Halfmann - Erkenntnisse über einen Ex-Bischof

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17. Februar 2009, 07:27 Uhr

Itzehoe | Bald ist Richtfest für den Anbau der Kirchenkreisverwaltung am Holzkamp. Ein freudiger Moment. Doch ein delikater geht damit einher: Das Verwaltungsgebäude verliert den Namen Wilhelm-Halfmann-Haus, der Schriftzug wird abgenommen. So hatte es Propst Dr. Thomas Bergemann entschieden. Richtig so, finden zwei Zehntklässler von der Ludwig-Meyn-Schule in Uetersen, die mit ihrer Arbeit dafür verantwortlich waren.

Isabelle Tiburski (15) und Marek Ehlers (16) nehmen am aktuellen Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten unter dem Motto "Helden: verehrt - verkannt - vergessen" teil. In diesem Rahmen entsteht ihre Arbeit über Wilhelm Halfmann, den früheren Bischof für Holstein. Dabei gehe es um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Geschichte, aber auch um die
Erinnerungskultur, sagt ihr Lehrer Dr. Sönke Zankel (35), der an der Kaiser-Karl-Schule Abitur machte und selbst schon zu Halfmann publiziert hat.
Sein Ziel: Schüler wie Isabelle, die am Hochbegabtenprogramm teilnimmt, zu fordern und zu fördern.

Die Zehntklässler sammelten Einschätzungen von Menschen, die sich mit Halfmann beschäftigen oder in der Itzehoer Kirchengemeinde lange aktiv waren. Geantwortet hat ihnen allerdings kaum jemand. Und sie widmeten sich besonders seiner Schrift "Die Kirche und der Jude" (1936). Dabei hätten sie, so Isabelle, viele Übereinstimmungen gefunden mit der Schrift "Wird der Jude über uns siegen?", die der als Antisemit bekannte Professor Adolf Schlatter im Jahr 1935 verfasst habe. "Es ist erstaunlich, dass Halfmann von Schlatter abgeschrieben hat." Immer verallgemeinere er und spreche von "dem Juden" und meine damit alle Juden. Alte christliche Irrtümer, wie den angeblichen Mord der Juden an Jesus, fänden sich in der Schrift.

Selbst in den 60-er Jahren habe Halfmann seine Schrift aus dem Jahr 1936 noch theologisch als zutreffend angesehen, stellten die Schüler fest. Den Mord an den Juden hätte er nie gefordert, betont Sönke Zankel. Aber er symbolisiere das theologische Problem der Christen mit den Juden.
Die "christlich-jüdische Verbrüderung unter Eliminierung der Theologie" habe Halfmann selbst lange nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mitmachen wollen, sagt Zankel. "Zeit seines Lebens blieb er in diesen Denkstrukturen verhaftet." Im Übrigen sei Halfmann von 1933 bis 1936 "Förderndes Mitglied der SS" gewesen, bis er wegen seiner Schrift Schwierigkeiten bekam. Er habe versucht, die Kirche zu schützen, aber auf Kosten der am stärksten Verfolgten: der Juden. Von einem "aufrechten Mann" könne da keine Rede sein.

Ihre Erkenntnisse schickten die Schüler an Propst Bergemann. Der ließ sie prüfen, dann kam die Antwort. Isabelles Urteil: "Es ist richtig, dass das Namensschild runtergenommen wird."

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