Kellinghusen : Heftige Kritik an Standortwahl

Hier war Walter Vietzen (Mitte) noch guter Dinge: Im Juli 2015 nahmen er und Schülerin Adriana  Mertens den Schulwaldpreis 2015 für das „grüne Klassenzimmer“ von Moritz Graf zu Rantzau von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald entgegen.
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Hier war Walter Vietzen (Mitte) noch guter Dinge: Im Juli 2015 nahmen er und Schülerin Adriana Mertens den Schulwaldpreis 2015 für das „grüne Klassenzimmer“ von Moritz Graf zu Rantzau von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald entgegen.

Ehemaliger Lehrer Walter Vietzen fordert den Erhalt des Schulwaldes, der für einen Schulneubau weichen soll.

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15. April 2018, 11:00 Uhr

„Natur hat keine Lobby“, sagt Walter Vietzen. Mit großer Enttäuschung hat er in unserer Zeitung gelesen, dass für den Neubau der Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe (GmSmO) wohl ein Teil des Schulwaldes weichen muss. Sorge über Flora und Fauna tauge offenbar nur für politische Sonntagsreden. „Aber wenn es tatsächlich um die Sache geht, passiert gar nichts“, sagt Vietzen verbittert.

Ausdrücklich spricht er sich für eine neue und moderne Schule aus. Die Wahl des Standorts hält er jedoch für völlig falsch. Hunderte von Schülern seien im Laufe des letzten Jahrzehnts an der Schule in waldbezogener Umweltbildung unterrichtet worden und erlebten ganzheitliches Lernen im Lebensraum Wald im Rahmen der „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) der UN-Dakade. Diese Mädchen und Jungen, die den Schulwand mit viel Kopf, Herz und Hand und mit großem Vertrauen in die Bedeutung der Waldpädagogik, der Artenvielfalt, und in die Bemühungen um deren Erhalt gestaltet und entwickelten, müssten nun erleben, dass ihre Arbeit zerstört werde. „Damit geht die innere Positionierung der jungen Leute verloren“, sagt Vietzen. Ganz zu schweigen von der Glaubwürdigkeit der Naturpädagogik und der der beteiligten Pädagogen. Denn welcher Stellenwert werde der Schulwaldarbeit beigemessen, wenn ein Bauvorhaben – „zu dem es auch Alternativen gegeben hätte“ – reiche um sie zu zerstören, fragt Vietzen. „Gerade diese Haltung zahlreicher Menschen macht doch der Natur weltweit so viel zu schaffen.“

Pädagogisch gesehen sei die Standortentscheidung grundverkehrt, mache sie doch deutlich, wie wenig die Arbeit der Schüler sowie der Lehrer wert war und ist. Bedauerlich findet der Lehrer, der nach seine Pensionierung als Senior-Experte die lange geleitete Schulwald-Arbeit fortführt, dass niemand aus dem Kollegium in die Vorplanungen mit einbezogen oder über sie informiert wurde. Er fragt sich zudem, ob nach heutiger Rechtslage ein Schulwald überhaupt abgeholzt werden dürfe. „Zumal, wenn es dort gesetzlich geschützte Pflanzen gibt.“ Und: Hätte nicht schon im Vorwege geklärt werden müssen, ob eine derartig große Ersatzfläche (gesetzliche Vorgabe 1,5 Hektar) in fußläufiger Nähe überhaupt vorhanden sei? Überdies müsse der Schulwald ja auch gleich wieder genutzt werden können. Falls das nicht möglich sei, was solle in der Zwischenzeit mit der Waldpädagogik an der GmSmO geschehen?

Denn als die Schule 2013 als MINT-Schule (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaf, Technik) ausgezeichnet und 2016 rezertifiziert wurde, geschah dies auch für die MINT-Aktivitäten. „Praxisnah angelegte naturwissenschaftlich-technische Projekte“. Sprich: Für den Schulwald und dessen Ausbau mit der Errichtung des „Grünen Klassenzimmers“ , der Streuobstwiese – hierfür habe die Schule den Deutschen Schulwaldpreis erhalten – sowie Bienenzucht und Imkerei. „Durch das Abholzen des Schulwaldes entfällt in Zukunft diese Begründung“, unterstreicht Vietzen. Mehr noch stehe zu befürchten, dass mit dem Verlust des Schulwaldes auch die Schulwaldpädagogik verschwinde. Noch setzt Vietzen auf Bemühungen zum Erhalt des Schulwalds. „Hoffnung machen mir die öffentliche Worte von Schulleiter Gerd Christian Thielmann der anlässlich der Verleihung des Landesschulwaldpreises sagte, „Wald tut gut“ und laut Pressemitteilung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) vom 8. Juli 2015 fortfuhr: „Natur als Erholungsraum für die Seele, diesen Raum zu verstehen und schützen zu lernen, sich als Teil des lebendigen Ganzen zu verstehen, all dies vermittelt der Lernort Schulwald“.

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