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Rentnerin aus Hohenaspe : Hausnotruf defekt – DRK und Telekom reagieren nicht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Christa Härtel-Smith (82) aus Hohenaspe hatte Probleme mit dem Alarmsystem. Hilfe kam erst spät. Ihr Sohn erhebt Vorwürfe gegen die Netzanbieter.

Hohenaspe | Christa Härtel-Smith lebt mit ihren 82 Jahren noch in ihren eigenen vier Wänden. Sie ist zwar wackelig auf den Beinen, aber ins Altersheim möchte sie noch nicht. Für den Fall, dass ihr etwas passiert, hat sie einen Hausnotruf. „2013 bin ich zuhause umgekippt – ein beginnender Herzinfarkt. 17 Stunden habe ich auf der Erde gelegen bis meine Enkel mich zufällig fanden.“ Seitdem trägt sie die Notrufkette um den Hals. Ihre Lebensversicherung. Aber der Hausnotruf entpuppte sich nun als eine trügerische Sicherheit: Das Gerät funktionierte tagelang nicht.

Der Sender versieht nämlich nur seinen Dienst, wenn die Telefonanlage intakt ist. Drückt Christa Härtel-Smith den Knopf, wird automatisch die Leitstelle des Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Heide alarmiert und per Freisprecheinrichtung kann die Seniorin mit den DRK-Mitarbeitern kommunizieren, die bei Bedarf Hilfe schicken.

Ihr Sohn Bruno Härtel (54) erhebt nun schwere Vorwürfe gegen das DRK und die Deutsche Telekom als zuständiger Netzanbieter. Weder von Seiten der Telekom noch des Roten Kreuzes habe es schnelle Hilfe gegeben, das Problem zu lösen. „Schlimmer noch: Ich rief am vergangenen Sonnabend beim DRK an, wo man mir mitteilte, dass bereits am Donnerstag ein automatischer Testanruf durchgeführt wurde und seit zwei Tagen bekannt sei, dass etwas nicht in Ordnung sei und man den Notrufapparat nicht erreichen konnte. Ich wundere mich, dass man niemanden losgeschickt hat, um die Angelegenheit zu prüfen“, ist Bruno Härtel entsetzt. Auf die Nachfrage, warum niemand kam, habe er keine Antwort bekommen.

Christa Härtel-Smith bemerkte, dass etwas mit dem Hausnotruf nicht stimmte, als sie eine Freudin anrufen wollte. „Ich konnte nicht telefonieren, also ging ich zu den Nachbarn.“ „Keine ungefährliche Angelegenheit. Sie hätte leicht stürzen können“, so Bruno Härtel. Erst die Nachbarn hätten ihn dann informiert, nicht das DRK. Ein Anruf beim Telekom-Störungsdienst mit dem Handy ergab dann, dass eine Störung in der Leitung außerhalb des Hauses vorliegt. In vier Tagen würde ein Techniker kommen. Bruno Härtel: „Vier Tage nichts tun, das geht in so einer Notsituation nicht!“ Aber Härtels Bitte, früher einen Techniker zu schicken, sei bei dem Unternehmen auf taube Ohren gestoßen. „Es sei eben ein Privat- und kein Geschäftsanschluss und werde vorschriftsmäßig in den kommenden Tagen abgearbeitet. Dass in der Zwischenzeit die Gesundheit oder sogar schlimmstenfalls das Leben meiner Mutter in Gefahr sein könnte, interessierte nicht.“ Bruno Härtel bat das DRK um Hilfe, bei der Telekom ein gutes Wort einzulegen, doch schneller einen Mitarbeiter zu schicken. „Das DRK sagte, das sei Sache der Telekom.“

Bruno Härtel ist fassungslos: „Ganz egal, was Richtlinien vorgeben: Es geht hier um Leib und Leben einer Person. Wenn meine Mutter umfällt, einen Herzinfarkt oder ähnliches erleidet, könnte sie sterben, weil die Telekom unabhängig von der Sondersituation meine Mutter als Privatkundin vorschriftsmäßig behandelt und das DRK nicht willens oder in der Lage ist, einer Störung nachzugehen.“

Zu dem konkreten Fall wolle sich das DRK gegenüber dem sh:z nicht äußern, erklärte Ulrike Janssen-Komoß, Leiterin ambulanter Pflegedienst DRK-Kreisverband Steinburg. „Grundsätzlich ist es so, dass wir einen Report bekommen, wenn der Testanruf ergibt, dass mit dem Hausnotruf etwas nicht stimmt. In so einem Fall fährt der Techniker sofort raus, auch am Wochenende. Außerdem werden Bezugspersonen umgehend informiert.“ Das kann Bruno Härtel nicht glauben: „Es war zwischen Donnerstag und Sonnabend kein Techniker da. Und selbst wenn meine Mutter das Klingeln nicht gehört hat, hätte das DRK doch jemanden informieren müssen. Sie hätte ja bewusstlos auf dem Boden liegen können.“

Die Telekom ist sich keiner Schuld bewusst, wie Presseprecher Philipp Blank gegenüber dem sh:z erklärte: „Selbstverständlich werden Kunden mit Handicap automatisch bevorzugt. Das ist auch in diesem Fall geschehen. Aber zunächst muss der Kabelfehler behoben werden. Das braucht einige Zeit, da es nicht immer einfach ist, die genaue Fehlerstelle zu lokalisieren. Nachdem der Schaden im Boden behoben war, ist der Anschluss von Frau Härtel-Smith entstört worden.“

Vier Tage nach dem Christa Härtel-Smith den Vorfall bemerkt hatte, standen Techniker beider Unternehmen bei der Seniorin auf der Matte. Telefon und Hausnotruf funktionieren wieder. Bruno Härtel hofft, dass er die Aufmerksamkeit für solche Notsituationen bei den Unternehmen geschärft hat. „Ein Notruf muss seine Aufgabe erfüllen.

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erstellt am 25.Jun.2016 | 17:56 Uhr

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