Wassersport : Hafen kämpft gegen Schlick

Erklärt den Politikern das Problem der Verschlickung: Ludger Walterbusch (Mitte). Aufmerksame Zuhörer sind (v.l.) Bernd Voss, Mark Helfrich, Lothar Schramm und Peter Mohr.
Erklärt den Politikern das Problem der Verschlickung: Ludger Walterbusch (Mitte). Aufmerksame Zuhörer sind (v.l.) Bernd Voss, Mark Helfrich, Lothar Schramm und Peter Mohr.

Feier zum 40-jährigen Bestehen des Yachthafens: Politiker sichern Borsflether Sportbootfahrern Unterstützung zu.

shz.de von
22. Mai 2018, 05:00 Uhr

„Paradiesisch, idyllisch, beeindruckend, ein naturbelassenes Refugium, ein Kleinod für die Gemeinde mit überregionaler Strahlkraft.“ So beschrieben die Festredner den kleinen Yachthafen an der Störmündung. Zur Jubiläumsfeier wurde an die Anfänge vor über 40 Jahren erinnert, aber auch über die Probleme und die Zukunft gesprochen. „Es lohnt sich, dieses Plätzchen Erde aufrecht zu erhalten. Aber jeder Tag ist ein neuer Krimi, den ich mit Spannung und auch Freude bestehe“, beschrieb Ludger Walterbusch seine Arbeit als Vorsitzer des Sportschipper-Vereins Borsfleth.

Der Anlass für die Anlage des Hafens in unmittelbarer Nähe zur Elbe war der Bau des Störsperrwerkes 1976. Das Bauwerk wurde im Land der nördlichen Störseite errichtet und der Fluss anschließend umgelenkt. Durch diese Verschwenkung ergab sich im alten Flusslauf ein Sackgassenarm. Sportschipper aus Borsfleth, die ihr Boot bis dahin im Ortskern an der Schleuse der Krempau zur Stör liegen hatten, sahen die Chance zur Anlage eines größeren Hafens in Elbnähe und setzten Dalben ein, um ihre Boote dort zu befestigen.

Ludger Walterbusch beschrieb die Probleme der Anfänge: „Da stand dann schnell die Polizei vor der Tür und verlangte das Entfernen der wild angelegten Pfähle.“ Bis 1978 dauerte es, dann genehmigten die Behörden den Hafen offiziell. Betreiber war die Yachthafengemeinschaft Borsfleth, die aus den Segelvereinen Itzehoe, Wilster, Glückstadt und Borsfleth bestand. „Der langjährige Vorsitzende Fritz-Dieter Möller hat sich dabei besonders engagiert“, so Walterbusch.

Die Segelvereine aus Wilster, Itzehoe und Glückstadt betreiben inzwischen ihre eigenen Liegeplätze, sodass nur noch Borsfleth für die Unterhaltung des Yachthafens mit seinen 100 Liegeplätzen zuständig ist. Die Lage im Seitenarm der Stör vor dem Sperrwerk ist zunehmend zum Problem geworden. Das weiß auch Borsfleths Bürgermeister Peter Mohr: „Durch die Elbvertiefung verschlickt der Hafen immer schneller und muss inzwischen jährlich ausgebaggert werden. Das ist für den Verein ohne fremde Hilfe nicht mehr zu leisten. Wir brauchen die Unterstützung der Politik für eine langfristige Lösung. Es müssen jetzt Nägel mit Köpfen gemacht werden.“

Diese Forderung stieß bei den geladenen Politikern von Kreis, Land und Bund auf offene Ohren. Bundestagsabgeordneter Mark Helfrich (CDU): „Ich weiß, der Verkehr muss fließen, und das wird hier zunehmend problematisch. Ich bin zwar für die Elbvertiefung, aber die Nebenwirkungen dürfen nicht bei den Betroffenen hängenbleiben.“ Er sprach von der Differenz zwischen Theorie und Praxis. Was bei den Modellrechnungen funktioniere, zeige in Wirklichkeit teilweise andere Folgen. „Der aufgelegte Schlickfonds nach der nächsten Elbvertiefung mit dem wenigen Geld ist jedenfalls keine Lösung. Der Durchstich zur Stör ist was Kreatives, was nachhaltig funktionieren kann. Ich werde Sie dabei unterstützen.“

Auch für den Landtagsabgeordneten Bernd Voss (Grüne) ist der Schlickfonds keine Lösung: „Maximal 30 Prozent der Kosten werden davon als Zuschuss gegeben. Betroffen sind 80 Sportboothäfen, das deckt niemals die tatsächlichen Folgekosten ab. Die Hamburger meinen, mit ihrer Pfeffersackmentalität die Elbe wie selbstverständlich vertiefen zu können.“

Lothar Schramm, Kreisvorsitzender der SPD, kann sich noch persönlich an den Bau des Störsperrwerks erinnern: „Um für mein Studium Geld zu verdienen, habe ich beim Abriss eines Bauernhofes geholfen, der für den Ausbau weichen musste.“ Sein Rat: „Zusammen mit den Highlights der Region sollten wir ein Netzwerk für den Tourismus entwickeln.“

Andreas Völker vom Hamburger Segelverband erinnerte an die Entwicklung des Segelsports in den 1960er und 1970er-Jahre zum Volkssport. „Wir waren froh, als der Hafen ausgebaut wurde, um einen weiteren Anlaufpunkt in unserem Segelrevier der Unterelbe zu haben.“

Uwe Hanse, Kreisvorsitzender im Segelverband Schleswig-Holstein: „Borsfleth liegt auf halber Strecke zwischen Hamburg und Cuxhaven und ist jeweils in einer Tide zu erreichen. Der Segelverband wird zusammen mit der Vereinigung Nedderelv für den Erhalt des Hafens kämpfen.“

Der Hafengeburtstag wurde mit einem Feldgottesdienst durch Pastorin Gabriele Schinkel eröffnet, am Nachmittag konnten die Gäste beim Piratenfest einen geselligen Tag verleben.


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