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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 23:15 Uhr

Heizen ist günstiger, aber nicht für alle

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Dank sinkender Gaspreise: Durchschnittlicher Haushalt in Wilster spart in diesem Jahr 90 Euro

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2016 | 09:00 Uhr

Traditionell zum Beginn des Frühlings bekommen Mieter und Wohnungsbesitzer ihre Heizkostenabrechnung. In diesem Jahr zeichnet sich ein ungewöhnliches Bild bei den immer noch stark dominierenden fossilen Brennstoffen Öl und Gas ab: Während Bewohner von Häusern mit Ölheizungen mit kräftigen Rückzahlungen rechnen dürfen, müssen Gaskunden eventuell sogar Nachzahlungen in Kauf nehmen. Die traditionelle Preisbindung beider Brennstoffe scheint vorerst Geschichte zu sein.

Rund 25 Prozent günstiger war Heizöl im Herbst 2015 gegenüber dem Vorjahr. Zum Jahresende fiel der Preis noch einmal deutlich. „Man kann fast von einem Einbruch beim Ölpreis sprechen“, sagt Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes. „Die Heizkosten haben sich 2015 erheblich verringert.“ Nachdem Hausbesitzer vom billigen Öl schon beim Einkauf im vergangen Jahr profitierten, werden nun auch Mieter den Preissturz im Portemonnaie spüren, denn die Ersparnis wird über die Nebenkostenabrechnung an sie weiter gereicht. „Uns liegen noch keine exakten Zahlen für das Kalenderjahr 2015 vor, aber obwohl das Wetter etwas kühler als 2014 gewesen ist, wird das den Rückgang beim Heizölpreis nicht aufwiegen“, sagt Ropertz.

Anders dagegen bei Gas und Fernwärme: „Dort sind die Preise weitgehend stabil geblieben“, erklärt Ropertz. Aufgrund der kühleren Witterung seien daher eventuell auch geringe Nachzahlungen für Mieter möglich. „Das hängt im Einzelfall von der Gestaltung der Abschlagszahlungen ab. Sind diese nach dem besonders milden Jahr 2014 gesenkt worden, sind Nachzahlungen wahrscheinlich.“ Was an dieser Entwicklung verwundert: Auch beim Gas sind die Einkaufspreise auf dem Weltmarkt deutlich gefallen. Laut dem Verbraucherportal Verivox um rund 25 Prozent in den vergangenen zwei Jahren. Die Energieversorger haben dies aber nur sehr begrenzt an die Endkunden weitergegeben (siehe Grafik). „Wir kritisieren diese Entwicklung schon seit längerem“, sagt Margrit Hintz, stellvertretende Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein und zuständig für den Fachbereich Energie. Sie rät Verbrauchern zum Anbietervergleich: „Es gibt teilweise erhebliche Preisunterschiede.“ Nicht immer sei ein Wechsel des Versorgers notwendig. Oft ließe sich auch mit dem alten Anbieter bessere Konditionen aushandeln. „Mieter sind da natürlich nur indirekt handlungsfähig. Sie können aber ihren Vermieter auf eventuell überhöhte Energiepreise hinweisen. Der hat ja auch ein Interesse daran, dass seine Mieter günstig heizen können“, rät Hintz.

Auch bei den Stadtwerken Itzehoe, größter kommunaler Energieversorger für etwa 50 000 Menschen im Kreis Steinburg und über die Stadtwerke Steinburg in Kooperation mit den Stadtwerken Wilster und Glückstadt, blieben die Gaspreise 2015 stabil. Mit etwas Verzögerung werden die Kunden aber von den gesunkenen Rohstoffpreisen profitieren, erklärt Itzehoes Geschäftsführer Manfred Tenfelde. Der Einkauf funktioniere beim Gas anders als beim Öl. Neben dem reinen Einkaufspreis beeinflussen auch Netzentgelte die Kostenentwicklung. Die Stadtwerke Itzehoe würden eine „effiziente und langfristige Beschaffungsstrategie“ verfolgen. „Gemeinsam mit anderen norddeutschen Stadtwerken kaufen wir im Laufe des Jahres in mehreren Schritten unser Gas für das kommende Jahr ein.“ Der Brennstoff, mit dem 2016 geheizt werde, sei bereits 2015 gekauft worden.

Der gesunkene Einkaufspreis im vergangenen Jahr wirke sich nun 2016 aus. Die Gaspreise wie auch die Preise für Fernwärme seien bereits zum Jahresbeginn gesenkt worden. Die Ersparnis geben die Stadtwerke mit rund 55 Euro beim Gas und 125 Euro bei der Fernwärme für einen Durchschnittshaushalt an. „2017 ist mit einer weiteren Preissenkung zu rechnen, wenn die Entwicklung so bleibt wie bisher“, sagt Tenfelde. Die Einkaufspolitik ermögliche es, den Kunden ein günstiges Angebot. Nach eigenen Angaben gehören die Stadtwerke zu den 15 Prozent der günstigsten Gasanbietern in Deutschland. „Vorteile beim Einkauf geben wir an unsere Kunden weiter.“

Bei den Stadtwerken Wilster sind das nach eigenen Angaben derzeit rund 1900 Kunden. Über das 24 Kilometer lange Gasnetz werden rund 55 Millionen Kilowattstunden Gas pro Jahr mit Schwerpunkt im Stadtgebiet Wilster verteilt. Erstmals seit längerer Zeit waren per Beschluss der Ratsversammlung Ende vergangenen Jahres die Preise gesenkt worden. Waren die Gastarife für 2015 noch um 0,4 Cent je Kilowattstunde heraufgesetzt worden, geht es in diesem Jahr um 0,3 Cent runter. Für den durchschnittlichen Haushalt heißt das: Bei einem Jahresverbrauch von 25  000 Kilowattstunden spart er fast 90 Euro. Das entspricht einer Preissenkung um 4,76 Prozent, die sich allerdings erst in den Abrechnungen im nächsten Jahr bemerkbar machen dürfte.

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