Bürgerinitiative : Hamburger Müll bedroht Trinkwasser

Im Schützenheim stimmten135 Bürger für die Gründung der Bürgerinitiative  unter der Leitung von Oliver Will (kleines Foto).
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Im Schützenheim stimmten135 Bürger für die Gründung der Bürgerinitiative unter der Leitung von Oliver Will (kleines Foto).

Protest gegen Mineralstoff-Deponie in Kiesgrube: Schalkholzer gründen einen Initiativ-Verein

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28. Dezember 2014, 16:00 Uhr

Für einen vollen Saal im Schützenheim Schalkholz sorgte eine Vereinsgründung. 135 Gründungsmitglieder kamen zusammen, um sich organisiert gegen die Errichtung einer Mineralstoff-Deponie aufzustellen.

In der dortigen Kiesgrube sollen zukünftig nichtrottende Abfälle aller Art aus Hamburg und Umgebung angefahren und gelagert werden. Die Anwohner fürchten nun um die Natur vor ihrer Tür und einen möglichen Wertverlust der eigenen Grundstücke. Doch ihre erste Sorge betrifft die gesamte Eiderregion: „Die größte Befürchtung ist bei uns das Trinkwasser. Das gesamte Trinkwasser Dithmarschens und Erfde kommt aus einem Trog, den wir hier unter der Erde haben. Die Trinkwasserversorgung für ganz Dithmarschen ist gefährdet“, warnt der Schalkholzer Bürgermeister Manfred Lindemann (CDU) gegenüber unserer Zeitung. Er sieht in der Kiesgrube „eine offene Wunde zum Wasserschutzgebiet“. Doch die Planungshoheit in Sachen Deponie liege nicht bei der Gemeinde sondern beim Land.

Auf die Frage, was für ein Müll aus Hamburg in Schalkholz landen soll, antwortete er: „Alles, was nicht rottet. Das kann theoretisch auch Abbruchmaterial mit Null-Strahlung aus Brunsbüttel Brokdorf sein.“ Er befürchtete, dass scheinbar unbedenkliches Material, wie Hafenschlick mit tatsächlich jedoch hoher Belastung über die Autobahn und Kreisstraßen quer durch Dithmarschen schließlich in Schalkholz landen könnte. „Eine Mineralsstoff-Deponie? Am Ende reden wir über Schadstoffe“, betonte auch Oliver Will. Der 47-jährige Schalkholzer Familienvater moderierte die Versammlung und wurde schließlich zum Vorsitzenden des neu gegründeten Vereins „Bürger in Aktion für eine lebenswerte Eiderregion“ (BIA) gewählt. Nachdem das Thema Mitte November bei einer Einwohnerversammlung mitgeteilt wurde, sei ihm klar geworden: „Wir können nicht die Hände in den Schoß legen. Jetzt ist Zeit zum Handeln.“ Bereits am ersten Advent habe man sich mit 30 Mitstreitern getroffen und Arbeitsgruppen gebildet. Die erste Aktion werde eine breit angelegte Unterschriftenaktion sein, „um Straße um Straße zu gewinnen“, so Oliver Will.

Auch die Zusammenarbeit mit der Initiative „Wir sind Dithmarschen“ wurde bereits gesucht. Der Bürgerverein konnte seiner Zeit die Kreisgebietsreform mit Plänen zur Zusammenlegung der Kreise erfolgreich abwenden. Vorsitzender Oliver Kumbartzky (FDP) sicherte den Schalkholzern auf dem Weihnachtstreffen der Initiative „Wir sind Dithmarschen“ bereits seine Unterstützung zu.

Mutmachende Worte fand auch der Kreisnaturschutzbeauftragter Walter Denker. „Ich stehe voll an ihrer Seite“, erklärte er und verwies neben der Trinkwasser-Problematik auch auf die Bedeutung der Kiesgrube als Lebensraum. Zwei europarechtlich geschützte Tierarten seien dort beheimatet: Eine unscheinbar kleine Kröte und eine grün geschuppte Eidechsenart. Durch die Gesetzgebung sei das Land angehalten, alles zum Erhalt dieser Tierarten zu tun. „In Schalkholz ist ein großes Loch, da geht es rein. Das ist eine Sache, die man in Dithmarschen nicht ohne weiteres mit sich machen lässt“, zeigte er sich Kampf bereit.

Als „Wut-Bürger“ wollen die Schalkholzer jedoch nicht auftreten, sondern mit sachlicher Argumentation, betonte Ingeborg Petersen, die innerhalb der Initiative für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Bürgermeister Lindemann hofft, dass der Bausstoffkonzern Holcim und das Hamburger Entsorgungsunternehmen Dörner in Sachen Mineralstoff-Deponie nicht gegen die Bürger, sondern mit ihnen arbeiten werden.

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