Opfer Finden Wohnung : „Hauptsache ein Dach über dem Kopf“

Möbel für neue Wohnung: Derya Kaya (li.) und ihre Nachbarin Huriye Yagmur.
Möbel für neue Wohnung: Derya Kaya (li.) und ihre Nachbarin Huriye Yagmur.

„Psychisch sind wir alle weg“ – wenigstens haben nach der Explosion in Itzehoe Derya Kaya und Familie eine neue Wohnung.

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15. März 2014, 07:00 Uhr

Gerade war Derya Kaya aufgestanden und stand im Bad. Ihr Mann war bei der Arbeit, ihre vier Kinder zu Hause. Plötzlich ein ohrenbetäubender Knall, die Fenster sprangen auf, „eine Welle war zu spüren“. Fensterscheiben flogen. „Ich habe meine Kinder geschnappt und bin raus“, erzählt die 42-Jährige aus der Schützenstraße. Auch die kleineren Kinder aus dem Haus nahm sie mit hinaus auf die Straße.

Das Haus der Familie liegt dem Unglücksort schräg gegenüber, es werde wohl abgerissen, meint Derya Kaya. Die nötigsten Sachen hat die Familie herausgeholt. „Wir sind schnell wieder raus, weil wir Angst hatten“, so eine Angehörige.

Seit 15 Jahren hat auch Kayas Cousin mit Frau und Kindern in der Schützenstraße gewohnt. Sie alle haben zwei Nächte bei Freunden und Verwandten übernachtet und inzwischen durch eigene Bemühungen eine neue Bleibe gefunden. Allerdings sind beide Wohnungen renovierungsbedürftig und leer. „Vieles ist kaputt, eine Küche gibt es nicht“, so die Mutter von vier Kindern im Alter von 15 bis 21 Jahren. „Aber Hauptsache, wir haben ein Dach über dem Kopf.“

Durch die Spendenaktion des Norddeutschen Brummitreffens wurden die Familien schnell mit dem Nötigsten versorgt. Zur Normalität können sie allerdings noch längst nicht zurückkehren. „Psychisch sind wir alle weg“, schilderte Derya Kaya. Sie könne nicht schlafen, ständig habe sie die schrecklichen Bilder vor Augen. Trotz allem ist sie glücklich darüber, dass ihre Angehörigen überlebt haben. Ebenso ihre ehemalige Nachbarin Huriye Yagmur, die in dem explodierten Haus Nummer drei wohnte. „Gott sei Dank sind meine Kinder heil rausgekommen“, so Kaya. „Möbel kann man immer noch ersetzen, aber Leben nicht.“

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