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Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 11:13 Uhr

Schiffsunfall : Havarie: Reederei feuert Kapitän

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Bergungsaktion dauert mehrere Stunden / Polizei vermutet Alkohol als Unfallursache / Frachtschiff jetzt im Glückstädter Hafen

„Absolut inakzeptabel“ sei das Verhalten des Kapitäns. Deutliche Worte findet der Sprecher der Duisburger Reederei Imperial Shipping über den Schiffführer des vorgestern gestrandeten Binnenschiffs Marlene 2 gegenüber unserer Zeitung: Der Mann habe die restriktiven Alkohol- und Drogenvorgaben des Unternehmens missachtet und werde „definitiv nicht mehr für das Unternehmen fahren“.

Die von Imperial Shipping gecharterte Marlene 2 war vorgestern auf dem Weg von Berlin nach Brunsbüttel auf Höhe des Wewelsflether Ortsteils Hollerwettern frontal in den Schilfgürtel am Elbdeich gefahren. Der Fluss macht dort einen leichten Bogen, der für Schiffe eine Kurskorrektur erfordert. Den richtigen Zeitpunkt dafür hatte der Schiffsführer des elbabwärts laufenden Frachters offensichtlich verpasst und so das 85 Meter lange Schiff auf Grund gesetzt.

Gegenüber eintreffenden Beamten der Wasserschutzpolizei hatte die Besatzung zunächst einen Defekt an der Ruderanlage als Grund für den Unfall angegeben, teilte ein Polizeisprecher mit. Die Polizisten hatten allerdings einen anderen Verdacht und ließen den Kapitän „pusten“. Ergebnis der Messung bei dem 64-Jährigen: 1,3 Promille. Die Beamten ordneten eine Blutprobe an. Dem Kapitän droht nun ein Strafverfahren.

Verletzt wurde laut Polizeiangaben bei dem Unfall niemand. Öl oder Diesel gelangten nicht ins Wasser, so dass keine Gefahr für die Umwelt bestand. Ladung hatte die Marlene 2 nicht an Bord.

In der Nacht zu Freitag wurde der Frachter nach Glückstadt gebracht. Die Bergung war langwierig, gelang aber am Ende problemlos: Zehn Stunden steckte das Binnenschiff in der Böschung am Elbufer, bevor es schließlich befreit wurde. Die beiden Schlepper Hans und Parat der Brunsbütteler Schramm Group zogen den Haveristen gegen 22.45 Uhr aus dem Schlick. Wegen schwieriger Tidenverhältnisse verzögerte sich die weitere Bergung dann erneut, aber kurz nach 1 Uhr am Freitag hatte der Schleppverband den Glückstädter Außenhafen erreicht, wo die Marlene 2 an die Kaimauer auf der Südseite bugsiert wurde.

Dort wurde sie gestern durch Experten auf Schäden untersucht. Laut der Reederei hat das Schiff nach derzeitigen Erkenntnissen durch die Havarie im weichen Elbschlick keine schweren Beschädigung davongetragen. Voraussichtlich heute Mittag wird der Frachter den Hafen in Richtung Hamburg verlassen – unter neuem Kommando.

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