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Häusliche Gewalt ist allgegenwärtig – ein fiktives Fallbeispiel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 09.Mär.2015 | 17:25 Uhr

Die Gemeinschaftsschule Wilster informierte kürzlich die Schüler darüber, was genau Gewalt ist und ab wann man von Gewalt sprechen kann.

Gewalt kann verbal (mit Worten) sein, aber meistens versteht man darunter, dass eine oder mehrere Personen verletzt werden, beispielsweise durch Schlagen. Die Schüler aus dem Wahlpflichtunterricht sollten dabei helfen, Gewalt zu erklären und Plakate und Informationen interessant zu gestalten, um Interessenten, wie Erziehungsberechtigte, Schülern und Grundschülern, aufzuklären und darauf hinzuweisen. Viele Schüler haben sich zahlreiche interessante Sachen ausgedacht und in diesem Zuge ist die folgende - frei erfundene - Geschichte entstanden:

Der Vater trinkt jeden Tag und wird Bier für Bier aggressiver. Man bekommt Angst. Was soll man tun, damit der Vater nicht ausrastet? Die Frage ist doch eher, was soll man NICHT tun?

Man bekommt mit, wie der Vater jeden Tag mindestens sechs Bier trinkt und ihn nichts mehr interessiert. Er bekommt gar nicht mit, wie er dadurch immer mehr seine Familie verliert, man könnte meinen, dass er seine Gehirnzellen schon durch den Alkoholgenuss ruiniert hat. Man darf kein falsches Wort zu ihm sagen, wenn er beim dritten Bier ist, weil er dann sauer wird und schreit. Du musst dir vorstellen, wie blöd es für dich sein würde, wenn dieser Mann dein Vater oder Ehemann ist, man weiß wie sein Tagesablauf ist, Tag für Tag.

Wenn er bei dem 6. Bier ist oder schon mehr getrunken hat, wird er aggressiv. Man sollte mit ihm kein Wort sprechen, weil man dann aufpassen muss. Sagt man ihm: „Es reicht, hör auf!“, dann fängt er an zu schreien, gibt jedem die Schuld, dass er so ist wie er ist und wenn es ganz schlimm wird, dann schubst, schlägt, würgt oder droht er.

Einmal an Weihnachten war er so sauer, dass er seine ältere Tochter gegen einen Pfosten im Haus schubste und sie sich fast zwei Rippen gebrochen hatte. Er schlug seinen Sohn, bis er auf dem Boden lag. Sein Sohn stand auf und schlug zurück, und der Vater fiel zu Boden.

Seine älteren Kinder sind abgehauen. Die Mutter und die sechsjährige Tochter blieben noch da. Die Mutter ging ins Schlafzimmer und wollte Sachen packen, aber der Vater schmiss sich auf sie und würgte sie auf dem Bett. Die kleine Tochter bekam dies mit und schmiss sich auf dem Vater und würgte ihn, damit die Mutter wegrennen konnte. Das kleine Mädchen flog gegen die Wand. Die beiden Frauen rannten so schnell, wie sie konnten aus dem Haus und versteckten sich für zwei Stunden im Hühnerstall. Der Vater ging in dieser Zeit schlafen.

Die Tochter und die Mutter gingen in die Wohnung und wollten den Autoschlüssel holen, aber er war nicht da. Sie vermuteten, dass der Schlüssel unter dem Kopfkissen vom Vater sei. Und da war er auch. Die Mutter holte den Schlüssel schnellstmöglich und rannte zum Auto. Ihr Kind machte das Tor auf, damit sie rausfahren konnte. Sie mussten sich beeilen, weil der Vater aufwachte. Er kam hinterher und versuchte mit einem Stein jemanden der beiden zu treffen, aber er traf nur das Auto. Die beiden fuhren zu Freunden, weil sie nicht wussten wohin. Weihnachten war versaut worden für jeden an diesem Abend.
Die Mutter ging zur Polizei, um mit ihnen zu dem Ehemann zu gehen. Als sie dort ankamen, bemerkten sie, dass der Vater anscheinend in der Nacht noch Bretter an die Fenstern und Türen hämmerte.

Der Mann wurde von einem Gericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und musste einige Monate mindestens 100 Meter von seiner Frau und den Kindern entfernt bleiben.

Leider lernte die Frau aus den schrecklichen Erfahrungen nichts und kam wieder mit dem Mann zusammen. Zwar liebt sie ihren Mann nicht mehr, aber sie schafft es trotzdem nicht von ihm weg zu kommen. Durch diesen Mann ist die Familie zerstört worden.

Wenn Frauen missbraucht werden, wendet man sich am besten an das Frauenhaus in Itzehoe unter 04821/61712 oder, um schnelle Hilfe in einer gefährlichen Situation zu erhalten, direkt an die Polizei (110). Man wird dann erst einmal in Schutz genommen und dann laufen Verfahren gegen den Täter. Der Staat unterstützt die Missbrauchte, falls zum Beispiel Geld oder soziale Hilfe benötigt werden.

Jugendliche finden Hilfe beim Kinder- und Jugendtelefon (0800 1110333) oder bei der Telefonseelensorge (0800 1110111 oder 0800 1110222).

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