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Hermann Luther will seine Zuhörer zum Denken verleiten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die bis Sonntag kreisweit laufende Veranstaltungsreihe „Kunstgriff“ beinhaltet für viele vor allem Bilder unterschiedlichster Ausprägung und Skulpturen. Einer schert regelmäßig aus der Reihe: der Burger Hermann Luther. Der dachte sich schon früh, dass der Umgang mit Worten auch Kunst sei und folglich unter das Dach des Dithmarscher „Kunstgriff“ gehöre. Später kamen Musik und Tanz hinzu. Jetzt tritt Luther wieder vors Publikum. „Überall“ nennt er sein Programm, das er am morgigen Freitag gemeinsam mit Marc André Thomsen und Maren Sophie Winter im Atelier Kunst & Rahmen an der Waldstraße präsentieren wird.

Luthers Lyrik, die er als Gedankensplitter bezeichnet, ist herausfordernd. Einlullen lassen kann sich das Publikum nicht. Die Zuhörer müssen auf alles gefasst sein – und eben in erster Linie das tun, weshalb sie gekommen sind: zuhören. „Manchmal dauert es, bis das Publikum reagiert“, weiß der Burger. Seine Kunst sei „als Anregung zum Denken zu verstehen“.

Ein hehrer Anspruch, von dem sich aber niemand abgeschreckt fühlen solle. Schwere Kost seien die vorgetragenen Textschnipsel am Ende dann doch nicht, betont Hermann Luther. Gern würde er mehr Zeit fürs Autorendasein haben, aber noch gibt es da den Broterwerb als Lehrer. Dennoch feilt er unentwegt an neuen Gedankensplittern, die er anderen mitteilen möchte. Etwa in der Art: „Wer einmal lügt, dem glaubt man kaum, dass ihm auch andere Frauen trau’n.“ Oder: „Besser Zeit gewinnen als keine zu verlieren“. Beides findet sich in dem im Eigenverlag publizierten Lyrikband „Blutlachen lachen nie“. Wer es lustiger mag, wird ebenfalls in den Geistesblitzen in der Welt des 64-Jährigen fündig: „Heute viel für die Umwelt getan und einen tollen Tierfilm über aussterbende Haubentaucher geguckt.“

Die eigenen Gedanken wieder ins Lot bringen kann das Publikum bei den Klavierstücken von Marc André Thomsen. Wobei Hermann Luther zugeben muss: „Ich weiß nicht, was er mitbringt.“ Mehr Klarheit hat er da bei den Eigen-Choreografien von Maren Sophie Winter, die sich in dem hellen Atelier mit Blick über den Garten zu Musik von Jennifer Lopez oder Michael Jackson bewegen wird. „Was ist das – Pop, oder?“, sucht der Lyriker nach einer Erklärung und landet bei den Comedian Harmonists. Dass die im Grunde eine Boygroup der 20er Jahre waren, gefällt dem Mann mit dem hintersinnigen Humor. Vielleicht Stoff für Betrachtungen, die in einen weiteren Lyrikband fließen. Bei dem Burger weiß man das nie genau. Was er er aber weiß ist: „Kunstgriff ist ein gutes Forum, um Kunst zur Schau zu stellen.“ Eine runde Sache eben, trotz mancher Eitelkeiten, die das kreative Metier prägen.

Luthers Galerie ist ein neuer Auftrittsort. Zu erleben waren er und seine beiden Mitstreiter bereits in der Bökelnburghalle, dem Waldmuseum und auch in der Kudener Schatulle. Nun gibt es also vor der eigenen Haustür „eine Geschichte, die im Kunstgriff sonst niemand macht“.


>„Überall“: morgen, 19.30 Uhr, Atelier Kunst & Rahmen an der Waldstraße.

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erstellt am 17.Sep.2015 | 12:11 Uhr

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