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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 07:17 Uhr

Haftstrafen für zwei Räuber

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Staatsanwalt hatte fünf Jahre gefordert, Verteidiger eine Bewährungsstrafe

von
erstellt am 11.Apr.2016 | 16:28 Uhr

Ihre Freundinnen brachen bei der Urteilsverkündung in Tränen aus: Die beiden 21 und 22 Jahre alten Männer müssen für ihren Überfall auf eine Tankstelle in Wilster mit mehrjährigen Haftstrafen büßen. Der Jüngere aus Dammfleth muss für zwei Jahre und zehn Monate hinter Gitter, sein ein Jahre älterer Kumpel aus Lohbarbek sogar für drei Jahre. Dabei ist das Duo fast noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Der Staatsanwalt hatte sogar fünf Jahre Gefängnis gefordert.

Die beiden Männer hatten im vergangenen November in den Abendstunden den Verkaufsraum der Tankstelle in der Neuen Burger Straße betreten – ausgestattet mit Handschuhen, selbstgebastelten Masken, einem Beil im Rucksack und einer – allerdings nicht geladenen – Softairpistole. Von der 25 Jahre alten Angestellten forderten sie die Herausgabe des Kasseninhalts. Nebenbei packten sie noch Tabakwaren im Wert von rund 250 Euro in den Rucksack. Dann verschwanden sie zunächst unerkannt mit einem wenige hundert Meter entfernt stehenden Fluchtfahrzeug. Eine Polizeistreife konnte die beiden Räuber aber schon wenig später in der Itzehoer Gasstraße stoppen. Sie waren auf dem Weg nach Hohenlockstedt, wo sie sich von einem Teil der Beute – insgesamt waren es 608 Euro – mit Cannabis eindecken und in einer dortigen Spielhalle ihr Glück versuchen wollten.

Die beiden waren seit ihrer Schulzeit Freunde, haben einen ähnlichen Lebenslauf. Scheidungskinder, Schulabbruch, vorzeitige Beendigung von Lehren. Zuletzt standen sie vor dem Jugendrichter – wegen 17-fachen gemeinschaftlichen Diebstahls. Dafür hatte es eine dringende Ermahnung gegeben.

Diesmal: schwerer Raub und schwere räuberische Erpressung. Das Gesetz sieht für einen solchen Fall ein Strafmaß von 5 bis 15 Jahren vor. Es sei denn, es handelt sich um einen minderschweren Fall. Dafür konnte die Staatsanwaltschaft allerdings wenig Anhaltspunkte finden. Die Tat sei geplant und gut vorbereitet gewesen. Die Angestellte bei einem Schlag mit der Waffe auf die Hand sogar noch leicht verletzt worden. Für die Angeklagten spreche zwar ein frühes und umfassendes Geständnis. Auch hätten sich beide, zuletzt während der Verhandlung, bei ihrem Opfer entschuldigt. Die als Motiv genannte finanzielle Not ließ der Staatsanwalt aber auf keinen Fall gelten. „Ich würde auch gerne einen Maserati fahren, kann mir dies aber nicht leisten“, meinte der Sprecher mit Hinweis darauf, dass der Lohbarbeker zwar nur vom Kindergeld und der Unterhaltszahlung des Vaters (350 Euro) lebe, aber mit monatlich 302 Euro ein Motorrad finanziere. Der in weiten Teilen durch die Videoüberwachung aufgezeichnete Überfall beweise aber nicht zuletzt wegen der umfangreichen Vorarbeiten ein Maß von krimineller Energie, die selbst bei bestem Willen nicht mehr als minderschwer einzustufen sei.

Die Verteidiger sahen das ganz anderes. Der Überfall selbst war zwar unstrittig. Anwalt Peter Wiebensohn verwies aber auf die „ausgesprochen dürftigen finanziellen Verhältnisse“. Vor allem meinte er: „Der Hergang der Tat trug nicht die Handschrift von Profis.“ Letztlich habe sein Lohbarbeker Mandat auch eingesehen, dass „es eine verdammte Eselei war“.

Auch Rechtsanwalt Christian Lange wollte den Überfall an sich „gar nicht kleinreden“. Den beiden Delinquenten billigte er aber ein „gewisses Maß an Naivität“ zu. Auf keinen Fall seien sie mit „hemmungslosen, brutalen und gewaltbereiten Tätern, die man sonst hier sieht, zu vergleichen“. Lange bat darum, seinem Mandaten mit einer zu hohen Strafe nicht alle Türen zuzuschlagen. Beide Verteidiger plädierten für jeweils zwei Jahre Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollten.

Für die Kammer am Landgericht blieb es am Ende „ein klassischer Raub“. Dass das Duo nicht die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekam, verdankt es letztlich dem Umstand, dass es den Richtern nicht den Eindruck einer altersgemäßen Reife vermitteln konnte. Anerkannt wurde auch, dass beide seit dem Überfall keine Drogen mehr genommen hätten und sich – in einem Fall erfolgreich – um Arbeit bemühten. „Geplant, mit Waffen und maskiert“, schloss der Vorsitzende Richter. „Dafür ist eine Bewährungsstrafe einfach nicht drin.“

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