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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 14:59 Uhr

Lesung : Hannelore wird zu Marlene

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Schauspielerin Hannelore Hoger begeistert die Zuhörer im theater itzehoe mit Briefen und Geschichten von Marlene Dietrich über die Liebe.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2014 | 17:00 Uhr

Itzehoe | Für manchen Besucher war es wohl so etwas wie eine Zeitreise – als säße Marlene Dietrich persönlich auf der Bühne des theater itzehoe. Denn die prominente Schauspielerin Hannelore Hoger las ihre Texte nicht nur, sondern empfand sie intensiv nach. Die Hamburgerin präsentierte dabei eine persönliche Auswahl zum Thema „Briefe und andere Geschichten über die Liebe“ – und zog ihr Publikum in den Bann großer Rezitations- und Interpretationskunst.

Dabei erinnerte Hoger an Marlene Dietrich, deren melancholische Briefe über Einsamkeit und Freundschaft sie zitierte. Mit Briefen von Anais Nin und Paula Modersohn-Becker, kleinen Erzählungen von Alexander Kluge, Loriot und Kurt Tucholsky sowie einem Gedicht und einem Lied umkreiste sie ernst und traurig, humorvoll und schelmisch die intimsten Regungen zwischen Eheleuten, Geliebten, Freunden – und sogar Ungeborenen, wie in Tucholskys politisches Unheil erahnendem „Colloquium in utero“ von 1932.

Senkte Hannelore Hoger bei Marlene Dietrich die Tonlage, so begab sie sich bei Texten von Paula Modersohn-Becker in deren tragischen gescheiterten Versuch, aus der Ehe zu fliehen. Ganz Schauspielerin, holte Hoger die jeweilige Regung schlagartig tief aus dem Inneren, ohne auch nur einen winzigen Moment lang aufgesetzt zu wirken – die Stimme als Verstärker, nicht als Stimmungsmacher.

Das seltene Erlebnis, über einer Lesung die Zeit zu vergessen, einte die Besucher im kleinen Saal des Theaters, der Rezitatorin und Zuhörer nah zueinander brachte. Obwohl sicher nicht jeder Besucher allein freiwillig zu Werken Honoré de Balzacs greifen würde, hauchte die Schauspielerin dessen Erzählung „Die Geliebte des Königs“ 45 Minuten lang so viel Leben ein, dass nicht wenige bei dem bis in den Tod vergeblichen Mühen eines Ehemannes um seine Angeheiratete erschraken.

Die nachfolgenden Auszüge aus einem Sammelband mit Abschiedsbriefen vermittelten unter dem Motto „Ich dachte, es sei Liebe“ kluge Anregungen, die zum Nachlesen animierten. Siegfried Gerlich setzte am Klavier mit Werken von Robert Schumann, George Gershwin und Claude Debussy kongenial die musikalischen Akzente zwischen den Abschnitten der Lesung.

Nach Eva Mattes im vergangenen Jahr und nun Hannelore Hoger scheint sich im Theater eine Reihe zu etablieren, die bei überwiegend weiblichem Publikum großen Anklang findet und auf deren Fortsetzung man gespannt sein darf. Theaterdirektorin Ulrike Schanko versprach einigen begeistert nachfragenden Besuchergruppen, auch für die nächste Saison auf die Suche zu gehen.

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