Regionalschule: : Hauptausschuss prüft Umbau statt Neubau

Schulleiter Hans-Peter Stein vor den  2009 als Übergangslösung gedachten Klassencontainen.
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Schulleiter Hans-Peter Stein vor den 2009 als Übergangslösung gedachten Klassencontainen.

Trotz zweier Beschlüsse in der Ratsversammlung wird in Brunsbüttel weiter nach Lösungen gesucht.

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04. Juni 2014, 12:11 Uhr

Kann eine vor über 100 Jahren für eine völlig andere Form des Unterrichts gebaute Schule heute so umgestaltet werden, dass sich ein millionenschwerer Neubau erübrigt? Mit dieser Frage befasst sich heute Abend der Brunsbütteler Hauptausschuss. Trotz zweier von der Ratsversammlung gefasster Beschlüsse zum Neubau der Regionalschule am Bildungszentrum sollen die Architekten des Planungsbüros Petersen Pörksen Partner aus Lübeck noch einmal darlegen, ob sich der Umbau nicht doch rechnet. In einer vergleichbaren Expertise haben sie dies bereits verneint.

Nein zu diesem Vorhaben sagt auch Hans-Peter Stein. Der Leiter der Regionalschule fragt sich, wie moderne, vom Bildungsministerium verlangte Unterrichtskonzepte in dem Altbau umgesetzt werden sollen. Immerhin sei die Schule an der Boistraße für strikten Frontalunterricht ausgelegt. So werde heute kein Lehrstoff mehr vermittelt.

Seit 2006 werde in der Schleusenstadt über die Schule der Zukunft in Brunsbüttel gesprochen, sagt Stein. Als er 2010 an die Boiestraße wechselte, sei er in einen laufenden Prozess geraten. 2011 begannen konkrete Planungen für den Neubau. Doch die Schüler und deren Eltern, die daran beteiligt waren, sind inzwischen nicht mehr da. Stein fürchtet, dass zu viel Zeit verstreicht und das bisherige Miteinander auf der Strecke bleibt. Mehr noch, er fürchtet rückläufige Anmeldezahlen von Fünftklässlern. Die fänden in der Umgebung bessere Bedingungen.

Ganz klar besteht daher aus seiner Sicht dringender Handlungsbedarf: „In einem nicht akzeptablen Gebäude soll guter Unterricht stattfinden.“ Am Rande des Pausenhofs stehen zudem seit 2009 Klassencontainer. Ursprünglich als Zwischenlösung gedacht, gehören die Blechklassenzimmer zwangsläufig längst zum Raumkonzept für die zurzeit 420 Schüler der Regionalschule.

Noch etwas treibt Stein die Sorgenfalten auf die Stirn: In den nächsten Jahren wird die Hälfte des 30-köpfigen Kollegiums altersbedingt ausscheiden. Neue Lehrer für die vergleichsweise miserablen Unterrichtsvoraussetzungen zu finden, werde nicht einfach sein. „Unsere Schule wird nicht zu denen zählen, bei denen man sich vorrangig bewerben wird.“ Schon heute sein es schwierig, Lehramtsanwärter zu finden. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Westküste ohnehin nicht als besonders attraktiv gilt.

Natürlich, sagt Hans-Peter Stein, verstehe er die Bedenken von Ratspolitikern, der verschuldeten Stadt eine Riesenausgabe aufzubürden. Die langfristige Verschuldung durch einen Neubau lasse zu recht zweifeln. Aber der Schulleiter betont: „Ich sehe keine Alternative, wenn man Brunsbüttel als attraktiven Schulstandort gestalten möchte.“

Die von Teilen der Stadtpolitik erhoffte günstige Umgestaltung werde letztlich am Platz scheitern: Der Pausenhof sei schon jetzt zu klein, ein Technikraum fehle. Zudem müssten die Schüler mangels eigener Sporthalle auch weiterhin für den Sportunterricht quer durch die Stadt zum Bildungszentrum marschieren.

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