Hablik-Villa: Farbig wie vor 90 Jahren

Beeindruckt: Albrecht Barthel (l.) und Harald Brommer im frei gelegten Esszimmer. Foto: ehrich
Beeindruckt: Albrecht Barthel (l.) und Harald Brommer im frei gelegten Esszimmer. Foto: ehrich

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28. November 2012, 07:39 Uhr

itzehoe | Sie kratzen ganz behutsam. Maria Fasshauer und Karolin Wiench sind im Endspurt, aber sie bleiben vorsichtig. Die beiden Restauratorinnen legen den letzten Rest frei der Decken- und Wandbemalung, mit der Wenzel Hablik vor fast 90 Jahren das Esszimmer seiner Villa in der Talstraße schmückte. Zur Feier des Tages hat das Landesamt für Denkmalpflege eingeladen.

In den 1920er Jahren seien viele Räume angemalt worden, sagt Albrecht Barthel vom Landesamt für Denkmalpflege. Doch Habliks Werk aus dem Jahr 1923 sei so farbenfroh und konsequent geometrisch im Bauhaus-nahen Stil, dass es einmalig sei. Barthel schreibt eine Doktorarbeit über Habliks Raumausmalungen. Zwölf davon habe er zwischen 1920 und 1928 im Land angefertigt. "Davon sind heute vier Räume erhalten und in wesentlichen Teilen frei gelegt." Zuletzt geschah dies im früheren Kontorhaus Bölck in Bad Oldesloe, heute eine Schule. Die Arbeiten in der Talstraße finanziert das Landesamt mit rund 50 000 Euro.

Was zum Vorschein kam, hatte Barthel bereits zu Beginn als "denkmalpflegerische und kulturhistorische Sensation" eingestuft. Mit Grundierung und Ölmalerei habe Hablik eine der stabilsten Farbgebungen überhaupt geschaffen. Sie ist sehr gut erhalten, obwohl der Raum 1933 übertapeziert wurde - möglicherweise, um bei den neuen Machthabern nicht aufzufallen. Bis heute war die Malerei nur aus alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen bekannt. Bis Ende Januar soll sie von den Restauratorinnen der Lauenburger Firma Erdmann und Ahrends wieder hergestellt werden. Auch der Raum soll möglichst originalgetreu gestaltet werden, von Fußleisten über Drehschalter bis zu Speiseaufzug und Möbeln - gesucht wird, wie berichtet, insbesondere ein großer Bücherschrank.

Dabei unterstütze die Wenzel-Hablik-Stiftung, so Vorsitzender Harald Brommer. Er dankt dem Landesamt ebenso wie dem neuen Eigentümer der Villa, der auch bei der weiteren Gestaltung des Hauses Rücksicht auf das künstlerische Erbe nehmen will. So könne es vielleicht doch irgendwann Museum werden. Die Stadt habe sich leider nicht dazu durchringen können, die Vorstellungen von Denkmalschutz und Stiftung aufzugreifen, so Barthel. Dabei sei die Villa eine kulturhistorische Attraktion: "Es liegt auf der Hand, dass das hier der ideale Ort ist, um ein Künstlermuseum zu machen." Der private Eigentümer will zumindest das Esszimmer zu bestimmten Anlässen für Besichtigungen öffnen.Infos: www.hablik-projekt.de.

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