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Rückkehr aus New York : Hallo Brunsbüttel: Museumsschiff „Peking“ ist zurück

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Die letzte Fahrt über den Atlantik absolvierte der marode Großsegler huckepack. Auf eigenem Kiel wird das Museumsschiff nie mehr segeln können.

Brunsbüttel | Als Festmacher die armdicken Leinen über die Poller am Kai legen, tanzten einen kurzen Moment Sonnenstrahlen auf dem Wasser: Nach 85 Jahren in der Fremde ist die historische Viermastbark „Peking“ in ihrer alten Heimat zurück. Am Sonntag erreichte der Großsegler die Elbmündung. Die Schiffs-Diva reiste jedoch nicht auf eigenem Kiel. Die Bark ist so verrostet, dass sie ihre vermutlich letzte Reise mit dem Heck voran huckepack auf dem Dockschiff „Combi Dock“ antreten musste.

Mit der Rückholaktion nimmt ein schon verloren geglaubter Kampf um ein Stück schwimmender Hamburger Hafengeschichte doch noch ein gutes Ende. Schon vor vier Jahren hatten Schifffahrtsfreunde aus der Hansestadt versucht, die historische Viermastbark von New York an die Elbe zurückzuholen, waren aber am fehlenden Geld gescheitert. Im November 2015 bahnte sich dann die Sensation an: Da wurde klar, die „Peking“ kommt zurück in die Heimat.

„Ich bin irgendwie glücklich“, sagte Aleandre Poirier von der Stiftung Hamburg Maritim. „Es trennen sie nur noch zwei, drei Zentimeter Stahlblech von der Elbe, dann hat sie endlich wieder Elbwasser unter dem Kiel.“ Das Ausladen der „Peking“ im Brunsbütteler Elbehafen ist für Mittwoch (2. August) geplant. Bevor der Frachtsegler tatsächlich in seinen ehemaligen Heimathafen Hamburg zurückkehrt, soll er zunächst auf der Peters-Werft in Wewelsfleth restauriert werden.

Die „Peking“ lief am 20. September 1911 auf der Hamburger Werft Blohm+Voss vom Stapel. „de Hamborger Veermaster“ besaß einen aus Stahlplaten genieteten Rumpf mit Masten, die sich bis zu 51 Meter über das Deck erhoben. 34 Segel mit einer Gesamtfläche von 4100 Quadratmetern pressten die Bark mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 17 Knoten (rund 31 km/h) über den Atlantik. Zum Vergleich: Die Höchstgeschwindigkeit der „Combi Dock“ liegt nur bei 16 Knoten - entsprechend knapp 30 Stundenkilometer.

Mit einer Besatzung von rund 30 Seeleuten wurde der 115 Meter lange Großsegler zunächst als Frachtschiff für den Salpeterhandel mit Chile eingesetzt. Rund 4700 Tonnen konnten in den Laderäumen unter Deck verstaut werden. Die letzte Reise des Viermasters unter der Flagge der Hamburger Traditionsreederei F. Laeisz nach Chile war 1931/1932. Danach wurde die „Peking“ unter anderem als stationäres Ausbildungsschiff genutzt, bevor sie mehr als 40 Jahre an Pier 16 am South Street Seaport Museum in Manhattan nahe der Brooklyn Bridge lag.

Am 19. Juli verließ „de Hamborger Veermaster“ im Bauch des Dockschiffs die New Yorker Bucht. Wegen des schlechten Wetters auf dem Atlantik fuhr „Combi Dock“ nur langsam. Damit sollten die Schiffsbewegungen minimiert und die Belastungen für den historischen „Flying-P-Liner“ gering gehalten werden.

In der Peters-Werft kommt die „Peking“ ins Trockendock. Die Experten sollen den von Rost zerfressenen Frachtsegler in den Zustand von 1927 versetzen - samt Holzdeck und den ursprünglichen Laderäumen, in denen Salpeter und Schüttgut gesegelt wurde. Auch das Unterwasser-Schiff muss nachgebaut werden, wenn die „Peking“ wie erhofft zum Wahrzeichen des Deutschen Hafenmuseums in Hamburg werden soll. 26 Millionen Euro sind von den insgesamt 120 Millionen Euro aus Bundesmitteln für die Rückholung und Restaurierung eingeplant.

Die Restaurierungsarbeiten werden voraussichtlich bis 2020 dauern. Die „Peking“ soll dann zum Wahrzeichen des Deutschen Hafenmuseums in Hamburg werden. Ihren letzten Liegeplatz soll die „Peking“ voraussichtlich an den 50er Schuppen am Hansahafen gegenüber der Elbphilharmonie bekommen. Nach Angaben der Stiftung Hamburg Maritim wird sie nie mehr auf eigenem Kiel segeln können. Der Deutsche Wetterdienst will die Jungfernfahrt der „Peking“ von 1911 anhand historischer meteorologischer Schiffsjournale nachzeichnen.

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erstellt am 30.Jul.2017 | 17:33 Uhr

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