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Tödlicher Überfall : Heide trauert um Boje-Peter Voss

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Erschütterung in der Dithmarscher Kreisstadt: Viele Anwohner kannten den Kaufmann persönlich. Polizei sucht Gruppe junger Leute als mögliche Zeugen

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Nach dem gewaltsamen Tod von Boje-Peter Voss, dem 73-jährigen Inhaber eines Lebensmittelladens am Wulf-Isebrand-Platz in Heide , ist die Betroffenheit groß. Anwohner trafen sich am Sonntagabend mit Kerzen und Blumen vor dem Geschäft, um ihrer Anteilnahme Ausdruck zu verleihen. Ein Zettel am Schaufenster und ein Aufruf im Internet luden dazu ein.

„Die Menschen standen über eine halbe Stunde dort“, berichtet Pastorin Inke Raabe berührt. Sie zeigte sich besonders angetan von den Worten, die Bürgermeister Ulf Stecher für die Menschen fand. Er habe die verständliche „Dünnhäutigkeit“ der Menschen treffend zusammengefasst, die nach der Brandserie nun ein Gewaltverbrechen direkt vor der Haustür erleben müssen. „Das ist viel für Heide. Wir sind ja ein Dorf“, gesteht sie.

Vor dem Laden stehen Kerzen und Blumen dich an dicht. Persönliche Briefe drücken Dank und Beileid aus. Für viele Anwohner war der Kaufmannsladen eine Anlaufstelle und der Einkauf an der Ecke ein wichtiger täglicher Kontakt. So zog es auch gestern wieder Passanten an den Unglücksort. „Wenn ich den Laden betreten habe, hat er immer gesagt: ‚Hallo Frau Ips!‘“, erzählt Brigitte Ipsen. Sie kauft seit neun Jahren regelmäßig ihre Brötchen in dem kleinen Laden in Lüttenheid und lächelt, als sie sich an den Spitznamen erinnert, den ihr der Kaufmann gegeben hat.

Der 73-Jährige wurde am Freitag mitten am Tag Opfer eines Gewaltverbrechens (wir berichteten). Die Polizei tappt noch im Dunkeln. „Der große Durchbruch ist noch nicht gelungen“, äußerte Polizeisprecher Hans-Werner Heise gestern. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Die Polizei sucht konkret nach einer kleinen Gruppe von drei bis fünf jungen Erwachsenen, die sich zur Tatzeit in der Nähe des Ladens aufgehalten haben soll. „Sie gelten nicht als Tatverdächtige, sondern sollen als Zeugen vernommen werden“, betont Hans-Werner Heise gegenüber unserer Zeitung. Er bittet die Jugendlichen sich zu melden und fordert auch alle anderen Personen auf, die Ermittlungen der Polizei mit sachdienlichen Hinweisen zu unterstützen. Neben Zeugenaussagen prüft die Polizei die Bilder eines Überwachungsvideos aus dem Laden. Was genau dort zu sehen sei, könne jedoch vorerst aus ermittlungstaktischen Gründen nicht öffentlich gemacht werden, sagte der Polizeisprecher. Auch Zusammenhänge mit einem Raub an der Stadtbrücke am Donnerstag und einem bewaffneten Dieb in einem Elektronikgeschäft am gleichen Tag werden geprüft. „Was das Ganze natürlich nicht leichter macht“, so Heise.

Bürgermeister Ulf Stecher wandte sich am Nachmittag mit einer Video-Botschaft an die Bürger der Stadt Heide und der umliegenden Region. „Ein lieber Mensch wurde mit sinnloser Gewalt ums Leben gebracht“, heißt es darin. „Mit seinem kleinen Laden in der Nähe der örtlichen Grundschule ist er vielen von uns eine liebgewordene Institution geworden“, so der Heider Verwaltungschef. Er spricht eindringlich und mit Nachdruck. Boje-Peter Voss sei für viele kein Unbekannter gewesen. Er sei ein Mann gewesen, der nichts anderes wollte, als für die Menschen und seine Kunden da zu sein. Sein Verlust sei kaum zu fassen.

„Viele Menschen fragen mich jetzt: Ist Heide eine Stadt des Verbrechens geworden?“ Stechers Antwort darauf lautet: „Nein!“ In seiner Ansprache zeigt er das andere Gesicht der Stadt. Neben dem Verbrechen sehe er viel Licht – nicht nur in dem Meer aus Kerzen vor dem Laden. Er spricht mit Blick auf die tags zuvor durch Festnahmen Verdächtiger beendete Brandserie von Solidarität und gesellschaftlichem Engagement. Seine zwölfminütige Ansprache beendet Stecher mit einem Appell: „Machen Sie selber mit bei unseren örtlichen Hilfsorganisationen!“

>Hinweise an die Polizei unter: 04821/602-0.

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