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Versteigerung : Hertie unterm Hammer: Bietet die Stadt ?

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Am 14. Januar soll das Hertie-Haus versteigert werden. Über die Strategie der Stadt bei diesem Termin ist sich die Politik uneinig. Knackpunkt ist ein fehlendes Nutzungskonzept.

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erstellt am 13.Dez.2013 | 05:00 Uhr

Es war der 8. August 2009, der alles veränderte: An diesem Tag schloss Hertie seine Türen – und hinterließ mit dem leeren Haus ein riesiges Problem mitten in der Stadt. Der 14. Januar 2014 könnte wieder ein einschneidendes Datum werden. Dann soll das Gebäude unter den Hammer kommen.

Der Verkehrswert des Kaufhauses liegt bei 653 000 Euro. Hintergrund für die Zwangsversteigerung sind Forderungen der Stadt aus Grundsteuer sowie Reinigungskosten. In anderen Städten wie Schleswig wurde in letzter Sekunde gezahlt. In Itzehoe gibt es allerdings eine Besonderheit: Es gibt einen weiteren Gläubiger, der eine hohe Forderung hat. Deshalb sei es „zumindest wahrscheinlicher als in anderen Fällen“, dass es zum Termin komme, meint Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen.

Darüber, ob dann auch die Stadt mitbieten soll, wird heute im nichtöffentlichen Teil der Ratsversammlung beraten. Für Günter Wolter (IBF) „liegt es klar auf der Hand“, dass die Stadt bieten muss. „Das ist unabdingbar.“ Bei einem Wiederverkauf ließen sich die Interessen der Stadtplanung und die Verbesserung der Finanzlage unter einen Hut bringen. Deshalb hat das IBF einen entsprechenden Antrag gestellt.

Die SPD hat sich bereits im Wahlkampf dafür ausgesprochen, und so betont Fraktionschef Sönke Doll: „Wenn sich kein Unternehmer findet, der dieses Gebäude nutzt, dann muss die Stadt es erwerben, um eine Fehlentwicklung – wie bei der Alsen-Brache – mitten in der Innenstadt zu vermeiden.“ Ob die Stadt das Haus weiterverkaufe, es anders nutze oder abreiße und die Fläche verwerte, könne man danach entscheiden. Die Chance, es „aus den Händen insolventer Heuschrecken“ zu entreißen, dürfe nicht ungenutzt bleiben. Man wolle aber keinem Investor im Wege stehen.

Auch die Grünen seien „im Grundsatz dafür, dass die Stadt versucht, Einfluss zu nehmen“, sagt Karl-Heinz Zander. „Es geht um das Herz der Stadt.“ Zumal das Geld nicht verloren sei, sondern die Immobilie auf der Habenseite auftauche und weiterveräußert werden könne. Aber: „Sobald einer die Hand hebt und sagt, dass er das will, muss sich die Stadt zurückziehen.“

Die CDU möchte „den Bürgermeister auffordern, nur zu bieten, wenn es keinen privaten Bieter gibt“, sagt Ralph Busch. Gleichzeitig müsse die Verwaltung ein Nutzungskonzept erstellen. Mit diesem stehe und falle alles. „Wenn die Stadt dieses Gebäude kauft, produzieren wir eine wahnsinnige Erwartungshaltung, der wir ohne Konzept auf die Schnelle nicht gerecht werden können“, sagt Busch. Deshalb sei es sinnvoller, die Zeit bis zu einem zweiten Termin, bei dem der Preis zudem falle, für die Erstellung des Konzepts zu nutzen.

Auf das fehlende Konzept verweisen auch Linke, Freie Wähler und DAF, die gegen den Erwerb sind. Ernst Molkenthin (Linke) führt zudem die Folgekosten an. Angesichts der Haushaltslage sei es „unverantwortlich und grob fahrlässig, das Haus zu ersteigern. Es ist nicht unsere Aufgabe, mit Steuergeldern auszubügeln, was uns die Unternehmen vor die Füße werfen.“ Er sehe keinen Sinn, „eine renovierungsbedürftige Immobilie an Land zu ziehen“, sagt auch Gerd Konarski (Freie Wähler). „Das ist Geld, das wir nie wieder reinkriegen.“

Hertie wäre das nächste große Projekt, „bei dem keiner absehen kann, wie es weitergeht“, sagt Dr. Kirsten Lutz (DAF). Keiner wisse, wie man einen neuen Interessenten finden könne, falls der vorhandene abspringe. „Das kann man nicht so auf die Schnelle entscheiden.“

Dr. Jörn Michaelsen (FDP) sagt wegen der nichtöffentlichen Beratung nur: „Wir stehen in Verbindung mit anderen Fraktionen, diskutieren und sind dabei offen, aber ich möchte nicht auf Inhalte eingehen.“ Auch die UWI schweigt.

Dr. Andreas Koeppen selbst „würde immer privaten Interessenten den Vorrang geben“. Sollte jedoch keiner in Sicht sein, „sähe ich die Stadt in der Handlungspflicht, damit das Haus nicht weiter verrottet, sondern eine Entwicklung in die Gänge kommt“.

Stadtmanagerin Lydia Keune-Sekula bangt. Für sie steht fest: „Wir laufen seit Jahren hinterher, um Einfluss auf die Immobilie nehmen zu können. Wenn wir jetzt die Chance haben, sollten wir sie nicht ungenutzt lassen.“

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