit sind − diese Ziele verfolgen Stühmer und ihr Team. „Uns ist wichtig, dass die Kinder bereits jetzt viel mitnehmen. Und wenn sie älter sind, erinnern sie sich vielleicht an den einen oder anderen Tipp.“

Auch Erzieherin Carola Hertel ist von dem Konzept überzeugt. „Die Kinder finden es toll und haben richtig Spaß daran“, so die 34-Jährige. Täglich, vor dem Frühstück, macht sie mit den Kindern eine Anwendung. Egal, ob Tautreten oder ein Armbad − „man kann immer etwas machen“.

Die Idee, Kneipp-Methoden in der Kita umzusetzen, hatte Ute Stühmer Anfang 2013. „Meine Mitarbeiter fanden es auch toll“, berichtet sie. Und so absolvierten die acht Erzieherinnen und Sozialpädagogischen Assistenten ein Seminar zur Kneipp-Gesundheit für Kinder. Zudem gibt es regelmäßig Fortbildungen, dieses Jahr etwa zum Thema „Kinder mit Kräutern gesund halten“.

Ob die Schatzinsel auch offiziell als „Kneipp-Kindergarten“ zertifiziert wird, entscheidet sich nächste Woche. Ein Vertreter des Kneipp-Bundes, dem Dachverband von rund 600 Kneipp-Vereinen, wird nach Itzehoe kommen und sich einen Tag lang die Umsetzung der Vorgaben ansehen. Fällt dessen Urteil positiv aus, wäre der Kindergarten damit laut Ute Stühmer der einzige seiner Art im Kreis Steinburg.

Wie gut auch die Kinder auf mögliche Fragen des Vertreters des Kneipp-Bundes vorbereitet sind, beweist schließlich der vierjährige Matti. Er weiß sogar, dass Sebastian Kneipp einen Hund hatte. Wie der hieß? „Eins, zwei, drei.“

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