Wirtschaft : Henning heizt im Holstein Center ein

Versuchte das Publikum im Holstein Center mit aller Macht mitzureißen: Olaf Henning.
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Versuchte das Publikum im Holstein Center mit aller Macht mitzureißen: Olaf Henning.

Schlagerstar lockt rund 200 Besucher ins Einkaufszentrum

Kay Müller von
21. Januar 2015, 17:13 Uhr

Eines sollen alle von Anfang an wissen. „Die Hände gehören hoch“, ruft Olaf Henning bei seinem Auftritt gestern Abend im Holstein Center den rund 200 Zuschauern zu. Der Schlagerstar, der sich jetzt rockig mit Tuch und Lederjacke gibt, erzählt ganz offen, dass er auf Center Tour ist, die den Mann aus dem Ruhrpott unter anderem von Gelsenkirchen über Essen bis nach Itzehoe geführt hat. Am Morgen war er noch in Schenefeld, nach seinem Auftritt in Itzehoe geht es mit dem Flieger von Hamburg nach Köln, wo er kurz vor 23 Uhr das nächste Mal Autogramme schreiben muss. Und heute fährt er von Paderborn nach Jena – alles um seine neue CD besser verkaufen zu können.

Henning spult sein Programm trotz der Reisestrapazen souverän herunter. Seine 46 Jahre merkt man dem Sänger nicht an, der auf der Bühne hin und her wippt, die Leute zum Mitmachen animiert. Trainiert durch unzählige Auftritte in Clubs und auf der Ferieninsel Mallorca weiß Henning, wie man das macht. Viele Itzehoer erwarten, dass er seinen größten Hit Cowboy und Indianer, den sogenannten Lasso-Tanz, ganz am Ende spielt. Doch Henning singt nur ein paar Wörter an, lässt das Publikum einstimmen. Instrumentaluntermalung gibt es nicht.

Den Zuschauern gefällt es trotzdem. „Ich bin absoluter Schlagerfan“, sagt Benjamin Steffens, der schon vor knapp zwei Wochen den Auftritt von Mundharmonika-Spieler Michael Hirte im Holstein Center erlebt hat, den mindestens doppelt so viele Menschen sehen wollten. „Ich finde es ein bisschen schade, dass nur so wenige Zuschauer gekommen sind“, sagt der Itzehoer.

Centermanager Henner Schacht ist dennoch zufrieden. „Es liegt wahrscheinlich an der Uhrzeit oder daran, dass Hirte mit seiner Lebensgeschichte des Straßensängers, der ein Star wird, mehr Leute anspricht“, sagt er als Henning auf der Bühne die Faust in den Himmel reckt und ins Mikrofon ruft: „Das ist ein echter Olaf.“

Knapp eine halbe Stunde spielt er vor allem Lieder von seiner neuen CD „Alles was ich immer wollte“, die er verkaufen und signieren will. Marina Medau ist extra aus Rendsburg gekommen, um Henning zu sehen. Die 54-jährige will auf jeden Fall seine CD haben, filmt den gesamten Auftritt ihres Stars. Neben ihr sitzt ihr Mann Uwe, der früher selber Tanzmusik gemacht hat. „Bei diesen Liedern war die Tanzfläche immer voll“, sagt der 62-Jährige.

Doch Henning will ein wenig weg vom Mallorca-Image, obwohl er damit bislang laut eigener Aussage knapp 1,5 Millionen Tonträger in seiner 16-jährigen Karriere als Sänger verkauft hat und damit zu den Stars seiner Zunft gehört. Die neue CD sei von seinen Lieblingsbands ACDC und ZZ Top inspiriert, die Songs rockiger als seine bisherigen Lieder, sagt er. Ob der Mann, der bis 2005 mit der Schlagersängerin Andrea Berg verheiratet war, sich damit neu erfindet, bleibt offen. „Ich finde das jedenfalls gut“, sagt Janina Mahler. Die 32-Jährige steht ganz hinten. Sie gehört nicht wirklich zu den Fans, ist eher aus Neugier hergekommen. Am Ende sagt sie: „Vielleicht fahre ich auch mal nach Mallorca, aber eben nicht wegen Olaf Henning.“

Der hat eine ungewöhnliche Karriere hinter sich. Der gelernte Versicherungskaufmann, spielt nebenbei in Bands, erst mit 30 Jahren startet er seine Karriere als Musiker. Sein erster eigener Song ist gleich ein Hit. „Ich bin nicht mehr dein Clown (die Manege ist leer)“ läuft nicht nur in Mallorca, auch in Itzehoe singen die Leute mit. Und Henning beweist durchaus Humor. „Das mit den Händen über dem Kopf gilt auch nicht für alle“, sagt er und deutet auf ein ältere Frau, die vorne im Publikum steht. „Manche lassen sie lieber am Rollator.“

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