Kreistag : Hablik-Rede: CDU wäscht Rehder den Kopf

  Abfuhr für Volker Rehder im Kreishaus.
Abfuhr für Volker Rehder im Kreishaus.

Fraktion distanziert sich von eigenem Mitglied

Avatar_shz von
14. Dezember 2014, 16:00 Uhr

Eine so heftige Kopfwäsche hat wohl noch kein Kreistagsabgeordneter erlebt – jedenfalls nicht von den eigenen Leuten. In der September-Sitzung hatte Dr. Volker Rehder (CDU) mit Hinweisen auf eine vermeintlich braune Vergangenheit des Künstlers Wenzel Hablik und seinen Werken eine erregte Diskussion um das Museum losgetreten (wir berichteten). Jetzt distanzierte sich CDU-Fraktionschef Dr. Reinhold Wenzlaff „mit Nachdruck und entschieden“ von den Äußerungen seines Parteifreundes. Mehr noch: „Diese Aussagen waren auch völlig überflüssig, um zu einer Entscheidung in der Sachfrage beizutragen.“ Im Vorfeld soll es innerhalb der CDU-Fraktion bereits heftige interne Kritik an Rehders Redebeitrag gegeben haben.

Der Itzehoer Kreispolitiker nahm die Schelte stumm zur Kenntnis. Dafür legte SPD-Sprecher Rainer Naudiet nach: „Die Aussage der CDU-Fraktion zu ihrem Abgeordneten Rehder war ausgesprochen wohltuend.“ Dass Rehder seine Äußerungen in einem Gespräch mit unserer Zeitung in dieser Woche selbst als „vielleicht etwas schroff“ eingestuft hatte, wertete Naudiet als eine Art Entschuldigung. Kein Verständnis mochte der Sozialdemokrat allerdings für erneute Versuche aufbringen, den 1934 verstorbenen Hablik in eine politisch rechte Ecke zu stellen. „Der Künstler ist instrumentalisiert worden und konnte sich nicht dagegen wehren“, so Naudiet. Von Rehder bislang vorgelegten Belege wie Berichte in einer Mode-Illustrierten und in Ausstellungskatalogen aus der Zeit des Nationalsozialismus stufte der SPD-Mann als eher fragwürdig ein.

Nach der Klärung der Fronten innerhalb der CDU-Fraktion standen erneut Zuschuss-Anträge für die Hablik-Stiftung auf der Tagesordnung. Hier gab es wie schon im September keine Mehrheiten für das Museum. Ein SPD-Antrag für eine einmalige Zuwendung von 10  000 Euro – wortreich von der Abgeordneten Sina Esselborn-Große begründet – fiel relativ knapp durch. Mit ihrer Initiative für einen jährlichen Zuschuss von 10  000 Euro standen die Grünen dann ganz auf verlorenem Boden.

Reinhold Wenzlaff konnte der öffentlichen Diskussion aber auch etwas Positives abgewinnen: „Die vielen Presseberichte haben das bürgerliche Engagement für das Hablik-Museum verstärkt.“ Und das meine er weder ironisch, noch sarkastisch, betonte er.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen