Wirtschaft : Haargenaue Arbeit

Feines Gespür ist gefordert, wenn Mikrotechnologin Saskia Schröder mit den Bauteilen arbeitet.
Feines Gespür ist gefordert, wenn Mikrotechnologin Saskia Schröder mit den Bauteilen arbeitet.

In einer Serie stellen wir Beschäftigte im Itzehoer Innovationsraum vor. Den Anfang macht die 28-jährige Saskia Schröder, die als Forscherin in der Mikrotechnologie im ISIT arbeitet.

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14. Januar 2015, 05:53 Uhr

Itzehoe | Innovationsraum? Das sind die Gebäude hinter der Autobahnbrücke an der Abfahrt Itzehoe-Nord. Mehr wissen die meisten nicht über die boomende Hightech-Region der Stadt. In loser Folge stellen wir Beschäftigte und ihre Arbeitsfelder vor.

Leben und arbeiten in Itzehoe? Das kann sich nicht jeder vorstellen. Entsprechend schwer haben es oft Firmen, neue Angestellte zu finden – da macht das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie ISIT keine Ausnahme. Ein Gegenbeispiel arbeitet in einem Labor im ersten Stock: Saskia Schröder (28) ist Forscherin in der Mikrotechnologie und Ur-Itzehoerin.

Hier besuchte sie die Ernst-Moritz-Arndt-Schule, die Realschule am Lehmwohld und schließlich das heutige Regionale Berufsbildungszentrum (RBZ). Dort wurden die Weichen gestellt, als sie den richtigen Weg zum Abitur suchte: „Die Ausbildungszweige Soziales und Wirtschaft haben mir nicht so gut gefallen, die Technik dagegen hat mich schon immer interessiert“, sagt sie. Die Leistungskurse Physik und Elektrotechnik weckten endgültig die Begeisterung, und bei der Suche nach einer Lehrstelle stieß Saskia Schröder auf das ISIT.

2005 begann sie die noch junge Ausbildung als Mikrotechnologin, und der Freundeskreis wunderte sich: „Als ich angefangen habe, kannte das noch keiner.“ Auch für den schulischen Teil konnte sie am RBZ bleiben, das eine Klasse für Mikrotechnologen hat: „Die Leute kommen aus ganz Deutschland hier nach Itzehoe, um hier die Berufsschule zu machen.“

Saskia Schröder schloss direkt ein Studium der Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Mikroelektronische Systeme an der Fachhochschule Westküste ab, arbeitete parallel im ISIT. Mit dem Bachelor war aber nicht Schluss. Seit gut einem Jahr hat die Itzehoerin den Master of Science, im ISIT ist sie wissenschaftliche Angestellte.

Dabei geht es um Verbindungen. Saskia Schröder arbeitet im Bond-Labor, in dem die Mikrochips durch sehr dünne Drähte mit dem Gehäuse verbunden werden – nur so können die Ströme fließen. Die Drähte, vor allem aus Aluminium und Gold, haben in der dünnsten Form einen Durchmesser von 25 Mikrometern – „das ist ungefähr die Hälfte von einem menschlichen Haar“, sagt die 28-Jährige. „Die werden dann richtig verschweißt mit Druck und Ultraschall.“ Das Gerät dafür erinnert vom Aufbau her an eine Nähmaschine, und das Einfädeln der Drähte auch: „Man muss Geduld haben.“

Bauteile für die Leistungselektronik müssen besonders viel aushalten, deshalb werden in diesem Bereich keine Drähte, sondern bis zu 0,3 Millimeter dicke und zwei Millimeter breite Bändchen aus Aluminium verwendet. Der Forschungsbedarf ist groß: Die meisten Ausfälle gebe es wegen nicht funktionierender Verbindungen, erläutert Saskia Schröder. Sie macht auch Versuchsreihen mit Mikrochips für Kunden, stellt elektrische Verbindungen für die Chips her, trennt sie wieder und misst die Kraft, die dafür nötig ist. Dabei sei die Geometrie der gelieferten Bauelemente immer unterschiedlich: „Es ist jedes Mal etwas komplett anderes.“ Mal sind nur zwei Drähte erforderlich, dann wieder mehr als 250: „Das sieht dann aus wie eine Spinne mit ganz vielen Beinen.“ Neue Materialien und Oberflächen werden ausprobiert, und alles muss zueinander passen. Denn wenn Strom fließt, werden die elektrischen Bauelemente warm. Dehnen sie sich unterschiedlich aus, ist das schlecht für die Verbindung.

Saskia Schröder hat einen Zeitvertrag, will aber im ISIT bleiben – „wenn irgendwie die Chance besteht“. In der Abteilung gebe es ein tolles Team, das sich auch häufiger nach der Arbeit zum Geocaching aufmache. Und in ihrer Geburtsstadt will die 28-Jährige ohnehin bleiben. Im Betriebssport spielt sie Fußball, außerdem in einer privaten Gruppe in Kellinghusen mit ihrem Freund, durch den sie auch das Segeln auf der Ostsee lieben gelernt hat. Die Großstadt? Mal ganz nett, aber nicht lange: „Es ist immer wieder schön, nach Itzehoe nach Hause zu kommen.“ Zum Leben und zum Arbeiten.

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