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Stadtumgestaltung : Handwerk zwischen Wohnhäusern

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Störendes Gewerbe an der Brunsbütteler Straße? Tischler Gunar Wolter wünschst sich, dass sein Betrieb langfristig Bestand haben kann

Gunar Wolter schmeißt seine Maschinen an. Alles, was in seiner Werkstatt Krach machen kann, wie zum Beispiel Hobelmaschine und Fräsen, läuft an. Aus einem leichten Surren wird ein raumfüllendes Gebrumm – und das mitten in der Schleusenstadt, zwischen Wäscherei und Wohnhäusern in der Brunsbüttler Straße.

Die Tischlerei Wolter ist seit über 30 Jahren in dem Mischgebiet ansässig. „Die Maschinenarbeiten sind natürlich laut, aber wir haben die Auflagen der Stadt befolgt und abgedämmt“, betont Gunar Wolter. Er zeigt auf die lange Fensterfront in der Werkstatt, hinter der gleich angrenzend an eine kleine Rasenfläche ein Wohnhaus steht. Hier lebt Peter Alfons mit der Tischlerei in guter Nachbarschaft. Dass trotz doppelter Fensterfront mit Isolierglas viel Lärm aus der Werkstatt nach außen dringt, kann der direkte Nachbar nicht bestätigen. Wirklich laut sei es „nicht so richtig“, sagt er. Die Tischlerei sei eher wie eine Biene. „Sie brummt ab und zu“.


Betriebsumsiedlungen haben ihren Preis


Dennoch könnte die Tischlerei Wolter so wie auch die KfZ-Werkstatt schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite bald zum „störenden Gewerbe“ gehören, das gegebenenfalls umgesiedelt werden könnte. Denn einige Brunsbüttler wünschen sich, dass aus der Oberen Koogstraße/ Brunsbüttler Straße ein Wohngebiet wird, zentrumsnah und ausgelegt für seniorengerechtes Wohnen. Andere dagegen freuen sich darüber, dass sich hier über Jahre ein Standort für mittelständisches Gewerbe gebildet und erhalten hat.

Wolter hält es für ein falsches Signal, wenn eine städtplanerische Umstrukturierung so weit gehen könnte, dass das ansässige Gewerbe in der Brunsbüttler Straße keinen Platz mehr hat. „Ich sehe hier eher das Problem der Geldverteilung“, sagt er und glaubt, die Stadt wolle nur des Geldes wegen ein Projekt zum altersgerechten Wohnen umsetzen, das hier für ihn keine Zukunft hat. „Ich persönlich muss sagen, dass ich mit der Straße zufrieden bin“, erklärt er und zeigt auf die Fassaden, die nach seinem Eindruck in einem vernünftigem Zustand seien. Es gebe nur einen Leerstand hier. Aufwendige Sanierungen könne sich einfach nicht jeder Eigentümer leisten.

Gunar Wolter hat den Betrieb von seinem Vater übernommen, seine Schwester führt das gleichnamige Möbelhaus in der Röntgenstraße. Er wünscht sich, dass auch nach ihm ein Tischler an diesem Standort sein Handwerk ausüben kann. Sieben Angestellte, darunter drei Auszubildende arbeiten derzeit in dem Brunsbüttler Traditionsunternehmen. Vom Fußboden bis zur Decke über Fenster und Türen bishin zum Möbelbau üben Wolters Mitarbeiter das breite Spektrum des Handwerks aus. Auch einfache Arbeiten fallen an, wie der Zuschnitt zum Beispiel für ein Bücherregal. Gerade entstehen hölzerne Brotkästen für die Bäckerei Heuer aus der Kaufhausstraße. An das Holz dafür lässt der Tischler nur Pflanzenöl kommen. „Unsere Kunden sind auch unsere Nachbarn“, erklärt Wolter, und ist überzeugt: „Brunsbüttel arbeitet Hand in Hand.“

Grundsätzlich wäre der Tischler bereit umzusiedeln. Doch er befürchtet in ein Randgebiet der Stadt abgeschoben zu werden, wo es viel weniger Laufkundschaft gibt. „Wenn man uns umsiedeln möchte, gerne – zu einem entsprechendem Preis“, erklärt er. Allerdings zieht er dann in Erwägung seinen Betriebsstandort nach Mitteldithmarschen, eventuell nach Meldorf zu verlagern, wo das Umfeld besser sei. Doch eine Werkstatt nach bisherigem Stand mit eigener Lackiererei und Werkräumen neu aufzubauen, könne schnell an die zwei Millionen Euro verschlingen, überschlägt er das Ausmaß einer solchen Investition.

Stadtplaner Peter Kranzhoff hofft nun, einen Dialog mit den Eigentümern der Oberen Koogstraße/Brunsbüttler Straße herstellen zu können. Seniorengerechtes Wohnen stünde als Thema im Raum, doch: „Es gibt keine Pläne!“, betont er. Über die Köpfe der ansässigen Gewerbetreibenden könne nichts entschieden werden, es müsse im gemeinsamen Austausch eine Lösung und Perspektive sowohl für die Betriebe als auch für das gemeinsame Wohnen gefunden werden.

Im Jetzt-Zustand sieht er einen Kompromiss, der für beide Seiten unglücklich sei: Die Betriebe seien daran gehindert, sich auszuweiten und auch das Ansiedeln weiterer Wohnflächen sei in einem Mischgebiet eingeschränkt, äußert er gegenüber unserer Zeitung und bemerkt, dass das Gewerbe bezogen auf ihre Entwicklungsmöglichkeiten an anderer Stelle möglicherweise besser aufgehoben sei.

Es muss nicht zwangsläufig still werden in den Werkräumen der Tischlerei Wolter. Sollte die Wohngebietsregelung kommen, stehen die ansässigen Betriebe, nach Aussage des Stadtplaners unter Bestandsschutz, einer Art Duldungsrecht, jedoch ohne Möglichkeit auf Weiterentwicklung.

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erstellt am 14.Nov.2014 | 05:00 Uhr

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