Itzehoe : Hablik-Villa: Ein Schatz taucht auf

Akribische Arbeit: Vorsichtig legen die Restauratorinnen Maria Fasshauer (vorn) und Karolin Wiench die Malerei frei. Foto: ehrich
Akribische Arbeit: Vorsichtig legen die Restauratorinnen Maria Fasshauer (vorn) und Karolin Wiench die Malerei frei. Foto: ehrich

Neuer Eigentümer lässt Farbkomposition im Esszimmer wieder herstellen / Suche nach alten Hablik-Möbeln

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16. November 2012, 07:47 Uhr

itzehoe | Sommer 1933. Mit Makulatur verbirgt Wenzel Hablik die Farbenpracht in seinem Esszimmer in der Talstraße 14. "Womöglich aus Sorge, diese revolutionäre Farbgebung könne ihm bei den neuen Machthabern arge Probleme bereiten", sagt Albrecht Barthel vom Landesamt für Denkmalpflege. Jetzt kommt die Malerei an Decken und Wänden wieder zum Vorschein, in "erstaunlich gutem Zustand und erstaunlich vollständig". Für Barthel ist es "denkmalpflegerisch und kunsthistorisch eine Sensation", was sich in der Hablik-Villa ereignet.

Verantwortlich dafür ist der neue Eigentümer, der das Haus renovieren lässt, nachdem er es von Hablik-Enkel Bendix Klingeberg erworben hatte. Nach wie vor will der 55-jährige Itze hoer nicht namentlich in Erscheinung treten. Begeistert verfolgt er, was im alten Hablik’schen Esszimmer zum Vorschein kommt, finanziell gefördert vom Landesamt für Denkmalpflege. Restaurator Gerold Ahrends und sein Team legen vorsichtig Habliks geometrische Farbkomposition aus dem Jahr 1923 frei. Ist die Tapete entfernt, wird der Erhaltungszustand dokumentiert, Schäden und Verluste werden kartiert. Danach wird die Malerei gereinigt und restauriert, verlorene Stellen werden rekonstruiert. Im Juni 2013 soll das Kleinod wieder in altem Glanz erstrahlen.

Der Hauseigentümer will es auch zeigen, beim Tag des offenen Denkmals und in Veranstaltungen des Wenzel-Hablik-Museums. Doch sein Ehrgeiz reicht noch weiter: "Wir wollen das Zimmer in den absoluten Originalzustand zurückversetzen." Dabei geht es um viele Details, so solle ein Tischler wieder einen Speiseaufzug bauen. "Wenn es irgendwie gelingt", will der 55-Jährige auch die Einrichtung von damals wieder auftreiben. Teile stehen im Hablik-Museum oder sind im Fundus, doch ein runder Tisch, Stühle und ein Bücherschrank fehlen. Diese seien 1945 auf die Schnelle von Habliks Witwe in ihre Weberei am Holzkamp gebracht worden, als die englische Besatzungsmacht in der Talstraße ein Casino einrichtete, meint der Itzehoer. Zurückgekommen seien sie nie - doch nun hofft er auf Informationen zum Verbleib der Stücke.

Weitere Informationen und Kontakt über www.hablik-projekt.de.

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