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Bundestagswahl 2017 : „Heimat ist ein Exklusivbegriff“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Direktkandidaten im Portrait: Für seine zweite Legislaturperiode erhofft sich Mark Helfrich (CDU) mehr Einfluss in der eigenen Fraktion.

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erstellt am 14.Sep.2017 | 09:14 Uhr

Als einen klassischen Karrieretyp bezeichnet er sich selbst nicht. „Ich bin ehrgeizig“, sagt Mark Helfrich. Als Berufspolitiker ist die Lebensplanung eben nicht einfach. Zumindest für die anstehenden vier Jahre weiß der 39-Jährige aber ganz genau, was er machen will. Der CDU-Direktkandidat für den Wahlkreis 3 möchte seine Region weiterhin im Bundestag in Berlin vertreten. Dafür stellt er sich am 24. September zur Wahl.

Als er 2013 erstmals kandidierte, konnte er das Direktmandat deutlich für sich entscheiden – mit etwas mehr als zehn Prozent Vorsprung auf Karin Thissen (SPD). Seine Erwartungshaltung mit Blick auf das parlamentarische Leben in der Bundeshauptstadt war eher gering. „Ich bin eigentlich völlig ohne Erwartungen dort angetreten. Zumindest was Ausschussbesetzung oder ähnliches betrifft“, erklärt er. Als Neuling in einer Fraktion sind die Ansprüche dementsprechend klein. Helfrich beklagt sich nicht darüber, sondern hat diese Rolle angenommen. Sollte er sein Mandat behalten – und danach sieht es derzeit aus – geht er davon aus, dass er einige Plätze in der Fraktionshierarchie aufsteigen wird. Politisch sind Erwartungen und Umsetzung durchaus deckungsgleich: „Mit dem, was wir für die Region erreicht haben, bin ich sehr zufrieden.“ Dabei spielte ihm der Zeitpunkt seines Wechsels nach Berlin in die Karten, wie er zugibt. „In den Jahren zuvor gab es sicherlich Zeiten, in denen die Früchte höher am Baum hingen und der Verteilungsspielraum enger war“, so Helfrich. „Im Bereich der Infrastruktur haben wir alles bekommen, was sich die Region gewünscht hat.“ Besonders auf diesem Feld habe Schleswig-Holstein einen riesigen Nachholbedarf. Jetzt geht es an die Umsetzung. Dass diese bisweilen zäh und ein langwieriger Prozess ist, ist für Helfrich wenig überraschend: „Das war und ist in der Kommunalpolitik nicht anders. Da wird nicht jeder Kreistagsbeschluss gleich am nächsten Tag umgesetzt.“ Auf bundespolitischer Ebene sei selbstverständlich das Spielfeld größer. Dementsprechend sind mehr Akteure unterwegs, und es müssen noch mehr Interessen berücksichtigt werden.

Für die kommenden Jahre glaubt Helfrich, dass sein Wort innerhalb seiner Fraktion an Gewicht gewinnt. „Ich würde zukünftig zu denjenigen gehören, die eine gewisse Erfahrung haben, die Abläufe kennen und sich ein Netzwerk aufgebaut haben, was die tägliche Arbeit deutlich erleichtert.“ In diesem Punkt sei das wie in jedem anderen Beruf auch. Man schaue sich zunächst einmal den Betrieb an und wage sich nach und nach auch mit eigenen Ideen in eine Diskussion. Thematisch würde sich Helfrich gern auf die Energiepolitik stürzen, weil innerhalb der CDU-Fraktion die Meinungen eher aus einer Sicht der südlichen Bundesländer betrachtet werden. „Ich möchte die norddeutsche Sicht in dieser mitunter nicht einfachen Diskussion um EEG-Umlage und Netzentgelte einbringen“, sagt er.

Und wenn am 25. September – also nach der Wahl – jemand auf ihn zukäme und ihm einen Posten als Staatssekretär anbieten würde? Mark Helfrich kommt bei dieser Frage ins Grübeln. Indiz dafür, dass er tatsächlich keinen politischen Karriereplan hat. „Das wäre eine heftige Abwägung mit Blick auf meine Familie, die ich dann anstellen müsste. Das wäre alles andere als ein leichte Diskussion, und das würde ich mir sehr, sehr genau überlegen.“

Im Falle des anderen Extrems, also wenn der Wiedereinzug nicht gelänge, würde Helfrich an seinen Arbeitsplatz bei einem Hamburger Netzbetreiber zurückkehren, den er vor vier Jahren verlassen hat. „Ich habe die Aufgabe als Abgeordneter immer als eine auf Zeit gesehen und deswegen nicht mein ganzes Leben umgestrickt. Ich wohne weiterhin in Dägeling und habe nie einen Karrierepfad vor Augen gehabt.“ Obwohl sein Leben bisher nahezu klassisch verlaufen ist. Abitur, Wehrdienst, Studium markieren die beruflichen Wegpunkte. Privat hat er 2011, vier Jahre nach dem Kennenlernen, seine Freundin Kerstin geheiratet – seit 2014 sind sie Eltern eines Sohnes. Helfrich gehört zu den Menschen, die zuschlagen, wenn sich spannenden Möglichkeiten ergeben. Auf der anderen Seite aber auch nicht durch jede Tür gehen, die sich auftut. „Ich hätte beispielsweise bei Barilla anfangen können.“ Dort blieb es bei einer Stippvisite.

Der Wahlkampf hat für ihn, wie im Übrigen auch für seine SPD-Mitbewerberin Karin Thissen, eine bemerkenswerte Erkenntnis gebracht. „Die Menschen sind politischer geworden und diskutieren mehr und differenzierter mit uns als in vielen Jahren zuvor – und zwar über die verschiedene Generationen hinweg“, so Helfrich. Den Grund sieht er in den Umwälzungen in der Welt. „Wir machen den Fernseher an und sehen, Trump, Erdogan, die Entwicklungen in Nordkorea und den Brexit. Das hat eine Wirkung auf die Menschen und einige, die Politik nicht interessiert mehr hat, kommen in die Arena zurück. Das führt dann auch zu einer höheren Wahlbeteiligung, zumindest bei den vergangenen Wahlen war das so.“

Mit Blick auf künftige Koalitionen favorisiert Helfrich eine schwarz-gelbe Verbindung. „Aber auch schwarz-grün kann ich mir vorstellen.“ Jamaika hingegen sieht er im Bund derzeit nicht. „Weil es mit der CSU eine weitere Partei gäbe. Zudem ist das Personaltableau der FDP unklar und die Grünen sind bei vielen grundsätzlichen Fragen gespalten, so dass man am Ende quasi fünf Parteien zusammenbringen müsste.“ Die Fortsetzung der Regierungsarbeit mit der SPD sei kein Ziel, das man anstreben könne, „muss aber in einer Demokratie immer möglich sein.“

Auf seinen Plakaten heißt es: „Für die Heimat. In Berlin.“ Was bedeutet für Mark Helfrichs Heimat? Es sei ein Ort, an dem man zuhause ist. „Es sind die Menschen hier, die Landschaft, und die bildet für mich einen Ruhepol.“ Er könne sich nicht vorstellen umzuziehen, um dann zu sagen seine Heimat wäre beispielsweise die Lüneburger Heide. Obwohl es durchaus Orte gebe, die er in Herz geschlossen habe. Und zwischen seiner Kindheit in Münsterdorf und seiner politischen Arbeit in Berlin hat Helfrich durchaus über den Tellerrand geschaut, war als Schüler zu einem Austauschjahr in den USA, studierte Betriebswirtschaft in Göttingen und arbeitete zwischenzeitlich für Barilla in Düsseldorf.

„Heimat aber ist für mich ein relativer Exklusivbegriff.“ Daher habe er zusammen mit seinem Team den Wahlslogan individuell entwickelt. Wie wirkungsvoll der war, wird sich in zehn Tagen zeigen.

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