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Kultur : Hafen-Romantik mit melancholischen Seemannsliedern

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Sammy Semtner singt Texte von Hans Leip im Detlefsen-Museum

Bei einer Haushaltsauflösung fand Sammy Semtner vor drei Jahren einen Gedichtband von Arnold Petersen. Darin entdeckte er auf der ersten Seite ein Gedicht von Hans Leip, „Blankenese“. Der Text ließ den 71-jährigen Hamburger Musiker und Liedermacher nicht mehr los. Im Detlefsen-Museum sang und rezitierte der Künstler jetzt Werke des Hamburger Schriftstellers, Dichters und Malers Hans Leip (1893-1983).

Leip schrieb eine Vielzahl von Gedichten, von denen er einige selbst vertonte. Teilweise komponierte Semtner selbst passende Melodien dazu. Mit seiner Gitarre und seiner gefühlvollen Seemanns-Stimme begeisterte er das Publikum. Sein musikalischer Partner, Andreas Cisek, ein Mitglied der Gruppe „Truck Stop“, begleitete ihn mit Gesang und Gitarre. In loser Reihenfolge sangen und spielten die beiden mal lustig, mal keck und manchmal melancholisch die vertonten Gedichte. Das Gedicht „Muschemusch“, leicht anrüchig, hatte Semtner inspiriert, gefühlvolle Töne zu komponieren.


Semtner pfeift wie ein Seemann


Der Dichter Hans Leip liebte St. Pauli und das Hafen-Milieu. Die Seefahrt stellt er leicht romantisiert dar. Einige seiner Lieder wie „Die Brücke Tuledu“ oder „Als Jimmy Jim zum Tanzen ging“ sang oder pfiff Semtner gekonnt seemännisch. Der Künstler ermunterte das Publikum mitzusingen: „Falado, o Falado. Wer seilt mit nach Falado? Jeder sucht es, keiner fand Falado, das Wunderland. Ein Mast ho, zwei Mast ho, Dreimast seilt nach Falado.“ Dieses Lied wurde die Erkennungsmelodie der christlichen Pfadfinderjugend, gegründet von Lord Baden-Powell 1907.


Später Erfolg für „Lilly Marleen“


Den melancholischen Text „Lilly Marleen“ (Lilli und Marleen) schrieb Leip bereits 1915. Aber erst 1937 nahm er ihn in den Gedichtband „Die kleine Hafenorgel“ auf. Norbert Schulze vertonte ihn. Lale Anderson interpretierte das Lied später. Lange Zeit wollte kein Verleger das Stück herausbringen. Von einer schließlich mit Lale Andersen aufgenommenen Platte konnten nur 700 Exemplare verkauft werden. Erst im Sommer 1941 tauchte das Lied wieder auf, als der Leiter eines von den deutschen Besatzungstruppen in Belgrad eingerichteten Senders nach Unterhaltungsmusik suchte. Darunter war auch die „Lilly Marleen“-Aufnahme, die Radio Belgrad erstmals am 18. August 1941 spielte.

Hans Leip pflegte eine Männerfreundschaft zu Karl Leipold, einem kauzigen aber genialen Maler. Oft besuchte er ihn in dem ehemaligen dänischen Zollamt Störort in Ivenfleth. Die Schiffe, das Meer, die Ferne, die Heimat, die Sehnsucht und die Kunst – das waren die Stoffe für ihre Verbindung.

Semtner gelang es, ein verklärtes „Damals“ kurzweilig, amüsant und mit anschaulichen Worten zu zelebrieren. Das Publikum bedankte sich mit anhaltendem Applaus.

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