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Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 10:38 Uhr

Podiumsdiskussion : Heimat ist an vielen Orten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Steinburger Heimatverband diskutiert in Itzehoe über einen Heimatbegriff für die Zukunft.

shz.de von
erstellt am 20.Sep.2014 | 16:00 Uhr

„Unser heutiges Thema scheint nicht gerade der Renner zu sein“, stellte Karl-Heinz Zander als Organisator der Auftakt-Veranstaltung im Prinzesshof-Museum fest. Der Steinburger Heimatverband hatte zu Beginn des Winterhalbjahres zu einer Podiumsdiskussion über „Heimat modern gestalten – ein Heimatbegriff für die Zukunft“ eingeladen. Dennoch entwickelte sich mit insgesamt knapp zehn Besuchern eine interessante Diskussion über den Begriff Heimat.

Aktuell dazu hatte der Heimatverband im vergangenen Jahr das Buch „Heimat“ herausgegeben, in dem Schüler ihre Gedanken zu diesem Thema formuliert hatten. Mit Karl-Heinz Zander diskutierten shz-Redakteurin Katrin Götz, die in ihrem nahezu zeitgleich erschienenen Buch „Stadtgespräche aus Itzehoe“ persönliche Gedanken von Männern und Frauen aus Itzehoe aufgezeichnet hat, sowie Landrat Torsten Wendt als Vorsitzender des Kreisheimatverbandes und Dr. Jörn Biel. Der ehemalige Geschäftsführer der IHK Kiel ist seit Februar Präsident des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes.

Die aus Oberfranken stammende Katrin Götz nennt das ihre Heimat, wo sie geboren wurde. Inzwischen aber habe sie viele Orte, an denen sie sich zuhause fühle, wie seit einigen Jahren eben in Itzehoe. „Heimat ist das, wo meine Wurzeln sind. Das andere würde ich als Zuhause bezeichnen.“ Sie gab jedoch zu bedenken, dass sich Heimatbegriff und Heimatgefühl im Laufe des Lebens auch wandeln können.

Dr. Jörn Biel hat das Kieler Ostufer als seine Heimat ausgemacht. Durch familiäre Kontakte und viele Ferienaufenthalte in seiner Jugendzeit habe er das Ruhrgebiet als seine zweite Heimat entdeckt. Der Steinburger Landrat benannte schon drei Heimaten: seinen Geburtsort im südlichen Niedersachsen, dann das nördliche Niedersachsen, wo er zehn Jahre Bürgermeister einer Samtgemeinde gewesen war und noch heute enge Kontakte pflegt, und jetzt den Kreis Steinburg, wo er sich mit seiner Familie in Hohenlockstedt sehr wohl fühlt.

Karl-Heinz Zander stellte fest, dass die gewachsene Mobilität der Menschen dazu geführt habe, dass man schon mehrere Heimaten habe. Als Hauptgründe für weite Ortswechsel machte Zander die Liebe und den Beruf aus. Aus dem Ruhrgebiet stammend, sei er über Berlin und Hamburg nach Itzehoe gekommen, das ihm zu seiner neuen Heimat geworden sei.

Der Präsident des Heimatverbandes rief dazu auf, offen zu sein für Migranten, um diesen Menschen ihre neue Heimat anzubieten. Ihnen müsse man die Möglichkeit bieten, sich hier wohl zu fühlen, sprach Dr. Biel von einem gesellschaftlichen Auftrag. Landrat Torsten Wendt fühlte sich bei dieser Aufgabe vom Land im Stich gelassen. Die Landespolitik müsse helfen, für die heimatlosen Neubürger aus fremden Ländern eine Willkommenskultur zu schaffen. Im Übrigen stellte Wendt deutlich stärkere Wanderungsbewegungen als früher fest. Junge Menschen verlassen zunehmend die Heimat, um im Ausland zu arbeiten und zu leben.

So hat auch Katrin Götz einige Zeit in Irland gelebt und wenn sie heute Irland besuche, sei es für sie auch ein Nach-Hause-Kommen. Sie zeigte sich überzeugt, dass man als Neuling in einer fremden Umgebung selbst aktiv sein müsse, um hier Fuß zu fassen. Ihre Meinung teilte Karl-Heinz Zander: Erst wenn man sich selbst einbringe, könne man sich mit seiner neuen Heimat identifizieren.

Dr. Biel stellte die Frage in den Raum, ob der Begriff Heimat nicht schon etwas verklärt klinge. Landrat Torsten Wendt unterstrich, dass das Wort Heimat in unserem Tageswortschatz eigentlich gar nicht vorkomme. In der englischen Sprache, so warf ein Zuhörer ein, gebe es das Wort Heimat überhaupt nicht – dort ist es in der Regel identisch mit dem Begriff Zuhause.

Eine Zuhörerin fühlt sich als Holsteinerin und würde Holstein nie verlassen. Ihre Heimat ist Bad Bramstedt. Durch Heirat kam sie nach Itzehoe. „Das war schlimm genug“, hatte sie anfangs große Schwierigkeiten, hier ihre neue Heimat zu entdecken. Die Wertschätzung der Heimat ist eng mit der hier gelebten Kultur verbunden, schloss Karl-Heinz Zander nach eineinhalb Stunden. Er lud schon jetzt zu plattdeutscher Musik am 15. Oktober ein.

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