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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 18:01 Uhr

Kirche : Heiligabend am Hafenkopf

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Pastor Stefan Egenberger lädt am 24. Dezember zu einem Extra-Gottesdienst mit Musik an den Hafen ein.

von
erstellt am 22.Dez.2016 | 17:00 Uhr

Es ist ein ungewöhnlicher Ort für einen Gottesdienst am Heiligabend: Pastor Stefan Egenberger lädt am 24. Dezember um 16 Uhr an den Hafenkopf ein. Unterstützt wird er in dem Gottesdienst musikalisch von Daniel Schröder am Saxophon und Michael Puchala, der seine E-Gitarre mitbringt. Und noch eines ist ungewöhnlich: Handys sind erwünscht. Denn die Kirche veröffentlicht auf ihrer Facebookseite „Stadtkirche Glückstadt“ die Liedtexte, die dann notfalls auf den Handys abgelesen werden können. „Wir verteilen auch Liedtexte“, sagt Egenberger. „Aber vielleicht ist es leichter, diese auf den beleuchteten Handys zu lesen.“

Die Idee zu dem Open-Air-Gottesdienst hatte Markus Sänger aus dem Kirchengemeinderat, sagt Egenberger. Er selbst fand sie gut. „Solch ein Gottesdienst spricht auch Menschen an, die nicht in die Kirche gehen wollen.“ Und sei es, weil sie ihren Hund mitnehmen können oder andere Gründe haben. „Es ist ein Versuch. Wir hoffen, viele damit erreichen zu können.“

Wobei die üblichen Gottesdienste am Heiligabend wie gewohnt um 15, 17 und 23 Uhr abgehalten werden. „Wir haben diesen dazwischen geschoben.“ Es werde zirka eine halbe Stunde dauern. Seine Predigt wird sich um das Thema Wahrheit drehen. „Es gibt Menschen, die glauben, sie haben die Wahrheit.“ Doch Wahrheit bedeute nicht, andere mundtot zu machen. Ihm sei aufgefallen: Gibt es zwei Lager, wird oft nicht mehr miteinander gesprochen. „Wir müssen alle sehen, wie wir miteinander ins Gespräch kommen.“ Dies meint Egenberger auch mit Blick auf politische Meinungen.

So erinnert er sich gut an den vorigen Heiligabend in der Stadtkirche, als im Gottesdienst um 23 Uhr fünf Menschen aus Syrien eine Kerze vor der Krippe anzündeten. Zuvor hatten sie ihm erzählt, wo sie herkamen, warum sie geflohen sind und wie sie nach Deutschland kamen. Und sie haben dem Pastor von ihren Träumen erzählt: in Frieden leben, Zukunft haben, die Familie gesund wiedersehen. Damals war das Kernthema „ein Platz an der Krippe“. Es ging ihm darum, dass jeder Mensch einen Platz an der Krippe hat – auch Muslime. „Wer von Frieden und von einer guten Zukunft für alle träumt, der hat einen Platz an dieser Krippe.“

Angesichts der Ereignisse am Dienstag in Berlin, die ihn erschüttert haben, hat er über Konsequenzen nachgedacht. Auch er verfolgte die Nachrichten über den Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt, wo zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Aber Bedenken an einem öffentlichen Ort zu predigen, hat Egenberger nicht. „Ich habe keine Angst, dass Heiligabend etwas passieren wird beim Gottesdienst.“ Bewusst sei ihm aber, dass überall etwas passieren könnte. Jetzt hofft er, dass viele zu diesem besonderen Gottesdienst kommen. Es ist einer im Stehen, wir werden aber auch ein paar Sitzgelegenheiten aufstellen.“

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