Armutskriminalität : Haftstrafe für räuberische Erpressung

Das Landgericht in Itzehoe.
Das Landgericht in Itzehoe.

30-Jähriger mit Drogenproblem erbeutete gewaltsam Handy und Portemonnaie

shz.de von
14. Januar 2015, 17:00 Uhr

Ein Fall von Armutskriminalität beschäftigte kürzlich die Große Strafkammer am Itzehoer Landgericht. Am Ende verurteilte Richter Klaus Emmermann den wegen schwerer räuberischer Erpressung, Raub und Drogenbesitz angeklagten Glückstädter (30) zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft. Außerdem ordnete die Kammer die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Zwei der drei Taten, die Staatsanwalt Sebastian Fehr dem drogenkranken Mann vorwarf, ereigneten sich in der Glückstädter Obdachlosenunterkunft. Schwere räuberische Erpressung, räuberischer Diebstahl, und Drogenbesitz lauteten die Tatvorwürfe. Es ging um ein Handy im Wert von 200 Euro, ein Portemonnaie mit 60 Euro und 17 Gramm Marihuana. Die beiden Raubtaten in der Notunterkunft ereigneten sich im Juni 2013 und im September 2014.


Unter vorgehaltenem Messer Handy abgeknüpft


Opfer der ersten Tat ist ein psychisch kranker 24-Jähriger, der im September 2014 selbst vor dem Landgericht stand und damals von Richter Emmermann wegen 16 Taten von Ladendiebstahl bis hin zu Brandstiftung zu 25 Monaten Gefängnis abgeurteilt wurde. Weit härter als die Haft aber trifft den 24-Jährigen die dauerhafte Unterbringung im psychiatrischen Landeskrankenhaus Neustadt.

Wie schon zu seinem eigenen Prozess begleiteten den groß gewachsenen Mann zwei Wärter, die ihn in Handschellen vorführten. Des Weiteren saßen vier Wärter seitens des Gerichts mit im Saal, zwei in Griffweite des jetzt als Zeugen gehörten 24-Jährigen, zwei zur Sicherung des in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten.

Im Juni 2013 war der 24-Jährige neu in die Notunterkunft aufgenommen worden, der 30-jährige Angeklagte wohnte bereits dort. Der 24-Jährige hatte gerade ein neues Handy für über 200 Euro erworben. Er zeigte es dem 30-Jährigen. „Da bin ich vielleicht auf die dumme Idee gekommen, ihm das Handy abnehmen zu wollen“, erinnerte sich der Angeklagte vor Gericht an diese Tat.

Er hielt dem Jüngeren damals ein Fischmesser vor und presste ihm so das neue Handy ab, welches er anschließend für hundert Euro seiner eigenen Mutter verkaufte. Das Geld setzte er in Drogen um.


Portemonnaie mit 60 Euro erbeutet


Auch ein Jahr später hatte sich an der desolaten Lebenssituation des 30-Jährigen nichts geändert. Immer noch kiffte er täglich, hungerte, lebte von 280 Euro Hartz-IV und dem Sammeln von Pfandflaschen.

Im August 2014 ging er einen 75-jährigen Bewohner in der Notunterkunft an, rangelte mit dem alten Mann und nahm ihm dabei dessen Portemonnaie mit 60 Euro ab. Zwei Handwerker versperrten den Fluchtweg, daraufhin warf der Angeklagte das Portemonnaie samt Inhalt auf die Straße. Seither plagt den Senior eine Riesenangst vor einer möglichen Rückkehr des Angeklagten, wie der 75-Jährige wiederholt dem Gericht erzählte. Der 30-Jährige entschuldigte sich bei dem alten Mann und versprach, nicht mehr nach Glückstadt zurückzukehren.


17 Gramm Marihuana sichergestellt


Am 15.August 2014 war der Angeklagte nach Itzehoe gefahren um Marihuana zu kaufen. Mit 17 Gramm Marihuana im Rucksack wartete er um 22.35 Uhr auf den Zug zurück nach Glückstadt, als ihn die Bundespolizei kontrollierte, die die Drogen fand und sicherstellte. Vor Gericht gab der 30-Jährige alle drei vorgeworfenen Taten unumwunden zu. Er wolle eine Therapie machen und Kontakt zu seinen beiden elfjährigen Töchtern aufbauen.


Angeklagter bereits als Jugendlicher auffällig


Was eine zerrüttete Familie ist, weiß der Angeklagte aus seinem eigenen Leben. Mit der Wende im Jahr 1989 zog er mit Mutter und Stiefvater aus der ehemaligen DDR nach Glückstadt. In der Schule tat er sich schwer. Es gab Aufenthalte in der Jugendpsychiatrie. Mit 17 Jahren schafft er lediglich den Förderschulabschluss. Damals nahm er bereits Drogen und beging Diebstähle. Es folgten Hilfsarbeiterjobs, begleitet von immer neuen Verurteilungen auf dem Feld der Kleinkriminalität. Auch Hafterfahrung besitzt der 30-Jährige.

Seit Ende September sitzt er nun in Untersuchungshaft. Die wird ihm auf die ausgeworfene Strafe angerechnet. Gutachter Professor Dr. Arno Deister attestierte dem Mann volle Schuldfähigkeit, aber auch ein massives Drogenproblem, weshalb Deister die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt empfahl. Bei einem Therapieerfolg würde die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt.

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