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„Hair“: Mitreißender Aufstand gegen das Establishment

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Unbequem setzt diese Inszenierung des Musicals „Hair“ ein: Das Saallicht im theater itzehoe flackert, ohrenbetäubender Lärm, als flöge ein Hubschrauber durch das Theater, dann Schüsse. Dazu die bunten Hippies auf der Bühne, die, locker tanzend, ein neues Zeitalter besingen („Aquarius“), das den Krieg verdammt. „Make love, not war!“ Diese Floskel der eigenen blumenumrankten Vergangenheit mag da so manchem älteren Besuchern im voll besetzten Haus durch den Kopf gegangen sein.

Vor fast 45 Jahren trat dieses Musical von Jerome Ragni und James Rado (Musik von Galt McDermott) seinen Siegeszug um die Welt an. Es verlieh dem Aufstand gegen das Establishment und dem Programm einer neuen gewaltlosen Gesellschaft die Musik.

Freiheit hieß das Schlagwort, Drogenkonsum wurde als Akt individueller Selbstverwirklichung gerechtfertigt, „Sex and Drugs“ lautete das Programm. Militär: unmöglich! Denn: „Ich will mein Haar nicht vom Stahlhelm frisieren lassen!“

Katja Buhls Inszenierung (Theater für Niedersachsen aus Hildesheim) greift diese Grundideen auf, ohne einen zu starken Akzent auf sie zu setzen. Das Scheitern der Hippie-Bewegung wird im Schlussbild als unausweichlich und deswegen tragisch gezeigt. Die Inszenierung überzeugt aber nicht wegen der gedanklichen Auseinandersetzung mit einer gesellschaftlichen Bewegung des letzten Jahrhunderts. Vielmehr lebt sie (wenn auch an manchen Stellen zu laut) von ihrer mitreißenden Dynamik, den Farben, den Tanzszenen, den aktualisierenden Gags und der nimmermüden Jugendlichkeit des hervorragend singenden Ensembles.


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erstellt am 01.Nov.2013 | 00:33 Uhr

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