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Trauungen : Heiraten über Dächern der Gemeinde

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hohenlockstedts Bürgermeister Jürgen Kirsten kann jetzt auch Trauungen vornehmen. Den Lehrgang in Bordesholm hat er erfolgreich absolviert.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2013 | 17:00 Uhr

Seit Mitte Juni hat Hohenlockstedt einen neuen Bürgermeister, seit kurzem nun auch einen neuen Eheschließungsstandesbeamten in Personalunion: Jürgen Kirsten absolvierte den zweitägigen Lehrgang in Bordesholm mit Erfolg. Ab sofort darf er Trauungen in seiner Gemeinde vornehmen.

Damit erhält Kirsten eine Möglichkeit am Leben, die seit fünf Jahren besteht und sich großer Beliebtheit erfreut: Heiraten im Wasserturm. 20 Paare haben sich seit 2009 von Kirstens Vorgänger Bernhard Diedrichsen über den Dächern Hohenlockstedts in den Hafen der Ehe geleiten lassen. „Ein Highlight für Hohenlockstedt, das man nicht einschlafen lassen darf“, so Kirsten. „In altbewährter Weise“ möchte er dieses Angebot fortführen und freut sich auf sein erstes Brautpaar. Anfragen für 2014 liegen im Rathaus bereits vor. „Die Anmeldung erfolgt nicht über mich, sondern über das Amt“, erklärt er.

Schwindelfreie und heiratswillige Paare gelangen im Inneren des Turmes über 88 Treppenstufen in den ehemaligen Wasserkessel. Der kleine Raum in luftiger Höhe fasst maximal zwölf Personen und ist einfach eingerichtet. An der Wand im Trauzimmer verewigt sich jedes Brautpaar auf einem kleinen Aluminiumschild mit Name und Datum. Hinter dem Stuhl des Standesbeamten steht eine Kamera, mit der die Trauung nach unten in das benachbarte Museum übertragen wird. Von dort aus können alle übrigen Gäste, aber auch diejenigen, die keine 88 Stufen steigen können oder mögen, die Trauung bequem am Bildschirm mitverfolgen und das Brautpaar dabei sogar von vorn sehen. Anschließend kann die Aufzeichnung erworben werden, so dass sie als ewiges Andenken an den schönsten Tag im Leben erhalten bleibt.

Den Wasserturm, der heute ein geschütztes Industriedenkmal ist, gibt es schon weitaus länger als die Möglichkeit, in ihm zu heiraten. Im Jahr 1900 wurde er erbaut und 1901 in Betrieb genommen. Er versorgte die Gemeinde Hohenlockstedt mit Trinkwasser, welches aus Springhoe mithilfe der Pumpen im benachbarten Pumpenhaus in den Wassertank in 18 Metern Höhe gepumpt wurde. Als der 125 Kubikmeter Wasser fassende Tank für die wachsende Gemeinde zu klein und der Wasserdruck zu niedrig wurde, errichtete man ein neues Wasserwerk und der Turm wurde stillgelegt. Nach einigen Diskussionen über Abriss oder Sanierung entschieden sich die Verantwortlichen sich für Letzteres und erhielten die Gebäude. Seit der zweiten Sanierung im Jahr 2007 ist der Wasserturm begehbar. Sicherheitsmaßnahmen wie Geländer an allen Treppen und Plattformen sowie eingezogene Verstärkungen im oberen Bereich zur Verbesserung der Statik machen es nun möglich, dass nicht nur der Wasserwart den herrlichen Ausblick aus dem ehemaligen Wasserbehälter des Tanks genießen darf. Im Rahmen des Umbaus wurden dort, wo sich früher das Wasser befand, Fenster eingefügt, so dass man von dort aus bei guter Sicht bis nach Kellinghusen, Lägerdorf und fast bis zur Elbe blicken kann.

Im ehemaligen Pumpenhaus nebenan ist heute das Museum untergebracht, das vom Verein für Kultur und Geschichte von Hohenlockstedt belebt wird. Und nicht nur das: Die ehrenamtlichen Helfer Karin und Jürgen Schmidt, Magret Rudolph und Dieter Bendzius erledigen bei jeder Hochzeit im Wasserturm den Auf- und Abbau, installieren die Technik und sorgen sich darum, dass alles reibungslos abläuft. Mit ihnen warten schon Pferde, Hunde, Jagdhornbläser und ganze Schulklassen auf dem Vorplatz auf die frisch Vermählten.

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