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Norddeutsche Rundschau

21. August 2017 | 12:43 Uhr

Helfer können ab Oktober hoch hinaus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Feuerwehr wird mit einer 615 000 Euro teuren Drehleiter ausgestattet / Parallel laufen die Planungen für eine neue Feuerwache an

Ab Oktober erreicht der Brandschutz in Wilster eine neue Dimension: Dann verfügt die Freiwillige Feuerwehr über eine moderne Drehleiter. Eine dreiköpfige Delegation der Helfer war jetzt in Ulm, um mit dem Aufbauhersteller Magirus die Bestückung des Fahrzeugs zu besprechen. Hintergrund ist die Vorschrift, dass die Feuerwehr mit entsprechendem Gerät innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein muss. „Mit der Itzehoer Drehleiter ist das nicht zu schaffen“, weiß Wehrführer Ralf Theede. Bei Gesamtkosten von 615  000 Euro hat die Stadt Glück: 340  000 Euro gibt es vom Land als Sonderbedarfszuweisung, weitere 200  000 Euro aus der Brandschutzsteuer. Am Ende bekommt Wilster für nur 75  000 Euro eine Drehleiter. Bürgermeister Walter Schulz freut sich: „Für die Stadt ist dies die bislang günstigste Fahrzeugbeschaffung.“

Anlass für erste Überlegungen zur Anschaffung des teuren Geräts war kurioserweise ein Feuer in der Dithmarscher Kreisstadt Heide. Wehrführer Ralf Theede berichtet, dass sein dortiger Amtskollege – ebenfalls ehrenamtlich dabei – persönlich haftbar gemacht werden sollte, weil bei einem Einsatz umweltschädlicher Löschschaum versprüht worden war. „Der Wehrführer dort sollte dann den Bodenaustausch bezahlen, was zum Glück noch abgewendet werden konnte.“ Für Theede war das ein Alarmsignal. Er ist verantwortlich auch für einen vorgeschriebenen Fuhrpark und meldete bei Bürgermeister Walter Schulz entsprechenden Bedarf an. Auch das Stadtoberhaupt wollte aber nicht wegen eventuell fehlender Einsatzmittel in Regress genommen werden und die Ratsversammlung zog mit.

Ein brandneues Fahrzeug wäre sogar noch teurer geworden. Jetzt bekommt Wilster einen etwa eineinhalb Jahre alten Vorführwagen mit Mercedes-Fahrgestell und einer Laufleistung von bislang 21  000 Kilometern. „Für ein Feuerwehrfahrzeug ist das schon ziemlich viel“, weiß Theede. Bei der Einsatzhäufigkeit in Wilster und Umgebung und dem eher kleinen Aktionsradius dürften allerdings nicht sehr viele Kilometer hinzukommen. Dennoch wird die Drehleiter viel bewegt werden und wohl auch schnell zum Stadtbild gehören. Bei Feueralarmen – die Wilsteraner rückten allein im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 70 Mal aus – werde künftig automatisch die Drehleiter als zweites Fahrzeug mit rausfahren. Gleiches gelte auch für Unfälle, da die Leiter bei Bedarf auch wie eine Art Kran eingesetzt werden kann. In der Vergangenheit war auch wiederholt die Itzehoer Drehleiter angefordert worden, um Patienten aus oberen Stockwerken zu holen, weil die Treppenhäuser oft zu eng sind. „Hauptgrund für die Anschaffung“, so betont Theede, „ist aber die Menschenrettung.“ Und hier könnte sich das neue Gerät in den engen Straßen der Altstadt oder auch bei den Hochhäusern schnell bezahlt machen. „Alles, was über das zweite Stockwerk hinaus geht“, umschreibt der Wehrführer die Einsatzmöglichkeiten. Bei Bedarf werde Wilster damit aber auch andere Wehren in der Marsch unterstützen gegebenenfalls auch in der Nachbarstadt Brunsbüttel. „Wirklich brauchen wird man die Drehleiter wohl eher selten. Aber wenn, dann wird sie auch gebraucht“, machte Theede die Bedeutung der Anschaffung für Leib und Leben klar.

Vor dem ersten Einsatz wartet auf die Helfer allerdings noch erheblicher Schulungsbedarf. Insgesamt sollen 16 Feuerwehrleute im Umgang mit der Drehleiter ausgebildet werden. „Und dann werden wir viel in der Stadt unterwegs sein“, kündigt Theede an. Das Fahrzeug mit der Fachbezeichnung 23/12 kann die Leiter theoretisch bis zu einer Höhe von 32 Metern ausfahren. „Gerade hier in der Marsch kommt es aber auch entscheidend auf die Standfestigkeit an“, weiß Theede. Im praktischen Einsatz geht man daher davon aus, dass der Wagen bis zu zwölf Meter Abstand zum Beispiel zu einem brennenden Haus hält und dann Menschen aus einer Höhe von bis zu 23 Metern retten kann. Das würde für sämtliche Wohngebäude in der Wilstermarsch ausreichen. Theede zu den Anforderungen an seine Leute: „Das ist eine große Verantwortung, das Gerät korrekt in Position zu bringen.“

Neben dem erheblichen Schulungsbedarf für die Einsatzkräfte muss aber auch das Fahrzeug selbst regelmäßig in die Inspektion. Die Stadt hat dafür mit dem Hersteller einen Wartungsvertrag abgeschlossen. 2800 Euro werden dafür jährlich an Grundkosten fällig. Hinzu kommt eine Fünf-Jahres-Wartung, die mit weiteren 5000 Euro zu Buche schlägt. Alle zehn Jahr ist eine noch gründlichere Generalüberholung für dann rund 10  000 Euro fällig.

Probleme mit der Unterbringung in der jetzigen Feuerwache An der Au gibt es nicht. Die Drehleiter passt in das vorhandene Gebäudes. Unabhängig davon laufen jetzt aber die Planungen für einen Neubau des Wilsteraner Feuerwehrgerätehauses an. Im Grundsatz hat die Ratsversammlung die Errichtung des 3,5 Millionen Euro teuren Gebäude auf dem Gelände des städtischen Bauhofs beschlossen. Dieser wiederum soll dann in die alte Feuerwache umziehen. Wie bei der Drehleiter sind die Ausgaben für den Brandschutz auf gesetzliche Bestimmungen und Vorgaben zurückzuführen. Die Feuerwehr-Unfallkasse hatte für das alte Gebäude eine lange Mängelliste präsentiert, deren Abarbeitung gut zwei Millionen Euro gekostet hätte.

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erstellt am 25.Jul.2017 | 10:11 Uhr

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