Bundesfreiwilligendienst und FSJ : Helfend den eigenen Weg finden

Maximilian Muhs berichtete den Schülern von seiner Tätigkeit in der Werkstatt Westküstenservice der Brücke.
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Maximilian Muhs berichtete den Schülern von seiner Tätigkeit in der Werkstatt Westküstenservice der Brücke.

Der Paritätische und Schulsozialarbeiter informieren an der Wolfgang-Borchert-Gemeinschaftsschule in Sude über Freiwilligendienste. Bislang wird das Angebot vor allem von Abiturienten genutzt.

shz.de von
24. März 2017, 05:00 Uhr

Eigentlich wollte Hinnark Brust Nautik studieren, Kapitän werden. Doch als es mit dem Studienplatz nicht klappte und er auch nicht sofort einen Ausbildungsplatz fand, bewarb sich der Abiturient im vergangenen Jahr um eine Stelle im Bundesfreiwilligendienst. Eine Entscheidung, die auch seinen Berufswunsch verändert hat – inzwischen möchte der 19-Jährige Erziehungswissenschaften studieren.

„Es ist ein guter Einstieg ins Berufsleben“, sagte der Mitarbeiter des Kinder- und Jugendtreffs Wellenkamp gestern im Rahmen einer Informationsveranstaltung vor Neunt- und Zehntklässlern der Wolfgang-Borchert-Gemeinschaftsschule in Sude. „Die Betonung beim Bundesfreiwilligendienst und dem Freiwilligen Sozialen Jahr liegt schließlich auf freiwillig. Man kann jederzeit aufhören, wenn es doch nichts für einen ist.“

Als Reaktion auf die Aussetzung der Wehrpflicht (und in dem Zusammenhang auch des Zivildienstes) im Jahr 2011 wurde der Bundesfreiwilligendienst (BFD) als Initiative zur freiwilligen, gemeinnützigen und unentgeltlichen Arbeit in Deutschland eingeführt. Laut der Initiative für Jugendförderung Deutschland wurde das von der Bundesregierung gesteckte Ziel von 35.000 Bundesfreiwilligen bereits im Jahr 2012 erreicht. 2014 waren es bundesweit 42.342 Frauen und Männer, allein in Schleswig-Holstein 1270.

Auch an Gemeinschaftsschulen und Berufsbildungszentren soll nun künftig stärker für das Angebot geworben werden – das bislang vor allem von Abiturienten genutzt wird, wie Kristin Paterek sagt. Die Mitarbeiterin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands ist Ansprechpartnerin für die Themen Freiwilliges Soziales Jahr sowie Bundesfreiwilligendienst und hat die Informationsveranstaltung gemeinsam mit Niklas Naumann (Kinder- und Jugendtreff Wellenkamp sowie Schulsozialarbeiter an der Wolfgang-Borchert-Schule) organisiert. Viele Schüler in dieser Altersklasse seien für eine Ausbildung noch zu jung, sagt Patarek – „dabei bieten diese Angebote die Chance, in verschiedene Berufsfelder hineinzuschnuppern“. Neben dem klassischen Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) gibt es mittlerweile auch Angebote im ökologischen Bereich sowie in der Kultur, im Sport, in der Politik und in der Denkmalpflege. „Bei jüngeren Schülern scheitert es allerdings oft schon daran, dass sie die Angebote gar nicht kennen.“

Yannis Zimmermann besucht die zehnte Klasse der Wolfgang-Borchert-Gemeinschaftsschule in Sude und ist konkret auf der Suche nach einer FSJ-Stelle. „Am liebsten möchte ich etwas im Bereich Sport machen“, sagt der 17-Jährige. Er könne sich aber auch vorstellen, mit kleineren Kindern zu arbeiten. Vor eineinhalb Jahren hat er bereits ein Praktikum an einem Kindergarten in Münsterdorf gemacht. Jetzt will er an einem Schnuppertag feststellen, welcher Bereich ihm mehr zusagt.

Den Vorteil der Freiwilligkeit betont auch Jan Behrens, Koordinator Berufsorientierung an der Wolfgang-Borchert-Schule. „Es herrscht nicht der Druck, den es in der Ausbildung gibt“, sagt er. Außerdem sei es eine gute Vorbereitung für diejenigen, die sozialpädagogische Assistenten werden wollen. Die gestrige Informationsveranstaltung soll nun auch den Beginn einer regelmäßigen Zusammenarbeit im Bereich des Übergangs Schule und Beruf darstellen, sagt Niklas Naumann. Er könne sich in Zukunft zudem Messen an Schulen vorstellen, in denen die verschiedenen Träger ihre Angebote vorstellen.

Maximilian Muhs berichtete den Schülern von seiner Tätigkeit in der Werkstatt Westküstenservice der Brücke in Itzehoe. Er wollte sich nach dem Abitur eigentlich nur auf sein Studium der Sozialen Arbeit vorbereiten, so der 20-Jährige. Die Arbeit im Team sowie der Austausch mit anderen Freiwilligen habe ihm aber letztendlich noch viel mehr gebracht. „Das sind Erfahrungen gewesen, die ich nicht mehr missen möchte.“


>Weitere Informationen zum Thema Bundesfreiwilligendienst und FSJ, wie Bewerbung, freie Stellen und Zahlen online unter: www.bufdi.eu

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